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Herrn Friedlich's Verflüchtigung.
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fünfzigſten Male die Geſchichte ſeiner Leiden, die wieder mit den Worten ſchloß:„Blut und Wun⸗ den, ich verſchimmle und verroſte in dieſem fau⸗ len Frieden!“
„Sie haben für Ihren friedlichen Beruf, der alles Getrennte vereint, einen zu martialiſchen Geiſt,“ belehrte der Gelehrte.„Wenn Sie meinem Rathe fol⸗ gen wollen, ſo will ich Ihnen ſagen, wie Sie einen Wellenſchlag in die ruhige Oberfläche Ihrer Exi⸗ ſtenz bringen können. Nehmen Sie eine Frau. Sind Sie erſt einmal ein Vierteljahr in dem hei⸗ ligen Stande der Ehe, ſo haben Sie ſich ſicher nicht mehr über den Ueberfluß an Frieden und Ruhe zu beklagen. Experto crede Roberlo.“
„Verſtehen Sie darunter, daß mir eine Frau Furcht einjagen könnte?“ rief der Schneider mit entſchloſſener Miene, indem er nach der Elle, wie nach einem Degen griff.
„Friedlich,“ entgegnete der Gelehrte mit
Sanftmuth,„legen Sie die Waffe weg, die ich nicht zu führen verſtehe und horchen Sie meinen Worten,
als kämen ſie aus dem Munde eines Profeten:
wenn Sie, wie Sie ſagen, in faulem Frieden ver⸗
ſchimmeln und verroſten, wenn Sie müde ſind, in Ruhe zu leben, ſo heiraten Sie.— Da mich meine
Frau erwartet und ich daher nicht länger ausbleiben
kann, ſo bitte ich mir den Frack in's Haus zu ſchicken. Gott befohlen!“
Mit dieſen Worten entfernte ſich Herr Selig; der Schneider blieb, und, die Elle in der Hand, betrachtete er mit nachdenklichen Blicken noch lange die Thür, durch, welche der Gelehrte verſchwun⸗ den war.
Viele Leute haben das Glück ſo nahe, daß
ſie nur zugreifen mögen; es handelt ſich nur darum,
daß ſie darauf aufmerkſam werden. Der Schneider
hatte ſich bisher unglücklich gefühlt, weil er auf einem falſchen Pfade war, nun aber hatte ihm
Herr Selig eine Idee in den Kopf geſetzt, die eine
ganze Revolution darin bewirkte und die Herr
Friedlich mit der vollen Wärme ſeiner ritter⸗
lichen Natur verfolgte. Er wunderte ſich jetzt dar⸗
über, wie der kriegeriſche Geiſt ſeiner Familie ſein Herz ſo vollſtändig einnehmen konnte, daß es allen zarteren Gefühlen wie verſchloſſen war.
Die Umwandlung, welche mit ihm nach dem Beſuche des Gelehrten vorging, erfüllte alle ſeine Bekannten mit Erſtaunen. Bisher hatte ſich über ſein Leben ein düſterer Himmel voll Stürme und Ungewitter geſpannt, kein Wunder alſo, wenn jedes ſeiner Worte ein Donner, jeder ſeiner Blicke ein Blitz war; jetzt aber ſchien ſich ein ewiger Frühling um ihn zu ziehen, ſein Herz grünte wieder und trieb als ſüße Blüthen gar manches ſchöngereimte Gedicht. Jeder ſeiner Tage war heiter, und wenn ja eine Wolke ſich zeigte, ſo ſaß der kleine beflügelte Schelm mit dem Bogen darauf und eine reizende Iris lächelte herab und ſchien ihm zuzurufen:„Blut und Wunden! Friedlich, warum heirateſt Du nicht?“
Friedlich war Pſycholog genug um zu wiſſen, daß das, was er empfand, Liebe ſei. Aber bei die⸗ ſem ſeinem Gefühle ging er nicht wie der gewöhn⸗ liche große Haufe der Verliebten zu Werke, welche damit anfangen, erſt eine ſchöne Evatochter zu fin⸗ den und dann ihr Herz an ſie zu verlieren; er hatte vielmehr ſeine Leidenſchaft ſchon im Voraus fertig, ganz zugeſchnitten und ausgenäht, wie einen Rock auf dem Lager, der nur den Kunden erwartet.
Der Gelehrte war die erſte Perſon, welche Friedlich in Betreff ſeiner Leidenſchaft um Rath fragte. Das Herz voll Freude und Sonnenſchein begab er ſich zu dieſem melancholiſchen Manne und theilte ihm mit überſtrömendem Gefühle mit, daß er verliebt ſei.
„Verliebt?“ ſagte Herr Selig; wiſſen in welches Mädchen?“
„Vorderhand noch in keines insbeſondere; ich liebe ſie noch Alle im Allgemeinen.“
„Das iſt eine univerſelle Leidenſchaft,“ bemerkte der Gelehrte,„die unmöglich zu einem Ziele führt, da Sie doch nicht Alle heiraten können.“
Der Gelehrte ſchüttelte den Kopf und ſchien ziemlich unglücklich; Friedlich rieb ſich die Hände und ſchien vollkommen glücklich. Der Gelehrte ſchüt⸗ telte ein zweites Mal den Kopf und ſchien unglück⸗ licher als früher, Friedlich's Glück aber wuchs gleichfalls beim zweiten Reiben der Hände.—— Um dieß Geheimniß gleich zu erklären: Selig wäre nicht ſo unglücklich geweſen, wenn Friedlich nicht ſo glücklich ſich gezeigt hätte, und Friedlich hätte ſich nicht ſo glücklich gezeigt, wenn Selig nicht ſo unglücklich geweſen wäre. Das iſt die Wirkung des Kontraſtes.
„Sie haben nicht unrecht, Herr Selig,“ ſchmunzelte der Schneider.„Da ich nun einmal verliebt bin, ſo iſt es wohl an der Zeit, mir eine Frau zu ſuchen.“
„Ach, Friedlich,“ warnte der Gelehrte, „verſuchen Sie den Himmel nicht! Doch verfahren Sie nach eigenem Gutdünken, die traurigen Fol⸗ gen Ihrer Kühnheit fallen auf Ihr eigenes Haupt.“
„Wir werden ja ſehen,“ antwortete der Schnei⸗ der.„Ich bin nicht gekommen, Ihre Jeremiaden anzuhören, ſondern um zu erfahren, ob Sie mir zu einer Heirat behilflich ſein wollen.“
„Sehen Sie mich an, Friedlich,“ ſagte der Privatgelehrte mit Feierlichkeit.„Sie erblicken in meiner Perſon ein lebendiges Warnungszeichen, einen ſprechenden Beweis des ehelichen Ungemachs. Ich glaube, daß kein Stand auf der Erde glückli⸗ cher iſt, als der ledige. Die meiſten Männer, die ſich eines Doppelkinns und eines wohlgewölbten Leibes erfreuen, ſind Cölibatäre, und, Friedlich, im Allgemeinen iſt jeder dicke Menſch glücklich. Sie wiſſen auch, wie rund und ſtattlich ich vor meiner Hochzeit ausſah, und Sie wiſſen, um wie viel Sie ſeitdem meine Kleider enger machten. Drum überlegen Sie den Schritt, damit Sie nicht
„darf man


