Heft 
(1859) 12 12
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der

Hum⸗

Feuilleton. 381

Freund Hamilton's, Madiſon's und Derer, welche den rund unſerer großen und glücklichen Union, und wohl⸗ verſtanden, der Grundſätze unſerer Regierung legten. Von jener Zeit bis zu ſeinem Tode bewachte er mit dem tiefſten Intereſſe jeden Fuß breit unſeres Fort⸗ ſchritts. Humboldt glaubte an Fortſchritt, Erhebung der Menſchheit; er glaubte, daß ein lichterer Tag der Kenntniß, Freiheit und Tugend dem Menſchengeſchlechte noch vorbehalten ſei. Die geiſtige Sonne zweier Jahr⸗ hunderte iſt untergegangen, und wir beweinen den Hin⸗ tritt des Königs der weiten Wiſſensreiche.

Unſere braven Soldaten werden auf dem Schlacht⸗ felde in Italien einer ganz eigenthümlichen Truppe ſich gegenüber finden, den Turkos. Ein ganz ſonderbares Gemiſch von Nationalitäten aller Art iſt es, welches mit dieſem Namen bezeichnet wird. Kabylen, Araber, Mauren und National⸗Franzoſen bilden zuſammen eine eben ſo bunte als originelle Truppe afrikauiſcher Tirail⸗ leurs. Sie unterſcheiden ſich weſentlich von den Zuaven, welche ſeiner Zeit nicht weniger Aufſehen hervorriefen. Denn die Letzteren ſind reguläre Truppen und bilden, ſeitdem das urſprünglich afrikaniſche Element wegen ſeiner unbeſiegbaren Unverträglichkeit mit dem europäi⸗ ſchen immer mehr aus denſelben verſchwand, beinahe ganz ein franzöſiſches Freiwilligenkorps, welches nur noch in der maleriſchen mauriſchen Tracht an ſeinen Urſprung erinnert. Die Turkos hingegen ſtellen eine unregelmäßige Truppe vor, in welcher die algeriſchen Eingebornen an Zahl und Sitte unbedingt vorherr⸗ ſchen. Es ſind abgehärtete, energiſche Männer, bewährt als vortreffliche Schützen, zu welcher Waffengattung ihr außerordentlich ſcharfes Geſicht ſie vorzugsweiſe be⸗ fähigt. Aus dieſem Grunde eignen ſie ſich auch ganz beſonders für den ſogenannten kleinen Krieg, d. i. zur Verwendung als Vorpoſten, beim Plänkeln u. ſ. w., wo ſie ausgezeichnete Dienſte leiſten. In dieſer Weiſe wurden ſie auch bisher in Algerien zum Kampfe gegen die noch unabhängigen Stämme von den Franzoſen benützt, wo ſie ſich durch ihre Wildheit und Grauſam⸗ keit furchtbar gemacht haben. Aeußerlich iſt ihr Erſchei⸗ nen überaus imponirend. Ihre Uniform nach mauri⸗ ſchem Schnitte iſt höchſt maleriſch, ihre Geſichtsbildung ſcharf ausgeprägt und von energiſchem Ausdruck, wozu die bronzeartige Hautfarbe noch mehr beiträgt. Die Haltung iſt, obgleich läſſig, doch kriegeriſch und die all⸗ gemeine Aufmerkſamkeit auf ſich ziehend. Ihre Be⸗ waffnung mit langen, weitzielenden Gewehren iſt vor⸗ trefflich und ganz zweckmäßig für ihren Dienſt. Dieß ſind die Leute, mit denen unſere wackeren Grenzer und Tiroler Jäger ſich meſſen werden.

In China ſcheint die Roſe ſeit dem früheſten Alterthume gekannt und beſonders gepflegt worden zu ſein. Die Bücherſammlung des Kaiſers von China be⸗ ſteht aus ungefähr 18,000 Bänden, von denen 12,000 Manuſkripte. Unter letzteren befinden ſich allein 1500, die von Botanik und Blumiſtik handeln, und hiervon beſchäftigt ſich ein Dritttheil wieder vorzugsweiſe nur mit dem Roſenſtrauche. Die Gärten des Kaiſers von China bringen eine ſolche Menge von Roſen hervor, daß das daraus gewonnene Oel eine jährliche Rente von einigen 100,000 fl. abwerfen ſoll. Die kaiſerliche Familie, die Mandarinen und übrigen höchſten Würden⸗ träger des Reiches dürfen allein ſich dieſes Aroma's bedienen. Fände ſich ein Fläſchchen ſolcher Eſſenz da⸗ von in dem Hauſe eines niedrig ſtehenden Mannes, es würde ſeiner eine eben ſo ſtrenge Strafe warten, als hätte er einen Mord begangen. Je kleiner die Roſen, deſto werthvoller ſind ſie in China, und die Sträucher, auf denen ſie wachſen, ſind ſelten höher als 8 Zoll; größere ſind verhältnißmäßig werthloſer. Die Chineſen kennen nur zwei Sorten Roſen, die weiße und die rothe Moosroſe. Die von Blumiſten in Europa befolgten

