Heft 
(1859) 12 12
Seite
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Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Charateriſtik in den Köpfen; auch ſcheint uns das Jo⸗ hanneskind etwas verzeichnet zu ſein.

Schweminger'sheilige Familie, Nr. 171, trägt zu viel den Stempel irdiſcher wenn auch ſchöner Modelle; übrigens iſt die Manier der Behandlung durch ihre zu ſtarke Glätte keine angenehme.

Otto Rethel aus Düſſeldorf brachte uns zwei brav gemalte Bilder, Szenen aus dem alten Teſtamente. Das eine ſtelltRuth und Boas in Nr. 216, das zweitedie Rückkehr des jungen Tobias, Nr. 259, vor. Unſerer Anſicht nach iſt das letztere das gelunge⸗ nere; die Kompoſition iſt eine die Handlung charakteri⸗ ſtiſch motivirende, die Figuren edel und ſchön in der Haltung, ebenſo das Kolorit ein harmoniſches, die Tech⸗ nik feſt mit markigem Pinſel. Bei dem erſten Bilde, Ruth und Boas, hätten wir an der nackten Figur des Knechtes nebſt der variationsloſen Fleiſchfarbe die allzugeringe Markirung des Körpers zu rügen.

Schmiedt's aus Dresdenheilige Cäcilia, Nr. 169, dann D. Acquaroli's aus Pragheilige Mag⸗ dalena, Nr. 283, ſind gute Studienköpfe.

Zwei große Glasfenſter für die Schloßkirche zu Sichrow nach Direktor Engerth's Kompoſition(Eigen⸗ thum unſeres kunſtſinnigen Fürſten Kamill Rohan) von J. Quaſt gemalt, Nr. 319. Die Kompoſition iſt, wie man erwarten konnte, eine gelungene, ebenſo iſt die Schönheit und Präziſion der Ausführung, verbunden mit dem Schmelz der Farben hervorzuheben, Vor⸗ züge, durch welche Quaſt längſt als Meiſter aner⸗ kannt wird.

Unſer bekannte geniale, in Rom weilende Lands⸗ mann Wenzel Lewy überraſchte uns durch die Aus⸗ ſtellung einer wundervollenMadonna mit dem Jeſus⸗ kinde. Der Kopf der Mutter Jeſu iſt ein unvergleich⸗ licher, eine königliche Hoheit ſpricht ſich in ihm aus, und doch ſind die Züge einfach und voll Lieblichkeit. Ebenſo das Köpfchen ihres Sohnes, in dem ſich kind⸗ liche Anmuth mit einem Anflug träumeriſchen Ern⸗ ſtes paart.

Wilhelm Schwenk aus Dresden ſtellt zwei plaſtiſche Werke aus; es ſind dießChriſtus und die büßende Magdalena, Nr. 321, undeine Madonna mit dem Kinde von zwei Engeln umgeben, Nr. 322. In beiden Werken erkennt man ein feſtes Streben und Ringen nach dem fernen Ziele, dem alle Künſtler und Kunſtjünger friſch und muthig zuſteuern ſollen, nach Wahrheit und Schönheit.

(Schluß folgt.)

Kaffee und Thee.

Der Kaffeebaum iſt in Abyſſinien oder in Aeth io⸗ pien zu Hauſe. Bruce erzählt uns, daß die Nomaden⸗ ſtämme dieſes Theils von Afrika, wenn ſie auf feind⸗ ſeligen Streifzügen die Wüſte durchkreuzen, nur Kugeln von pulveriſirtem, mit Butter vermiſchten Kaffee mit ſich führen. Eine derſelben, in der Größe einer Billard⸗ kugel, verleiht ihnen nach ihrem Ausſpruch mehr Muth und Kraft für einen ganzen Tag voll Anſtrengungen, als ein Leib Brod oder ein Fleiſchgericht. Die Araber

gaben die erſte ſchriftliche Beſchreibung des Kaffee's und geuoſſen ihn zuerſt in flüſſiger Form. Burton er⸗ wähnt ihn ſchon 1621 in ſeinerAnatomie der Melan⸗ cholie.Die Türken haben ein Getränk, das ſie Kaffee nennen(ſie trinken keinen Wein) nach einer wie Ruß ſchwarzen und bittern Beere, und das ſie ſo heiß wie möglich hinunterſchlürfen, da ſie aus Erſahrung wiſſen, daß dieß ſo genoſſene Getränk der Verdaunng nachhilft und heitere Stimmung verurſacht.

