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(1859) 12 12
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Ferd. Lauffer: Städtlein und Herrenburg. 355

Zauberkraft den Nachſtellungen entwiſchende Behen⸗ digkeit dieſes Buben ward den Städtlern ſeit zwei Jahren mehr Zorn und Unheil bereitet, als durch die grad zuhauende, berufene Runenklinge des Lot⸗ tererhäuptlings.

Nun, fuhr der Stadthauptmann mit er⸗ hobener Stimme fort:entblößt eure Häupter vor dem Namen deſſen, der dieſe wichtigſte Entdeckung zu eurem und all' eurer Nachkommen Heil, durch Gottes Gnade und ſeine unermüdlich forſchende, vor keiner Gefahr und Beſchwerde zurückſcheuende Geiſt⸗ und Willenskraft gemacht!(Die Sonne ſchien auf dreihundert entblößte Scheitel.)Es iſt der treueſte, edelſte und befähigſte und auch der verkannteſte von allen Bürgern Johannes Moos!

Ein tiefes, ſeltſames Schweigen laſtete auf der Verſammlung; in unwillkürlichen Selbſtvor⸗ würfen begangenen Unrechts durch That oder Mei⸗ nung kehrte die Mehrzahl der Ueberzeugten unver⸗ kennbar voll Scham und Reue in ſich ein.

Und wie gelangte unſer Mitbürger zu ſolcher Entdeckung? unterbrach jetzt die bedeutungsvolle Pauſe eine unſichere Stimme.

Ihr habt den ‚Träumer, den Schattenritter und wandelnden Pfahl' verhöhnt, wenn er euren Luſtkreiſen vorüber, einſam in die Wälder pilgerte und ſich in den Tiefen unſerer Bergeinöden verlor. Feſt überzeugt im Geiſte vom Daſein einer über⸗ irdiſchen Vermittlungslinie, forſchte der Verkannte dort angeſtrengteſt mit allen Sinnen, deren Orts⸗ lage und Höhe in der Wirklichkeit zu finden. Kein Fels war ihm zu ſchroff, kein Baum zu hoch und ſchwankend, daß er ſelben zum Wohle Jener, die ihn mit Scheelſucht verfolgten, nicht auf ſeine Le⸗ bensgefahr beſtieg. Bei ſolchem Thun durfte der vielzüngige Leumund ihm wohl Verhöhner doch nicht Vertrauter ſein!

O ihr wißt nicht, könnt nicht würdigen und meſſen, was er gethan und für ſein Lebensziel um euretwillen gelitten! Nicht wieder gut machen könnt ihr, was ihr mit leichtfertigem Aburtheilen des Scheines an dem edelſten Herzen gefrevelt! Dreimal hat er, von der Armbruſt lauernder Mord⸗ knechte getroffen, für euch geblutet! und ihr habt den ‚mondſüchtigen Traumwandler ob ſeiner Bläſſe verhöhnt!

Eine ſeltſame Bewegung ging durch die Ver⸗ ſammelten. Mütterchen ſchluchzten ohne Rückhalt laut, Weiber und Jungfrauen ſuchten ihre Thränen hinter dem Linnentuch, mancher Mann aber das bren⸗ nende Schamroth ſeiner Backe unter dem Schirm des Hutes zu bergen.

Alle Erfindungen des Scharfſinns für eine Entdeckung, fuhr der Hauptmann fort,Verſuche derſelben auf und über der Erde erwieſen, uner⸗ müdlich fortgeſetzt, ſich dennoch ohne Erfolg. Da

ließ eines Tages die Vorſehung den verſpäteten

Neſtling einer Krähe ihn finden und wie ein Blitz fiel Erleuchtung in ſeine Seele!

Raſtlos ward das gelehrige Thier, ſobald es zahm und erwachſen, jeden Morgen darauf geübt und abgerichtet: emporgeworfen in die Luft auf einem, an zwei hohe Stangen geſpannten Draht⸗ ſeil ſich niederzulaſſen; und ſpätere Stunden des Tags nach allen Windrichtungen flog ſie von der Menſchenfauſt, gleich Noahs Taube aufwärts geſendet, den feſten Halt für ihre Füße im Luft⸗ meer zu ſuchen. Sie hat ihn gefunden! hier auf dieſer Halde haben Menſchenaugen, auf unſichtbarer, geradliniger Fährte hundert und fünfzig Fuß über der Erde ſie wandeln geſehen!

An die Stelle des damals kennzeichnenden, lothrecht unter die Luftbrücke gelegten Steines iſt der Maibaum gepfählt worden! Die Schere hat den Zweck und die Beſtimmung: das erreichte Drahtſeil zu zerſchneiden die Zange aber: beide Schnittenden jederſeits am Reiſig loſe zu befeſtigen, daß ein Anzug des Drahtes ſie ein⸗ fach in die Luft reißen und ſo die Bewegung zur Glocke inmitten des Weges verzittern muß.

Hoch, Johannes Moos! unſer Mitbürger hoch! jubelte jetzt die entfeſſelte Begeiſterung aus Aller Kehlen, die Hüte und Baretts in den Lüften ſchwenkend, öffneten die Männer beiderſeits eine Gaſſe zum Baum und der Gerufene mit Glut⸗ ſchlacker, bei deſſen Rettung aus der Grube er ſich im Walde verſpätet, trat in den Kreis.

V.

Begrüßt ihn als Führer eurer Bürger⸗ fahne! rief nachdrucksvoll mit erhobener Stimme der Heermeiſter,ihr könnt beim Kampf der Ent⸗ ſcheidung eure Leitung keinem Würdigeren, Ein⸗ ſichtsvollern und Tapferern anvertrauen!

Hoch unſer Mitbürger Moos! ließ es ſich bis zu den entfernteſten Gruppen vernehmen, aber der gebotene Ruf des oberſten Heerführers wollte von keiner Lippe kommen.

Hegt ihr Zweifel an meinem Ausſpruch? tragt ihr Bedenken für ſeine Anerkennung? fuhr der Hauptmann mit gewichtiger Betonung fort; Johannes Moos iſt das Schweigen und die That! Glaubt ihr, das Prahlen und Dräuen nur und das ungeberdige, ſtürmiſch wilde Weſen in Wort und Haltung mache den Helden? Meßt ihr Feldherrnbefähigung nach dem Umfang der Flei⸗ ſchesmaſſe? Dann müßte der Bär mit ſeiner Tatzen⸗ kraft und ſeinem Bäume brechenden Grimm über dem Weidmann ſeinem Beſieger ſtehen.

Des Sprechers Hand legte ſich auf Johan⸗ nes Schulter!Hier ſteht des großen Kampfmeiſters der Prager Hochſchule größter Schüler! Be⸗ greift ihr, was das bedeutet bei zehntauſend jugend⸗ ſtarken Fechtern? Neige, gewaltiger Glutſchla⸗ cker, Deinen ehernen Nacken ihm! Der junge Mann, mit dem Du gekommen, hat den furchtbaren Kämpen, der dreimal Dich mit der Schärfe des Stahls ge⸗

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