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Paul Stein: Skizzen aus dem Rheingau. 371
ſeine Ufer auf kurze Zeit verlaſſen, und durch an⸗ muthige, ſchattige Thäler auf jene Höhen ſteigen, die ſo köſtliches Gewächs tragen, und einen ſo herrli⸗ lichen Blick über die Landſchaft verheißen.
Wir kommen zwiſchen Eltwil und Walluf durch Weinpflanzungen, dann über Wieſengründe, von Laubdach überwölbt, in das fruchtbare Neu⸗ dorfer Thal, früher Martinsthal genannt, das ein klarer Bach, die Waldaffer, durchſchlingt. Der Flecken Neudorf liegt zu beiden Seiten dieſes Bergwaſſers und bietet außer ſeiner netten Lage, die ſich vom Thale aus zwiſchen Obſtbäumen aufwärts nach Rauenthal hinzieht, und dem guten Weine, der an ſeiner Anhöhe wächſt, nichts beſonders Bemerkens⸗ werthes. Es iſt ein alter Ort, wie beinahe alle Dörfer und Städte in der Nähe des Rheins, und beſaß früher ein Frauenkloſter, deſſen ſich in frü⸗ heren Zeiten die Induſtrie bemächtigte, wie dieß ſo häufig geſchah, als die Zeitverhältniſſe ſich um⸗ geſtalteten und dieſe from⸗ me Anſiedelungen nicht mehr recht hineinpaſſen wollten.
Oberhalb Neudorf iſt Rauenthal. Dieſer Ort liegt weit höher als jener, und doch iſt es wieder eine Vertiefung, in der ſich ſeine Häuſer ausdehnen. Als der Boden hier herum noch mit Wäldern oder rohen Erzeugniſſen ange⸗ pflanzt war, mag auf der Höhe von Rauenthal ein kalter Wind geweht haben; nun aber findet die Sonne kein Hinderniß mehr, ihre heißen Strahlen in die gute fruchtbringende Erde einzuſenken, und ſie entlockt ihr ein Gewächs, das zu den edelſten des Rheingaues gehört. Der Rauenthaler Wein iſt ein Göttertrank und widerſpricht ſeinem verleumderiſchen Namen auf glänzende Weiſe. In Rauenthal tritt übrigens eine Eigenthümlichkeit der Weinkultur, die wohl nirgends ſich ſo ſcharf aus⸗ geprägt zeigt als im Rheingau, mehr hervor als an andern Orten, nämlich daß der Wein, der faſt auf derſelben Stelle, nur wenige Schritte auseinan⸗ der wächſt, aus derſelben Traubenſorte erzeugt wird und den ganz gleichen Boden zu haben ſcheint, doch häufig von ganz verſchiedener Qualität iſt. Ich frug einen alten Weingärtner nach der Urſache dieſes mir unbegreiflichen Unterſchiedes, doch der alte Mann wußte mir keine rechte Aufklärung darüber zu geben.„Es iſt eben ſo,“ ſagte er,„man kennt es ganz genau und ſondert den Wein.“ Ob es im Boden liege, oder in der verſchiedenen Richtung
Rheinſtein.
ſache, wußte er nicht.— Die Höhe, ein Viertel⸗ ſtündchen von Rauenthal entfernt, wo es ſich nach dem Rheinthale hinabſenkt, iſt einer der ſchönſten Punkte des Rheingaues und wird häufig zu Aus⸗ flügen größerer Geſellſchaften, oder zu einem loh⸗ nenden Spaziergange von den Badegäſten in Schlan⸗ genbad gewählt, das ein Stündchen abwärts von Rauenthal in einem waldigen Thalkeſſel äußerſt romantiſch liegt.
Auf dieſer Anhöhe überſieht man ein bevor⸗ zugtes, ſchönes Stück unſerer Erdenwelt. Von dem breiten Silberbande des Rheins durchzogen, erblickt man durch weite Ebenen, von Bergen umſchoſſen, den Odenwald wie einen lichtblauen Streifen, der ſich an den fernen Höhen bei Heidelberg verliert, den Taunus mit ſeinen prachtvollen Wäldern ganz in der Nähe, und dort jenſeits die Thürme von Mainz, vergoldet von der Morgenſonne Strahl. Die Him⸗ melskönigin ſteigt eben empor, leuchtet uns über die Landſchaft und zer⸗ theilt den dichten Schleier, der ſie noch einhüllte; es glänzt und ſchimmert überall in zartem Roth und lichtem Blau, und goldene Funken ſprühen auf den Bäumen und dem niederen Buſch⸗ und Blät⸗ terwerk; in dem Rheine funkelt es wie tauſend und aber tauſend Brillanten, und wir wenden geblendet von ſolcher Pracht das Auge rückwärts, da fällt es auf ein idylliſches Dörf⸗ chen, das noch im Schat⸗ ten ſeiner Wälder ſchläft, deren höchſte Spitzen eben erſt die Sonne küßte. Der Blick ruht auf dieſem einfachen Gemälde aus und ſtärkt ſich an ſeinem friſchen Grün zur weiteren Reiſe ſtromabwärts. Wie wimmelt es da von la⸗ chenden Dörfern, von reichen herrlichen Landhäu⸗ ſern, von Schlöſſern an Hügeln und Bergen, von altersgrauen Ruinen, herrlichen Feldern, Wein⸗ und Obſtpflanzungen! Andächtig ſtaunen wir dieſen herr⸗ lichen Gottestempel an, den der blaue Himmel überwölbt, an dem die Sonne, dieſe ſtrahlende, ewig ſegenbringende Lampe, ſchwebt. Jetzt wird es lebendig rings um uns her, die fleißigen Landleute treten mit fröhlichem Geſange in die Hallen dieſes weiten Domes, die Vögel flattern umher, wiegen ſich in den Zweigen und trillern ihre jubelnden Dankeslieder aufwärts in den lichten Aether,— dort zieht eine Herde Schafe vorüber, ein ſchwarzer Hund umſpringt ſie in luſtigen Sätzen, der Hirt ſtößt in ſein ſchmetterndes Horn, und ein helles
der Sonnenſtrahlen, oder ſonſt einer beſonderen Ur⸗ munteres Brüllen antwortet ihm als Echo darauf.
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