314 Erinnerungen.
Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
obwohl hier die oft unwillkürliche Benützung ſo man⸗ cher bereits von illuſtren Muſtern her bekannten Klang⸗ effekte ſehr nahe gelegen war. Der Umſtand, daß der Komponiſt zu den hervorragenden jüngern einheimi⸗ ſchen Kräften gehört, dürfte hier das nähere Eingehen in ſein Erſtlingswerk rechtfertigen.— Das Oratorium „Samſon“ wurde zur Gedächtnißfeier des vor hundert Jahren(am 13. April 1759) verſtorbenen Tonmeiſters unter der bewährten Leitung des Kapellmeiſters Herrn F. Skraup gegeben. Das gewaltige Werk äußerte in ſeinem eigentlichen Schwerpunkte, den herrlichen, im⸗ poſanten Chören den großartigſten Eindruck, und es gereichte die vortreffliche Aufführung, als eine den Ma⸗ nen des großen Tondichters in der würdigſten Art dar⸗ gebrachte Huldigung, unſerer Kunſtmetropole und ſpeziell den betreffenden Arrangeurs und Mitwirkenden zur großen Ehre. M.
Allerhand Appetite.
Ein Italiener begnügt ſich mit einem Stück Brod und Trauben, ein Eskimo aber verſchlingt an einem Tage zwanzig Pfund Fleiſch; ein Hindu genießt zwi⸗ ſchen Sonnen⸗Auf⸗ und Untergang nichts als einige Löffel voll Reis, ein ruſſiſcher Tatar aber verzehrt in derſelben Zeit vierzig Pfund Fleiſch; ja ein Tatar, den Kapitän Cochrane in ſeiner Reiſebeſchreibung erwähnt, aß binnen vierundzwanzig Stunden die Hinterviertel eines großen Ochſen, zwanzig Pfund Fett und eine ent⸗ ſprechende Menge zerlaſſener Butter, und Drei aus demſelben Stamme— Jakuten— halten es für eine keineswegs ſchwere Aufgabe, ein ganzes Rennthier auf einmal zu vertilgen. 3
Noch verſchiedenartiger als die Menge iſt die Art deſſen, was gegeſſen wird. Die ſeltſamen Leckereien laſſen ſich gar nicht aufzählen, die für Leute Reiz haben. Der Neubraunſchweiger findet einen ganz beſonderen Reiz in der Naſe des Muſethieres. Haifiſchfloſſen, halbbe⸗ brütete Enteu⸗ und Hühnereier mit den Jungen darin, Seeſchnecken und Vogelneſter ſtehen bei den Chineſen in hohem Anſehen. Die Eskimos gerathen in Entzücken, wenn man ihnen Talglichter zum Eſſen gibt, und die Abyſſinier berauſchen ſich faſt in rohem Fleiſche und warmem Blute, das in der That auf ſie ſo aufregend wirkt wie auf Andere Spirituoſa. An manchen Ovrten wird bekanntlich Pferdefleiſch gegeſſen und bei der Welt⸗ induſtrieausſtellung 1851 in London zeigte und verkaufte ein Herr Brocchieri deliciöſe Kuchen, Paſtetchen und Bonbons von Ochſenblut.
Der äußerſte Norden zeigt vielleicht die ſonder⸗ barſten Arten von Luxus in Eßſachen: thraniger Wall⸗ fiſchſpeck mit unverdautem Rennthierfutter als Salat da⸗ zu; Wallfiſchhaut, in Würfel geſchnitten, ſchwarz wie Ebenholz und ähnlich im Geſchmack wie Cocusnuß. Gefrorener Seehund iſt vortrefflich als Beihilfe auf Rei⸗ ſen und faulender Seehund, der den ganzen Sommer über in der Erde gelegen hat, wird für das unüber⸗ trefflichſte Wintereſſen gehalten. Die Wintervorräthe der Grönländer beſtehen in Moosbeeren, Angelica und be⸗ brüteten Eiern, Alles zuſammen in einen Sack von Seehundsfell gethan und mit Thran übergoſſen. Ein Eskimo verzehrt im Nothfalle ſeinen Schlitten, wenn er aus getrocknetem und zwiſchen zwei Häute genähtem Lachs und Rennthierknochen beſteht.
Kaimans und Krokodile, Eidechſen und Fröſche werden mit Wohlbehagen von Manchen gegeſſen. Das eigentliche Krokodil ſchmeckt wie Kalb.
