8 — ———
1 AAEE Q
O 8 6—
Feuilletan.
Die Prager Kunſtausſtellung.
Obwohl unſere heurige Kunſtausſtellung manches Gute bietet, ſo wird doch jeder der Beſuchenden einge⸗ ſtehen, daß ihr dießmal ſolche Glanzbilder, die den Be⸗ ſchauer unwillkürlich feſſern und zum Verweilen zwin⸗ gen,— wie wir deren jedes Jahr zu ſehen gewohnt waren— gänzlich fehlen.
Die Legenden⸗ und Geſchichtsmalerei iſt im heuri⸗ gen Jahre numeriſch nur ſpärlich vertreten, und was gute Motive betrifft, kann das reichlich repräſentirte Genrefach nur wenig Gelungenes aufweiſen. Dasſelbe müſſen wir auch von den zahlreich eingeſandten Land⸗ ſchaften bekennen, die meiſt mit ziemlich fertiger Tech⸗ nik von der Natur abgeſchrieben ſind, aber ſo wenig
Poeſie in ihrer Zuſammenſtellung und der Wahl des Gegenſtandes haben, daß man ſie eigentlich nicht ſowohl Bilder, als vielmehr nur Studien des erſten beſten ſich darbietenden Gegenſtandes nennen kann.
Leider geſtattet es der Raum dieſer Blätter nicht, uns in eine detaillirte Beſprechung der Bilder einzulaſ⸗ ſen, wir müſſen uns daher begnügen, nur fllehtig die ausgeſtellten Kunſtgegenſtände zu berühren.
Wie ſchon erwähnt, iſt die Legende(leider ſchon durch eine lange Reihe von Jahren) ſehr ſpärlich ver⸗ treten, wir finden unter den dreihundert und einigen zwanzig ausgeſtellten Bildern höchſtens achtzehn Gegen⸗ ſtände, welche dieſes erſte Fach der Kunſt repräſentiren.
Unter dieſen zieht die Aufmerſamkeit unſtreitig das Altarblatt unſeres tüchtigen und verdienſtvollen Direk⸗ tors der Akademie, Herrn Eduard Engerth(Nr. 12¼: „die heilige Dreifaltigkeit“) auf ſich. Wir begrüßen um ſo freudiger dieſes in jeder Hinſicht meiſterhaft durch⸗ geführte Bild, als der Künſtler uns bisher nur wenige ſeiner größeren Arbeiten vorgeführt hat.
Einen unvergleichlich ſchönen Madonnenkopf ſandte
Erinnerungen. 1859.
uns Ittenbach aus Düſſeldorf in ſeiner„Regina
Virginum“, Nr. 192. Edler Ernſt, gepaart mit einem himmliſch unſchuldigen Ausdruck der blauen träumeri⸗ ſchen Augen ergreift mächtig jeden Beſuchenden. Es iſt ein echtes Madonnenantlitz in voller jungfräulicher Blüthe, aufgeküßt zum Leben von den Strahlen göttlicher Liebe. Die techniſche Behandlung und die Farbe des Fleiſch⸗ tones iſt eine äußerſt zarte und lebendige.
Den vollſten Gegenſatz liefert uns Steinbrück aus Berlin in ſeiner„Maria mit dem Jeſuskinde“, Nr. 250, welche nicht den geringſten geiſtigen Ausdruck zeigt und einem Porträt eines theilnahmsloſen Kinder⸗ mädchens mit einem karrirten Tuche ganz ähnlich ſieht. Technik und Farbe ſind mittelmäßig, die letztere in den Fleiſchtönen gläſern.
Einen guten, edelgeformten und ausdrucksvollen
Chriſtuskopf führt uns der Prager Künſtler Franz
Krauſe in Nr. 100:„Chriſtus treibt die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel“ vor.
Ebenſo iſt die von unſerem talentvollen Franz Sauer gemalte„Grablegung Chriſti“ in Nr. 175 als ein glücklich durchgeführtes Bild zu nennen.
In Nr. 177 führt uns Otto Mengelberg aus Düſſeldorf„Chriſtus auf dem Oelberge“ vor. Wir ver⸗ miſſen in dieſem Kopf die edle Ergebung, das: Herr, dein Wille geſchehe. Der Ausdruck iſt ein zu leidender, der nur das Ringen nach Hilfe und die überwältigende Macht des Schmerzes bezeichnet.
„Das Geheimniß des Kreuzes“ von Ludwig Holthauſen aus Düſſeldorf, ein tiefpoetiſcher Vor⸗ wurf, doch leider nicht gehörig aufgefaßt und durchge⸗ führt. Die Figuren des Chriſtus⸗ und Johauneskindes ſind ſteif ohne Leben, hart in Doſen⸗Manier gemalt.
Michael Rieſer aus Wien ſtellt„die heilige Familie“ in Nr. 173 aus. Der Künſtler entfaltet eine ziemliche Technik, doch finden wir wenig Leben un
48—
—


