Sigmund Oertel. 301
tten, leg kam— war auch ein Edelmann, Einer von Schreiben gekommen vom Churfürſten des Inhalts: ausziehen Staps— hebt der Schaffer an und ſagt zu Wollten ſie gutwillig nicht bekennen, ſo ſolle man deh at ihm:„Höre, Geſell, was hat Dir der ehrliche ſie peinlich fragen. Da bat der von Droſchwitz
fromme Mann allhie liegend ſein Lebtage gethan,
um Gotteswillen, man ſolle das nicht thun, aber
daß Du ihn ſo ſchändlich um ſein Leben gebracht
haſt? Darauf hub der Knecht gar erſchrocken an und ſagte: ‚Ich hab's nicht gethan, ich hab's thun müſſen.’ Das war eine ſchöne Ausrede und der Schaffer ſagte: ‚„So leg ihm zwei Finger auf ſein Angeſicht und Du wirſt ſehen, ob Du es nicht ge⸗ than haſt.“ Da er ſie nun hinlegte, kam dem Junk⸗ herrn ſein Blut zum Mund. Darauf ſagte der Schaffer zu den Schergen: ‚Führt ihn hinweg und bringt einen Andern.
Da brachte man einen jungen aufgeſchoſſenen Edelmann, Einen von Droſchwitz, und der Schaffer hob mit gleichen Worten zu ihm an, aber der verantwortete ſich, er wäre bei der That nicht geweſen. Wir hatten ihn auch nicht geſehen; gleich⸗ wohl mußte er auch ſeine zwei Finger auflegen; da wollte die Leiche gar nicht bluten und führte man ihn wieder fort.
Darauf brachte man den Wilhelm von Droſchwitz und der Schaffer hub abermal an und fragte: ‚Höre, Du von Droſchwitz, was hat Dir der fromme ehrliche Mann, der ſein Leb⸗ tag kein Kind beleidigt, gethan, daß Du ihn alſo ſchändlich um ſein Leben gebracht haſt??— Hebt nun dieſer an ſich zu verfluchen und zu ſchwören, daß er es bei ſeiner Seelen Seligkeit nicht gethan hätte. Spricht der Schaffer zu ihm:„Legt ihm zwei Finger auf's Angeſicht, ſo werdet Ihr ſehen, ob Ihr recht geſchworen habt.“ Er konnte aber mit Reden umgehen und wollte mit uns disputiren; da rief Herr Jeronimus Rauſcher, der Bür⸗ germeiſter: ‚Legt die Finger hin!“
Und wie er ſie nun hinlegte, ſo ſpritzte dem Sigmund Oertel das Blut aus dem Mund und der Edelmann erſchrak darob ſo, daß er tödt⸗ licherer Farbe war denn die Leiche. Darnach brachte man einen Knecht, der mußte auch auflegen, aber es wollte nicht bluten. Dann wollte man drei Kna⸗ ben bringen, aber wir ſagten, es wären keine dabei geweſen. Als dieß zu Ende war, nahmen wir den Sigmund Oertel, trugen ihn in's Fürſten⸗ kollegium mit großem, ſchönem Kirchgang, desglei⸗ chen ich mein Lebtag bis auf dieſe Stunde noch nicht geſehen habe. Wie wir ihn aber in das kühle Erdreich in ſeiner Truhen legten, da ſungen die Studenten gar ſchön und lieblich und zuletzt hub man eine gar ſchöne Predigt an von ihm zu ſagen.
ſie mußten des Fürſten Schreiben nachkommen und ihn ſammt den Staps den andern Tag peinigen laſſen. Nun bekannten ſie, ſie wären's Willens ge⸗ weſen, hätten aber eigentlich auf den Pfinzing gelauert; auch geſtanden ſie noch, wie ſie den Hans Menges von Nürnberg auch hätten um⸗ bringen helfen. Was ſie aber noch mehr bekannten, konnte man noch nicht erfahren. Die Herren von Leypzik aber hätten gewünſcht, daß ſie ſie nicht ge⸗ fangen genommen hätten, denn als es an dem war, daß man ſie ſollte richten laſſen, geſchah gar große Fürbitte von der adeligen Ritterſchaft an den Chur⸗ fürſten. Ja, auch des von Droſchwitz ſein Weib, eine Streitburgerin, hat einen Fußfall gethan, der Churfürſt aber hieß ſie aufſtehen und ſagte: ‚Weib, Euer Mann iſt nicht werth, daß er auf dem Erd⸗ reich umgehe, aber Ihr thut Eins, Ihr bleibt in meinem Frauenzimmer, da ſoll Euch alle Ehre be⸗ wieſen werden und ſollt unausgetrieben ſein, dieweil Ihr lebt.“ Da kann man ſich denken, was das gute Weib für einen Schmerzen gehabt hat.
Darnach haben über achtzig Edelmänner auch einen Fußfall gethan, wobei der Churfürſt anhob und Etlichen erzählte: ‚Du haſt das gethan und
Du das,“ alſo daß ſie Alle ſchamroth wurden und
Keiner etwas zu ſagen wußte. Sie haben aber einen Brief gehabt, den hat er genommen, geleſen und zu ihnen geſagt: ‚Ich will mich bedenken.“
Darauf hat er flugs nach Leypzik geſchrieben: ob ſie keinen Schöppenſtuhl hätten. Hätten ſie kei⸗ nen, ſo wolle er ihnen einen ſchicken. Im Fall aber, daß noch mehrere Bitten für den Buben geſchehen würden, es wäre von Rittern, Edelleuten oder Doktoren, die ſollten ſie auf einen Wagen ſchmie⸗ den und ihm ſchicken.
Nun, ich lobe den löblichen Herzog Auguſt, Churfürſten von Sachſen, daß er nicht wider Recht und Gerechtigkeit handeln wollte, und in der Aus⸗ übung derſelben ſogar gegen den Adel als ſeine Geſippten war. Die Herren von Leypzik aber be⸗ ſetzten das Gericht nicht, ſondern acht Bauern, welche die Zwei, bei denen der Leichnam geblutet hatte, zum Schwerte verurtheilten.
Wie der Stab über ſie gebrochen war, führte man ſie hin, einem Jeden ſetzte man einen Roſen⸗ kranz auf, als wenn ſie zu einem Tanze gehen ſoll⸗ ten; der Droſchwitz in den hübſchen Kleidern,
„ſer⸗ Da laſſe ich ihn nun liegen und ſchlafen und die er ſich vor zehn Wochen auf ſeine eigene Hoch⸗ r zu unb, komme wieder auf die armen Sünder. zeit hatte machen laſſen, der Meiſter Hanns hin⸗ an würde Man hatte den von Droſchwitz ſammt den ter ihnen her. Wie ſie nun zu Leypzik mitten auf d höret von Staps im Gefängniß und auf dem Rath⸗ den Markt auf eine gemachte Buhn angekommen Knecht hauſe oft gefragt, aber ſie haben allewege geleug⸗ waren, ſchlägt er dem von Droſchwitz den Kopf
ſo herunter, daß er von der Buhn auf das Pfla⸗ ſter fiel. Darnach kam es an den von Staps. Der war nicht ſo keck wie ſein Herr, man mußte
Juhen net. Der Gabriel von Droſchwitz, der in der Nacht, als man herausgefallen ſei, die Flucht genommen hätte, habe es gethan. Aber da iſt ein