Die Auſtralier verzehren ſelbſt die giftigſten Schlan⸗
gen und die, welche davon auch gekoſtet haben, ver⸗ ſichern, ſie ſchmeckten wie Aal, im Allgemeinen aber wie Kalbfleiſch. In alter Zeit war Vipernſuppe was für uns Schildkrötenſuppe iſt und Vipern⸗Gelze gilt heute noch in Italien als Stärkungsmittel. Die Jäger am Miſſiſſippi haben bis auf den heutigen Tag ein Gericht, musical jack genannt, daß ſie außerordentlich lieben, obgleich es nur„Klapperſchlangenſuppe“ iſt.
Afrikaniſche Gutſchmecker ſind nie mehr entzückt, als wenn ſie einen zarten jungen Affen eſſen können, der in der Erde gebacken iſt. Affe ſchmeckt wie Kanin⸗ chen, ſoll angenehm und nahrhaft ſein.
Auch Fledermäuſe werden gegeſſen, aber ſie ſtehen nicht eben hoch in der gaſtronomiſchen Ariſtokratie, denn ſie haben einen unangenehmen ranzigen Geſchmack. Katzen und Hunde finden ſtets bereitwillige Käufer in China, wo ſie im Metzgerladen neben Dachſen— die wie wilde Schweine ſchmecken ſollen— und andern Fleiſcharten hängen. Auc in der Südſee gehört Hunde⸗ fleiſch zu den beliebteſten C ichten und„gedämpfter jun⸗ ger Hund“ iſt eine königliche Speiſe in Zanzibar, doch muß erwähnt werden, daß die Hunde überall da, wo man ſie ißt, zu dieſem Zwecke beſonders gemäſtet und nur mit Milch und Aehnlichem gefüttert werden. Ein Süd⸗ Afrikaner gibt gewiß ſehr bereitwillig eine große Kuh für einen anſehnlichen Hund.
Die Chineſen befinden ſich in Kalifornien in einem wahren Rattenparadieſe, denn es gibt da unglaublich viel, unglaublich große und ſehr wohlſchmeckende Ratten; ſie bereiten dort ſogar ein beſonderes Gericht von„Rat⸗ tenhirn“, das dem berühmten Gericht von Nachtigal⸗ lenzungen wenigſtens gleichſtehen ſoll, welches in der römiſchen Geſchichte erwähnt wird. Rattenſuppe über⸗ trifft nach der Meinung aller verſtändigen Chineſen Schildkrötenſuppe unendlich weit.
Manche Völker eſſen Inſekten. Heuſchrecken ver⸗ treten bei dem Araber das Getreide und werden zu einer Art Brod zuſammengeſtoßen, abgeſehen davon, daß man ſie einſalzt, räuchert oder einfach kocht oder bratet. Die Mauren ſetzen eine ſchöne fette Heuſchrecke ſelbſt über eine Taube und die Hottentotten bereiten aus den Eiern eine kaffeefarbige Suppe. Die weißen Ameiſen— Ter⸗ miten— ſollen ein ganz gutes Gericht geben, wie die Ameiſen überhaupt, die jedenfalls einen angenehm ſäuer⸗ lichen Geſchmack haben. In Schweden deſtillirt man ſie mit Roggen, um geringen Branntwein zu verbeſſern. Spinnen ſind Deſſert⸗Delikateſſen für die Buſchmänner; Lalande und die gelehrte Schurman(auch andere Leute) aßen ſie wie Nüſſe, denen ſie im Geſchmacke gleichen ſollen. Die Hottentotten verſchlingen Hände voll ge⸗ röſteter Raupen, die wie gezuckerter Rahm oder Man⸗ delteig ſchmecken ſollen. Sie ſind ſo begierig darnach wie die Kinder bei uns nach Zuckerplätzchen,
Die Körbe und das menſchliche Leben.
Die Körbe, meine freundlichen Leſer, ſind aus Ru⸗ then geflochten und für manchen Menſchen flicht ſich das ganze Leben zu einer Ruthe.
Schon in früheſter Jugend macht der Menſch nicht felten Bekanntſchaft mit einem Korbe, dieß iſt zur Zeit, wenn er ſeine erſten Schritte prüft, da hält er ſich an dem Laufkorb. Dieß geſchieht in der erſten Jugend bis zur erſten Liebe, wo er ſich als Jüngling revanchirt und der erſten Liebe wo möglich alsbald auch den Korb gibt, den er aber oftmals wieder empfängt, wenn er— ſeine Hand vergeben will.
Wenn die Mädchen das vierzehnte Jahr erreicht, wenn ſie wirthſchaftsfähig geworden ſind, dann wird ihnen von der liebenden Mutter ein Korb anvertraut, worin ſich die Schlüſſel befinden und der aus dieſem Grunde der Schlüſſelkorb genannt wird.