Methoden, Farben und Arten zu vervielfältigen, ſcheinen ihnen gänzlich unbekannt zu ſein. China führt große Maſſen Roſenwaſſer aus; indeſſen wird das aus Mittel⸗ aſien und Perſien in Europa höher geſchätzt. Dem aber⸗ gläubigen Chineſen muß die Roſe auch als Abwehr gegen böſe Geiſter dienen: er hängt ſie deßhalb in Säck⸗ chen über ſeine Thür, und hält dann ſeine Schwelle für geſichert; in Siam glaubt ſich der, welcher recht viele Roſen baut, um ſo berechtigter, auf ein langes und glückliches Leben zu hoffen.

Gewerbliches.

Die böhmiſche Glasfabrikation, dieſer Ruhm des Landes, der durch alle Welt gedrungen iſt, und dieſer wichtige Nahrungszweig, an dem Tauſende Arbeiter ihren Unterhalt gebunden ſehen, ſteht auf drei feſten Grundlagen: Die erſte bildet eine fleißige kunſtfertige Arbeiterklaſſe; die zweite, der wohlfeile Brennſtoff, der bis jetzt in ausgedehnten Waldungen geboten war und an beßen Stelle nun eine ſehr billige Braunkohle von unerſchöpflicher Menge tritt; die dritte Grundlage bildet der Reichthum an vorzüglicher Kieſelſäure in der Form eines reinen weißen Quarzes. Er findet ſich im Böhmer⸗ wald, im Rieſengebirge, und auch das Erzgebirge, wo bis jetzt die Glasinduſtrie nicht angeſiedelt war, weil das Holz ſeiner Waldungen für den Bergbau und die Metallhüttenwerke als nothwendiger erſchien, iſt reich daran, namentlich die Zinnwerke, wo der Quarz in großer Reinheit als Muttergeſtein auftritt. Seit nun die Glasfabrikation ſich in die Gegend der reichen Braun⸗ kohlenablagerungen am Fuße des Erzgebirges hinzieht, ſind die Fundorte von Quarz in dieſer Gegend von großer Bedeutung. Auch unten am Fuße des Erzge⸗ birges in unmittelbarer Nähe der rieſigen Braunkohlen⸗ ablagerungen, von 3 bis 24 Klafter Mächtigkeit, ſind brauchbarer Quarzſand und Sandſteine in großer Menge vorhanden, aber noch erfreulicher iſt die neuerliche Ent⸗ deckung von Quarzfelſen bei Bilin in Böhmen, alſo in der Mitte vorzüglicher Kohlengruben von großer Aus⸗ dehnung. Ein jeder ſolcher Fund in der Nähe der Bilathal⸗Braunkohle bildet eine neue Bürgſchaft, daß es dem Auslande nicht gelingen wird, Böhmen ſeine urwüchſige Glasinduſtrie zu entreißen; wenn zu der natürlichen Grundlage der Unternehmungsgeiſt und die Sorgfalt für den techniſchen und vorzugsweiſe für den künſtleriſchen Fortſchritt immer wach bleibt.

Ladey, der Erfinder des künſtlichen Holzes, nimmt ſehr feine Sägeſpäne, trocknet ſie ſcharf und miſcht ſie mit Blut aus den Schlachthäuſern. Dieſe ſo gewonnene plaſtiſche Maſſe ſetzt er in geeigneten Formen einem ſehr ſtarken hydrauliſchen Drucke aus. Man kann die Maſſe in gravirte Modelle drücken und geſchnitztem Holze ganz ähnliche Sachen hervorbringen. Auch ſoll man auf dieſe Weiſe ſehr gute Bürſten machen. Man ſetzt nämlich die Borſten in die noch weiche Holzmaſſe ein, ſteckt die vorſtehenden Borſten durch eine Platte mit Löchern und preßt dann die Maſſe mit den einge⸗ ſetzten Borſtenenden zuſammen, wodurch die Bürſte wie aus einem Stück gegoſſen erſcheint.

Jedermann hat von den Preßgemüſen gehört, die aus Paris, Frankfurt und Offenburg(Baden) kom⸗ men. Mancher hat dieſelben gekoſtet, auch dann und wann über deren Heugeſchmack geklagt. Dieſer Umſtand iſt jedoch durchaus kein Uebelſtand bei dem neuen H eu⸗ zwieback, den ein Thierarzt der kaiſerlichen Garde in Paris aus Heu und Hafer bereitet. Stroh und Heu werden wahrſcheinlich auf der gewöhnlichen Häckſellade klein gehackt, mit gequetſchtem Hafer gemengt, mit einer Abkochung von Leinöl übergoſſen und dann unter eine Preſſe gebracht, aus welcher dann vollkommene Heu⸗