Der Kaffeebaum erreicht eine Höhe von 6 12 Fuß und hat, wenn er vollſtändig ausgewachſen, ſehr viel Aehnlichkeit vom Aepfelbaum. Seine Blätter ſind immer grün, und zu allen Jahreszeiten kann man auf dem⸗ ſelben Baume zu gleicher Zeit Blüthen und grüne und reife Früchte ſehen. Wenn die Blüthe fällt, ſo entſpringt aus ihr eine kleine, erſt grüne, bei der Reife rothe Frucht, die unter ihrem Fleiſch ſtatt eines Steins die Bohne oder Beere einſchließt, die wir Kaffee nennen. Es iſt erſt kürzlich von Europäern entdeckt worden, daß die Blätter der Kaffeepflanze dasſelbe weſentliche Prinzip enthalten, das die Kaffebohne ſo unſchätzbar macht; in Sumatra werden ſie auch zu demſelben Getränk durch Aufguß bereitet Der Baum trägt weitmehr Blätter als Bohnen, und ſollte der Blätterkaffee ſich als ſo ange⸗ nehm wie der der Bohne herausſtellen, ſo könnten wir ihn ſo viel billiger erhalten.

In Aſien wird der Kaffee in einer dicken, mehligen Miſchung getrunken, während bei uns Klarheit ein Haupterforderniß iſt.

Die Theepflanze blüht vom Aequator bis zum 45. Breitegrad, gedeiht aber am beſten zwiſchen dem 23. bis 25. Grad. Der Thee wächſt in kleinen ſtaudenartigen Pflanzungen, die den Weinbergen ähnlich ſehen. Da er Nationalgetränk iſt, ſo werden auch einige Orte zur Kultivation erleſener Abarten ſo hoch geſchätzt, wie die berühmten Weinberge und Hügel in Südfrankreich. Knos⸗ pen und Blätter werden zum Verbrauch geſammelt; und drei Ernten im Februar, April und Juni finden zu dieſem Zwecke Statt. Die jungen unerſchloſſenen Knos⸗ pen des Februars liefern den Kaiſerthee. Schwarzer Thee iſt die ſchlechteſte Sorte mit den größten Blättern. Es wird von glaubwürdiger Autorität verſichert, daß beim Sammeln der erleſenen Arten jedes Blatt einzeln gepflückt wird, und daß die Erntenden jeder groben Nahrung entſagen und ſich täglich einige Male baden müſſen. Manche Unterſchiede in Geſchmack und Farbe des grünen und ſchwarzen Thees werden künſtlich er⸗ zeugt. Wir trinken unſern Thee mit Milch oder Zucker, oder mit Beidem und ſtets als warmen Aufguß. In Rußland wird er kalt, in China unvermiſcht getrunken und in Ava in Oel eingemengt..

In der Türkei wird der Kaffee als Kern der Gaſt⸗ freundſchaft und als Balſam des Lebens betrachtet. In China bildet der Thee nicht nur das Nationalgetränk, ſondern auch den Hauptgegenſtand der Kultur und Feld⸗ arbeit des Landes. Rußland folgt im beinah allgemeinen Verbrauch des Thees unmittelbar auf China. In Weſt⸗ Europa ſind Kaffee und Thee in gleichem Maße ver⸗ breitet, doch Frankreich beſchränkt ſich faſt nur auf erſte⸗ ren. Die Cafés ſind dort zahlreicher und tragen ein wichtigeres ſoziales Gepräge, als irgend ein anderes Etabliſſement der franzöſiſchen Städte. England ver⸗ braucht mehr Thee als Kaffee; erſterer wird bei allen Klaſſen für unentbehrlich gehalten und der Arme ſpeiſt lieber noch ſo ſpärlich, um nur ſeine Taſſe Thee nicht aufgeben zu müſſen.

In den Vereinigten Staaten werden Kaffee und Thee ſchon den kleinſten Kindern eingeflößt, und es iſt wohl möglich, daß ein Theil der Nervoſität des Volks daraus entſpringt.

Dieſe Getränke ſind theuer, in ihren fühlbaren Wirkungen auf die Nerven flüchtig, ſie gelten für nicht nahrhaft, ja bei Vielen ſogar für poſitiv ſchädlich. Und doch brauchen wir ſie, und noch Niemand hat in unſeren

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