Heft 
(1859) 10 10
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316 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

keiten zu überwinden und vor einigen Tagen war die Hochzeit. Sie werden auf einem Landgute in der Pro⸗ vinz, entfernt von dem Geräuſch der großen Welt, ſich und ihrer Liebe leben.

Folgende Geſchichte von einem Amerikaniſchen Seekapitän erzählt Boz: Auf ſeiner letzten Heimreiſe hatte der Kapitän eine junge Dame von beſonderer Perſönlichkeit an Bord. Fünf junge Herren, Paſſagiere desſelben Schiffes, liebten die junge Dame mit Innig⸗ keit und ſie ihrerſeits war in alle fünf gleich innig ver⸗ liebt und wußte nicht, welchem ſie den Vorzug geben ſollte. Unfähig ſich allein aus der Verlegenheit zu ziehen, erbat ſie ſich Rath von meinem Freunde, dem Kapitän. Dieſer, ein Mann originellen Geiſtes, ſagte zur jungen Dame:Springen Sie über Bord und heiraten Sie den Mann, der ihnen nachſpringt. Der Schönen leuch⸗ tete die Idee ein, und da ſie beſonders gern badete, namentlich bei ſo warmem Wetter, als es gerade war, ſo ergriff ſie den Vorſchlag des Kapitäns, während die⸗ ſer für etwaige Unfälle ein Boot bemannte. Als nun am nächſten Morgen die fünf Paſſagiere auf dem Ver⸗ decke waren und andachtsvoll auf die junge Dame blick⸗ ten, ſprang dieſe in's Meer. Vier von den Liebhabern ſprangen ihr augenblicklich nach. Als die Dame und die vier Ritter wieder in Sicherheit auf's Schiff ge⸗ bracht waren, ſagte die erſtere zum Kapitän:Was ſoll ich mit den Vieren anfangen, ſie ſind ſo naß? Der Kapitän antwortete:Nehmen Sie den Trockenen! Und die junge Dame that es und heiratete ihn.

Der Mann, der bei jedem Gange ſeinen Regen⸗ ſchirm mitnimmt, zählt die Vorſicht zu ſeinen Tugenden, er enthält ſich aller gewagten Spekulationen und wird ſeine weiſe Sparſamkeit mit der Zeit durch Reichthum belohnt. Der Mann, der ſtets ſeinen Regenſchirm, ſelbſt bei naſſem Wetter, zu Hauſe läßt, denkt ſo wenig an den heutigen als an den morgenden Tag. Er iſt ſorglos, unbedachtſam, vergißt Nachts ſein Haus zu verſchließen, verpaßt den Eiſenbahnzug, und fügt ſich durch ſeine Vergeßlichkeit unberechenbaren Schaden zu. Der Mann, der ſtets ſeinen Regenſchirm verliert, iſt ſicher, auch noch mehr zu verlieren; ihm darf nichts anvertraut werden; wehe dem, der ihm eine ſächſiſche Banknote von 100 Thlrn. zum Aufbewahren gegeben! Der Mann, der ſtets in Furcht, daß ihm ſein Re⸗ genſchirm abhanden kommen könne, und alle Augen⸗ blicke nach dem Winkel hinblickt, in welchen er ihn ge⸗ ſtellt hat, iſt voll Mißtrauen und Argwohn. Man thut daher ⸗nicht gut, mit ihm ein Geſchäft zu machen, eine Partie Whiſt oder Skat zu ſpielen, da er ſelbſt die ehr⸗ lichſten Menſchen im Verdacht des Betruges hat. Der Mann, der ſich einen baumwollenen Regenſchirm kauft, iſt ein Philoſoph oder ein Oekonomiſt, denn ent⸗ weder bietet er der Mode Trotz, oder er zieht die Baumwolle der Seide vor, weil die erſtere wohlfeil und die letztere theuer iſt.

Kurioſa.

Bezeichnend ſür die Kulturgeſchichte Polens iſt folgende Notiz, die wir einer polniſchen Familien⸗ chronik entnehmen. Als Herr Michael von S ki im Jahre 1672 heiratete, dauerte die Feier ſeiner Hochzeit an 10 Tage, bei 42 Fäſſer Wein wurden geleert. Wäh⸗ rend dieſer Zeit befand ſich ſtets ein Wundarzt im Schloſſe für den Fall, daß bedeutende Verwundungen vorkommen ſollten. Der nächſte Deſzendent, Matthäus, ſeierte ſeine Hochzeit im Jahre 1718 durch 7 Tage, 20 Fäſſer Wein wurden geleert. Deſſen Sohn Auguſt trat im Jahre 1756 vor den Altar, die Hochzeit dauerte 4 Tage, die Gäſte leerten 3 Fäſſer Wein. Der nächſte Nachkomme, Stanislaus, begnügte ſich mit einer ein⸗

tägigen Weier ſeiner Hochzeit, ſeine Gäſte mit 1 Faſſe Wein. eſſen Sohn Eugen, der 1816 ſeine Hochzeit feierte, gab ein ſplendides Mittageſſen, bei dem über 40 Flaſchen Bordeaux und bei 30 Flaſchen Champagner zur Erheiterung der Gäſte beitrugen. Der letzte Sproſſe des Geſchlechtes, Emil, feierte endlich ſeine Hochzeit in⸗ kognito bei 16 Taſſen Thee.

