Heft 
(1859) 12 12
Seite
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.382 Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

und Haferkuchen hervorgehen, die ſich leicht und bequem verpacken laſſen und vielfache Anwendung in Fällen finden, wo Platz zu ſparen iſt.

Der franzöſiſche Naturforſcher Serres hat in dem Harze der Achros balata, eines Baumes, der wild auf Guyana, Martinique und auf den weſtindiſchen Inſeln wächſt, einen Stoff gefunden, der geſchmeidiger und elaſtiſcher iſt, als Gutta Percha und eine höhere Hitze erfordert, um zu ſchmelzen. Nach des Entdeckers Anſicht iſt dieſes Harz in vielen Anwendungen der Gutta Percha vorzuziehen.

Kurioſa.

Die Verwendung des Papiers in Japan iſt äußerſt mannigfach. Aus Papier wird dort ein Stoff gemacht, der ſich vom beſten Marokko⸗Leder kaum unter⸗ ſcheiden läßt; aus Papier verfertigt man mit Hilfe von Lack Reiſekoffer, Sättel, Teleſkopgeſtelle, vortreffliche waſſerdichte Ueberröcke, Taſchen⸗ und Handtücher. Aus Papier beſtehen zum großen Theile die Zwiſchenwände in den Häuſern, und aus feinem Papier dreht ein ja⸗ paneſiſcher Ladenbeſitzer in wenigen Sekunden einen Bindfaden zum Zuſammenbinden ſeiner Waare, der dem unſrigen an Stärke nicht nachſteht. Kurz, Papier ſpielt hier überall eine unglaublich große Rolle, und weiſe Mütter ſtipuliren im Heiratskontrakt ihrer Töchter, wie viel Papier dieſen zur Verfügung geſtellt werden müſſe, damit ſie eine anſtändige Wirthſchaft führen können.

Petrarka hatte einen ledernen Ueberwurf, auf den er beim Spazierengehen Gedichte ſchrieb, wenn ihm Papier oder Pergament fehlte. Dieſes Kleidungsſtück wurde noch im Jahre 1527 von dem Kardinal Sadalet als eine koſtbare Reliquie den Verehrern des großen Dichters gezeigt. Ueberhaupt ſcheint die Sitte, auf die Kleider zu ſchreiben, im Mittelalter nichts Ungewöhn⸗ liches geweſen zu ſein; denn es wird von einem Abte erzählt, der ſeinen Mönchen befahl, wenn ſie ein Werk

vom heiligen Anaſtaſius finden und kein Papier bei der

Hand haben würden, es auf ihre Kleider abzuſchreiben. Die Darmhäute wurden ebenfalls zuweilen zum Schrei⸗ ben angewendet. Zonares erzählt in ſeinen Annalen, daß die Bibliothek zu Konſtantinopel, die im Jahre 476 in Flammen aufging, die Iliade und Odyſſee, mit Goldbuchſtaben auf einem Schlangendarm von 120 Fuß Länge geſchrieben, beſeſſen habe. Die berühmte Ambro⸗ ſianiſche Bibliothek zu Mailand bewahrt ein Diplom auf, zu dem man Fiſchhaut verwandt hat.

Billigkeit der Feldfrüchte im Jahre 1363. Kaspar Hedion erzählt davon in ſeiner Chronik: Ein ganzes Viertel Weizen ward in dieſem Jahre um 22 Straßburger Pfennige, ein Viertel Korn um 16 Pfen⸗ nige, 16 Eier um 1 Pfennig und ebenſo 8 Häringe um 1 Pfennig verkauft. Gerſte und Hafer kamen das Viertel auf 10 12 Pfennige, und das Heu wurde gleich auf den Wieſen im Ganzen um wie der Chroniſt ſich naiv ausdrückt einen Pappenſtiel hergegeben. Feder⸗ vieh gab's in ſolcher Menge, daß man es an arme Leute verſchenkte. Möchte doch auch der Jetztzeit einmel ein ſo geſegnetes Jahr kommen!

In Scholzendorf in Schleſien iſt eine 50 jährige Frau wohnhaft, welche weite Vergnügungsreiſen unge⸗ mein liebt. Im Jahre 1853 beſuchte ſie ihre Söhne in Auſtralien, kehrte im März 1858 zurück und hat, am letzten 30. April abermals dieſe kleine Vergnügungstour angetreten. Wenn das ſo fortgeht, werden die Auſtralier ihre Verwandten im Queisthale bald auch zum Hoch⸗ zeits⸗ und Kindtaufſchmauſe einladen und ſich gegenſeitig Kaffeeviſiten abſtatten.

nicht.

