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Volkstrachten in Oeſterreich. 305
welche ſtatt der Nägel mit daraufgelegten Steinen befeſtigt werden, und dieſe wiederum werden durch lange über das Dach hingelegte Stangen vom Ab- fallen abgehalten. Außerdem iſt die ganze vordere Seite, die Giebelſeite, mit Schnitzwerk verziert. Auf dem Dache erhebt ſich ein jenen Zierathen ent⸗ ſprechendes Thürmchen mit einer kleinen Glocke, welche die auf der Flur befindlichen Arbeiter zur Mahlzeit ruft. In den tiefen, wohlhabenderen Hauptthälern tritt an die Stelle der gewöhnlich (wenn ſie von Lerchenholz ſind) tiefbraunen Häu⸗ ſer der maſſive Bau; ſo findet man z. B. im Oberinnthale viele ſteinerne Häuſer, die von Außen mit großen Heiligenbil⸗ dern geziert ſind.
Die Haupt⸗ erwerbsquelle der Tiroler iſt die Viehzucht. Die Viehbe⸗ ſorgung iſt ſehr beſchwer⸗ lich, die Hüt⸗ ten auf den höchſten Ber⸗ gen und Aſten (den Voral⸗ pen) ſind mit= wohlgefüllten Ställen und Heuſtadeln⸗ verſehen, je⸗ doch unbe⸗. wohnt, riaſti⸗ ge Dirnen er⸗ ſcheinen alle Tage oft aus einer Entfer⸗ nung v. meh⸗ ren Stunden zur Milchzeit in denſelben, und liefern die Milch mit ungemeiner Anſtrengung im Sturm, Wind und Schnee alltäglich nach Hauſe. Früher beſorgten ſie faſt allgemein das Vieh auf den Alpen, jetzt aber iſt der Gebrauch allmälig ab⸗ gethan, und an die Stelle der Senninen(Sendi⸗ nen) traten größtentheils Männer als Beſorger des Alpnutzens. Dieſe heißen nach der Verſchieden⸗ heit ihres Geſchäftes Küebue, Fuetarar, Hüetar, Melchar u. dgl. In den Nebenſtunden, deren es natürlich den ganzen Sommer über ſehr viele gibt, verfertigen ſie aus Föhrenholz eine Menge Späne, oder ſie ſchnitzen Löffel, Teller, Milchgefäße und
Erinnerungen. 1859.
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Tracht im Paſſeyrer Thale.
allerlei anderes Hausgeräthe. Die Arbeit, nicht er⸗ müdend, in längſt geübten Handgriffen beſtehend, wird mit Liedern und Geſang begleitet, die theils angelernt, theils nagelneu in älplicher Begeiſterung erfunden ſind. Da überdieß in jeder Alphütte ein⸗ Paar Maultrommeln, eine Waldflöte, ein Schwe⸗ gel, ein Hackbrett u. dgl. Tonwerkzeuge zu finden ſind, ſo fehlt es nicht an fröhlichen Intermezzo's zur Sinneserheiterung. So poetiſch dieſe Seite des Alplebens, eben ſo widerlich iſt der Schmutz und die Unreinlichkeit der Alpleute. Sie tragen den ganzen Sommer ein einziges Hemd und ſetzen ihren Stolz darein, allen Mitge⸗ genoſſen den Vorrang des unfläthigſten , Hemdes ab⸗ zugewinnen, beſonders bei der Heim⸗ fahrt, wo ſie den ekelſten Schmutz als Beweis rüſti⸗ ger Alpenthä⸗ tigkeit ſelbſt⸗ gefällig zur *Schau tra⸗ gen.— Die Heimfahrt iſt ein ſehens⸗ würdigerZug der ſich in nachfolgender Weiſe ordnet. Der Melcher mit einem Stocke be⸗ waffnet, lang⸗ ſamenSchrit⸗ tes voran, ſtolz auf den Stolz der ſchönen Heer⸗ de trotzend; nach ihm un⸗ mittelbar die Mairkuh, die gekrönte Siegerin in den ſommerlichen Alpenkämpfen, am Halſe mit einer ungeheuren Schelle, der Hafen genannt, beſchwert, alle andern weit übertönend; hierauf die übrigen Kühe nach der Ordnung, mit Schellen, Blumen⸗ ſträußen und geſtickten Halsriemen geziert. Daran ſchließt ſich der Galterer(Wärter des Galtviehes, meiſt des jungen, noch unträchtigen) mit Kälbern und Stieren, hinter ihm der Gaißer mit den Zie⸗ gen, der Schäfer mit dem Wollvieh, die Saudirn mit den Schweinen, die mit feierlichem Grunzen den Zug beſchließen. 39


