Heft 
(1859) 12 12
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Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Franz Certain⸗ Canrobert,

franzöſiſcher Marſchall und früher Oberbefehlshaber der Armee in der Krim, wurde 1809 im Departement des Lot, ganz in der Nähe des Dorfes geboren, das Murats Heimat war. Im No⸗ vember 1826 in die Militärſchule von St. Cyr aufgenommen, die er zwei Jahre lang mit Auszeichnung beſuchte, trat er im Herbſt 1828 als Unter⸗Lieutenant in das 47. Linien⸗Regiment und ging 1835 als Lieutenant nach Algier. In der⸗ Provinz Oran, wo ſein Regiment ſtationirte, nahm er an allen Zügen Theil, welche unter den Generalen Clauzel, d'Arlanges und Letang gegen Abd⸗el⸗Kader, der nach ſeinem Siege an der Makta den Franzoſen viel zu ſchaffen machte, ausgeführt wurden. Bei der Expedition gegen Maskara zog Canrobert die Blicke der Ober⸗ Offiziere zuerſt auf ſich. Da er bei⸗ der Einnahme von Tlemſan, bei dem Gefecht an der Tafna und überall ſonſt, wo gekämpft wurde, die gute Meinung, die man von ihm hegte, glänzend rechtfertigte, ſo wurde er im Frühjahr 1837 zum Hauptmann befördert. Bei dem Sturm auf Konſtantineh erhielt er in der Breſche und an der Seite des Oberſten Combes, der tödtlich verwundet wurde, einen Schuß ins Bein. Die letzten Worte, die der ſterbende Oberſt ſprach, waren eine Empfehlung Can⸗ roberts, den er dem Marſchall Valse als einen Offizier bezeichnete, der eine Zukunft habe.

Zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, wurde er 1839 mit dem ſchwierigen Auftrage betraut, aus den Banden Cabrera's, die ſich auf franzöſiſchen Boden gerettet hatten, ein Bataillon für die Fremdenlegion zu bilden. Im Lager von St. Omer arbeitete er dann an den Anweiſungen für Offiziere der leichten Truppen, die unter der perſönlichen Leitung des Herzogs von Orleans entworfen wurden. 1841 kämpfte er wieder mit dem 6. Bataillon der Jäger zu Fuß in Algier, wurde 1842 zum Bataillonschef im 15. leichten Regiment befördert und führte ſeine Jäger am Schelif. Sowohl in dieſen Jahren, als 1855, wo ſtatt Cavaignac's St. Arnaud ſein Vorgeſetzter wurde, erregte er ſelbſt unter den kriegsgewohnten Truppen von Algier durch ſeine ritterliche Tapferkeit Aufſehen. Wie er bei Bahl mit 250 Jägern gegen 3000 Feinde Stand hielt, ebenſo ſchlug er ſich hartnäckig acht Monate lang, ohne jemals den Gegner zu zählen, gegen die Kabylen und trug zur Unterwerfung der an Tenes grenzenden Bezirke weſentlich bei. 1848 bekam er als Oberſt den Befehl über ein Regiment der Fremdenlegion, mit dem er die Bergbewohner des Aures ſchlug und den Bey Achmed ge⸗ fangen nahm. Von der Fremdenlegion ging er zu den Zuaven über und führte er mitten in der Cholerazeit den heldenkühnen Zug gegen Zaatſcha aus. Die Verſtärkungen, die er brachte, gaben dem General Herbillon, der halb unthätig vor der Oaſe lag, die Mittel, Entſcheidendes zu unternehmen. Unterwegs bei Boa Sada ſah er ſich von einer zahlloſen Schar Araber um⸗

zingelt.Platz! rief ihnen Canrobert zu,mit mir kommt die Peſt! und erſchrocken ſtäubten die Feinde auseinander und ließen ihm den Weg frei. Das Dorf Zaatſcha liegt mitten in einem dichten Palmenwalde, der von wenigen Fußpfaden durch⸗ zogen wird. Ringsum laufen Gärten, meiſtens von Gräben und ſämmtlich von Mauern in verſchiedenem Niveau durchzogen. Das Dorf ſelbſt iſt eine Feſtung, denn abgeſehen von der Kasbah oder Citadelle, die mit Baſtionen und krenelirten Mauern um⸗ geben iſt, hat jedes ver ſteinernen Häuſer Schießſcharten. Die Zeit vom 8. bis 26. Mov. 1849 verfloß, ehe die Franzoſen die Gärten und den Wald überwunden hatten. An dem letzt⸗ genannten Tage war eine gangbare Breſche da, und es konnte geſtürmt werden. Oberſt Canrobert führte die eine der drei Sturmkolonnen, und dieſe war es, welche die Entſcheidung brachte. Von den ſechzehn Zuaven, die ihn als Deckung umgaben, fielen zwölf, von ſeinen vier Ordonnanzoffizieren wurden zwei getödtet, aber er kämpfte ſich durch ein Gewirr von Gaſſen auf den Markt des Ortes durch.

Der Lohn für dieſe Heldenthat war ſeine Ernennung zum Kommandeur der Ehrenlegion und zum Brigadegeneral. 1850

berief ihn der Prinz⸗Präſident na nachdem Canrobert eine Zeitlang ei hatte, zu ſeinem Adjutanten. In dieſer Stellung beſand er ſich zur Zeit des Staatsſtreiches und behielt ſie auch mit dem Range eines Diviſionsgenerals unter dem Kaiſer bei. Die erſten Kämpfe

ch Paris und ernannte ihn, ne Brigade Fußvolk befehligt

de ganzen Belagerung von Sebaſtopol in ſeine Hände gelegt. Gerade in

dieſer Zeit walteten ſo eigenthümliche Verhältniſſe ob, z. B. eine fortdauernde Uneinigkeit der Generale über die dem Haupt⸗ angriff zu gebende Richtung, daß das Mißlingen der Opera⸗ tione während der Zeit ſeines Kommando's nicht als ein Be⸗

an der Spitze Er war außerordentlich beliebt unter den Truppen, weil er ſtets für ihr materielles Wohl auf⸗ opfernd geſorgt, und ſein Erſcheinen wurde jedesmal mit lautem Das konnte Peliſſier nicht angenehm ſein und Canrobert erhielt daher am 26. Juli eine telegrafiſche Depeſche vom Kriegsminiſter, daß der Kaiſer ihn auffordere, zum Schutze ſeiner Geſundheit nach Frankreich zurückzugehen. Da Canrobert erwiederte, daß ihn Geſundsheitsrückſichten nicht bewegen wür⸗ den, ſeiner Thätigkeit ein Ziel zu ſetzen, traf alsbald eine neue Depeſche ein, welche Canrobert befahl, zum perſönlichen Dienſt bei dem Kaiſer in die Heimat zurückzukehren. Demzufolge ver⸗ ließ Canrobert am 8. Auguſt die Krim; das Vertrauen des Kaiſers blieb ihm ungeſchmälert erhalten, und er wurde nach einander zum Marſchall, zum Senator, zum Geſandten in Schwe⸗ den und zuletzt zu einem der fünf Oberkommandanten von Frank⸗

reich ernannt. Gegenwärtig kommandirt Canrobert das 3. Korps der Alpen⸗Armee.

Sprichwort im Rebus von Otto Gütz.

Verantwortlicher Redakteur: W. Ernſt. Papier und Druck des art.

Ausgegeben am 1. Juni 1859.

⸗typ. Inſtituts von Carl Bellmann in Prag.