Der holländiſche Maler Heimskerk hat ſeine Ku⸗ rioſität nicht mit ſich wollen ſterben laſſen, verordnet alſo in ſeinem Teſtament eine ſchöne Summe Geldes zur Ausſtattung einer armen Jungfer, jedoch mit dem Beding, daß am Hochzeittag Braut und Bräutigam ſammt allen Hochzeitgäſten auf ſeinem Grabe tanzen ſollten, welchem Verlangen auch nachmals ſtrikte Folge geleiſtet worden.

Anekdoten.

Der edle Kanzler Morus, das Opfer des Tyran⸗ nen Heinrich VIII., bewahrte bekanntlich bis in den Tod ſeine gewohnte Heiterkeit und Seelenruhe. Als ein Barbier zu ihm in's Gefängniß gebracht wurde, um ihn zu raſiren, entließ er denſelben mit der Bemerkung: Mein Freund! ich und der König führen Prozeß um meinen Kopf, daher will ich nicht eher Geld für den Bart ausgeben, als bis ich weiß, wer den Kopf behält.

In der Eifel, wo die Pferde ſeltner ſind, als anderswo, ſieht ein Bauernknabe am Wirthshaus ein ſchöneß Roß angebunden und kann ſich nicht ſatt daran ſehen. Wie der Herr des Pferdes heraus kommt, fragt der Junge neugierig:Iſt das Pferd euer Herr? Nein, antwortet jener,ich bin dem Pferd ſein Herr. Der Knabe, welcher die Antwort nicht faßte, fragt zu Haus ſeinen Vater darüber, der's ihm vergeblich begreif⸗ lich zu machen ſucht. Da geht der Alte mit dem Knaben in den Stall, ſetzt ſich auf einen Ochſen und ſagt: nun frag mich einmal, wie du den Herrn fragteſt.

Sohn: Iſt das Pferd euer Herr?

Vater: Du ſiehſt ja doch, daß das kein Gaul, ſon⸗ dern ein Ochs iſt, und ich bin auch kein Herr, ſondern dein Vater.

Sohn: Iſt der Ochs euer Vater?

Vater: Nein, ich bin dem Ochs ſein Vater.

In dem jüngſten Examen der mediziniſchen Fakultät ereignete ſich nachfolgendes komiſche Intermezzo. Ein Examinator läßt einen Patienten vorführen und beauf⸗ tragt die Examinanden, aus den äußern Merkmalen das Uebel des Leidenden zu erkennen. Man prüfte, trotz aller Anſtrengung, vergebens.Aber, meine Her⸗ ren, ſagt endlich der Herr Profeſſor unwillig,ſehen Sie denn nicht, daß der Mann taubſtumm iſt? Entſchuldigen Sie, Herr Profeſſor, erwiedert plötzlich das ärztliche Modell mit ſonorer Stimme,das bin ich Das iſt mein Bruder, der noch draußen wartet.

A. Du, alſo nanu hat er ſich erklärt, wat er im Stiebel Europa's bezweckt.

B. Na, wat denn?

A. Er will ihn vorſchuhen laſſen un ihm des öſtreich'ſche Pech nehmen.

B. Na, wird er denn des leiſten? 1

A. Det ſteht dahin. Ick vor meinen Theil iloobe nich, deß der Stiebel durch die Wichſe, die er jetzt kriegt, ſehr jlänzend werden wird. Wat ick hoffe, is des, deß wenn Er ihn ſich anziehen will, die Stränge reißen un man in Paris von Abſätzen ſprechen wird.

Vor mehreren Jahren wurde auf vielen Bühnen ein Drama unter dem Titel:Napoleons Glück und Ende aufgeführt. Wäre es nicht zu wünſchen, daß man dasſelbe auf dem Kriegstheater neueinſtudirte?

Wir glauben, es würde, was von allen Seiten gewünſcht wird: wieder Caſſe machen.

(B. M.)

Wie Manche den Charakter des Menſchen nach ſei⸗ nem Lachen beſtimmen, ſo will ihn Sailer aus dem Eſſen erkennen, denn er behauptet:Die Weiſen eſſen langſam; die Gottesfürchtigen nicht bis zur Sätti⸗