Zur Beſoldungsfrage. Jeder unſerer Leſer hörte wohl ſchon Klagen über geringe und ungenügende Beſoldung. Zum Troſte der Klagenden wollen wir die jährlichen Revenuen eines Cſikos anfübren, die derſelbe dafür erhält, daß er meiſt zu Pferde die Herden der halbwilden Roſſe auf den Puſzten Ungarns Tag und Nacht hütet. Es erhält nämlich ſolch' ein Burſche außer den nöthigſten Kleidungsſtücken und Nahrungs⸗ mitteln 4 bis 6 Gulden Konv.⸗Münze jährlich.

Indianerglaube. Die Indianer in den ſüd⸗ amerikaniſchen Beſitzungen der Spanier glaubten noch im 18. Jahrhundert, daß das Haupt des Königs von Spanien aus lauterem Golde beſtehe. Er eſſe auch nichts anderes als Gold und deßhalb ſuchten die Spanier in allen Klüften und Gruben ſo eifrig nach dieſem Metalle.

Ein Wechſelſchuldner in Berlin hat ein neues Mittel verſucht, die ihn mit Verhaftung drohende Schuldverſchreibung unſchädlich zu machen. Als der Gläubiger, den Wechſel präſentirend, ſelben auf den Kaſſentiſch legt, geht der Schuldner, ein Eiſenkrämer, in's Nebenzimmer, kommt dann mit einem Topf voll Schwefelſäure zurück, ſtellt ihn auf den Kaſſentiſch und wirft ihn dabei ſo ungeſchickt⸗geſchickt um, daß die Schwefelſäure den Tiſch und ſomit auch das keſthare Papier überfluthet. Den kühnen Griff, den Wechſel aus der ätzenden Flüſſigkeit zu retten, muß der Gläubiger mit verbrannten Fingerſpitzen bezahlen.

Die Magdeburger Zeitung hatte vor Kurzem fol⸗ gendes Inſerat:Für den Herrn, der in voriger Woche ein Opernglas von mir geliehen und nicht wie⸗ der abgeliefert hat, ſteht auch noch das Futteral zur Verfügung.

Vor Kurzem ereignete ſich, demEco di Fiume zufolge, in der Umgegend von Fiume folgender Vor⸗ fall. Eine Bäuerin zu Morſasco hatte 27 Stück Na⸗ poleous erſpart, und glaubte dieſelben am ſicherſten in einem Sacke von Heidekorn verſtecken zu können. Un⸗ glücklicher Weiſe aber trug der Bauer dieſen Sack mit den Napoleonsd'or zur Mühle; der Müller hörte wäh⸗ rend des Mahlens zwar ein ſeltſames Geraſpel, achtete aber nicht beſonders darauf, bis die Bäuerin in Ver⸗ zweiflung herbeiſtürzte und den Sachverhalt enthüllte. Es war aber bereits zu ſpät, die Goldſtücke waren zu Staub verwandelt. Wenn die Liebhaber der Cleopatra Perlen, und die Tafelgenoſſen Lorenzo's von Medici geſchmolzenes Gold in Wein zu trinken bekamen, ſo mag ſich nun auch der Bauer von Morſasco ſeine gold⸗ haltige Polenta ſchmecken laſſen.

Das Geſetz gegen den Branntweinverkauf in den Vereinigten Staaten in Nordamerika hat zu den verſchiedenſten Mitteln zu ſeiner Umgehung Anlaß ge⸗ geben. Das neueſte derſelben ereignete ſich kürzlich in einem der eleganteſten Salons von Neu⸗York. Ein Herr trat in denſelben, ging an den Ladentiſch und ver⸗ kangte eine Flaſche Branntwein um 10 Cents. Es iſt nun herkömmlich, für eine ſolche Flaſche 15 Cents zu verlangen, wenn die Flaſche nicht zurückgegeben oder durch eine andere erſetzt wird; als daher der Kunde nur 10 Cents auf den Zahltiſch legte, ſo wurden noch weitere 5 Cents von ihm verlangt.Ich brauche die Flaſche nicht, entgegnete der Kunde,ziehen Sie nur