3⁰² Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
ihm den Kopf halten und derſelbe wollte auch nicht ſo ſpringen.
Alſo habt ihr die erbärmliche Geſchichte von meinem lieben Junkherrn Sigmund Oertel. Unſer lieber Herr Gott aber wolle um Jeſu, ſeines lieben Sohnes willen, ihm eine fröhliche Auferſte⸗ hung verleihen; uns aber, die wir noch auf Erden herumgehen, behüten vor des Satans Wüthen, der uns immer nachſchleicht wie ein Löwe, auch uns das tägliche Brod nicht verſagen, ſondern uns er⸗ halten bis an unſer Ende.“
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Symbolik und Mythologie der Blumen. Nach J. Z. Friedreich.
lumen ſind das Symbol des⸗Le⸗ bens und ſeiner Hoffnungen. Die Alten gaben der Hoff⸗ nung, als Göttin, eine Blume ſinnbildlich in
„ die Hand. Insbeſon⸗ dere iſt die Lotosblume in Indien und Egyp⸗
Lebens, der 4 ſchaffenden Naturkraft; — dem Egyptier kündet dieſelbe alljährlich das Aufleben der Natur h an und wurde ſo zum à Sinnbilde des ſich ſtets er⸗ A neuernden Lebens, und deß⸗ ) halb auch Symbol der See⸗ 3 lenwanderung; daher fand
1 e man die Mumien mit Lotosblu⸗ — men um den Hals geziert. Auch in deutſchen Sagen finden wir die Idee des Uebergangs der Seelen in Blumen:„Neben dem Haupte gefallener Chriſten wächſt eine weiße Blume; aus dem Grabe Hingerichteter ſprießen weiße Lilien zum Zeichen ihrer Unſchuld; aus dem Grabe des Mädchens drei Lilien, die kein Anderer als der Geliebte brechen ſoll.“ Fauſt traf einſt auf der Frankfurter Meſſe vier Zauberer, welche einan⸗ der die Köpfe abhieben und wieder aufſetzten, und ſobald ein Kopf vom Körper getrennt war, wuchs aus einem dabei ſtehenden Gefäße voll deſtillirtem Waſſer eine Blume, welche die Wurzel des Lebens hieß, hervor, und als Fauſt dieß bemerkte, durch⸗ ſchnitt er die Blume, als ſie eben wieder hervor⸗ ſchoß und entkräftete damit den Zauber. Ein Ritter,
der im hohen Alter in's Kloſter gegangen war, konnte nichts mehr erlernen als die Worte:„Ave Maria“, welche er immer ausſprach; nach ſeinem Tode wuchs eine Lilie aus ſeinem Grabe, auf deren jedem Blatte dieſe Worte mit goldenen Buchſtaben ſtanden, und als man nachgrub, fand man, daß die Blume im
Gaumen des Todten wurzelte: es war alſo gleich⸗
ſam die Seele des Ritters in dieſe Worte aufge⸗ gangen, welche ſich deßhalb auf der Blume zeigten, deren Geſtalt die Seele darſtellte. Nach altdeutſcher Sage ſprießen aus den Herzen, die man den in Zauberſchlaf verſenkten Mädchen ausſchneidet und in die Erde vergräbt, Blumen hervor, und aus dem reinſten Herzen blüht auch die ſchönſte Blume. Auch die Roſe, die Blume der Liebe, und die Rebe, die treue Ranke auf Triſtan's und Jſolden’'s Grab, wurzelten nach Heinrich von Freiberg in deren Herzen. Aber auch die Blumen, mit denen man die Todten und Gräber ſchmückt, ſie ſind nicht Symbole des Todes, ſondern Symbole des neuen Lebens, der Auferſtehung im Tode. So ſpricht auch Blumenkranz ein doppeltes Wort: das Wort der Liebe und das Wort des Fortlebens des Gei⸗ ſtes nach dem Tode.
Als Symbole der Liebe und ihrer Freu⸗ den werden die Blumen von allen Völkern jeder Zeit begrüßt. Blumen ſind die Symbole der Liebes⸗ gottheiten; der indiſche Liebesgott Kamas trägt ſtatt der Pfeile fünf ihm geweihte Blumen. Die Blumen ſind das Bild der Geliebten, denn die Liebe iſt des Lebens Blüthenzeit; die Blumen ſind der Schmuck der Brautleute als Sinnbilder des neuen Lebens der Liebe und ihrer Pflichten; die Griechen nehmen zu den Brautkränzen blühende Zweige von Rosmarin(welcher das Gedächtniß ſtärken ſoll, damit die Gatten ihres gegenſeitigen Verſprechens ſtets eingedenk ſein ſollen), Epheu(als Schlingpflanze ein Sinnbild der ehelichen Einigung) und Immortelle(Sinnbild der unwandelbaren Ge⸗ ſinnung). Es ſind aber die Blumen der Schmuck der Eheleute, wenn ſie am Jubelfeſte das greiſe Haupt zieren, als neu belebende Rückerinnerung an die erſte Blüthenzeit ihrer Liebe. Am tieſſten haftend iſt die erotiſche Bedeutung der Blumen bei den ſlaviſchen Völkern: dem Serben verwandeln ſich die Hochzeitsgäſte geradezu in Blumen, die zur Schmük⸗ kung des Feſtes kommen, und anſtatt Straußge⸗ ſchmückte werden ſie geradezu als Sträuße angeredet: „auf ihr Sträuße und Bräutigamsbegleiter“; in ſerbiſchen Liedern werden Jünglinge und Mädchen als Blumen aufgeführt, z. B.„ſahen ſich Zwei gerne im Dorfe, Knabe Hyacinthe und Mädchen Nelke“. Sinnreich iſt die Guirlande der Julie, eine vom Herzoge von Montauſier für die ſchöne Julie von Rambouillet erdachte Galanterie: als er näm⸗ lich das Verſprechen ihrer Hand hatte, mußte er, nach alter Sitte, ſeiner Braut jeden Morgen bis zum Tage der Hochzeit einen Strauß von den ſchönſten Blumen der Jahreszeit ſchicken; allein er


