298 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Macht iſt groß, Johanna's Anhang zerſtreut, mein Heer aufgelöſt und ich bin— in Banden!“
„Ich allein vollführe das Werk und ſetze da⸗ für mein Leben ein. Als Mann trete ich vor Ja⸗ kob hin, als Mann vollbringe ich die That mit — meinem Dolche!!
„Wirkt ein Mann mit dem Dolche?!“ rief Sforza entſetzt zurückbebend,„iſt ſchauervoller Mord eine That? Deine Hand willſt Du mit Jakob's Blut beflecken, dem Du früher Treue ſchwurſt? Verdient er ſolches Los? O Cäſar, aus ſolchem Thun erblüht kein Segen, Fluch und Abſcheu ſtraft den Meuchelmord und gäbe es auch gerechte Urſache dazu!“
„Mag man mich für die That verwerfen,“ ſprach Cäſar zu Boden ſtarrend;„ich bin mit meinem Leben zerfallen und achte nicht darauf, ob Jemand es tadelt oder preiſt, wenn es erloſchen. Vermagſt Du kein anderes Mittel zur Rettung zu nennen, ſo tadle den nicht, der ſich opfert und be⸗ fleckt, um Andere, ſeine frühern Feinde, zu retten und zu befreien.“
Cäſar erhob den Blick, unbeugſamer Trotz funkelte aus ihm. Bald aber ſenkte er ihn betrof— fen, als er dem offenen, im Eifer der Ueberredung glühenden Blicke Sforzas begegnete.
„Cäſar, verſprich es mir, handle gut. Im
Kriege wuchs ich auf, ſchuf Tod und Elend, und
doch glüht der bloße Gedanke an Deine That wie Höllenpein in meinem Herzen. Schließe ſo nicht Deine Laufbahn. und verhüllte doch ſein Haupt, zurückbebend vor der That des Brutus!“
Cäſar reichte Sforza die Hand.
„Du ſprachſt gewichtige Worte. Ich danke Dir und will handeln, wie es gut iſt.“
„So geleite Dich Gott und ſegne Dein rei⸗ nes Unternehmen!“ ſprach Sforza dem Davon⸗ eilenden nachſehend und ließ ſich daan gebeugt nieder. Francesco nahte ihm.
„Vater, ſchied Katharina für immer?“ ſprach er leiſe mit wehmüthig zitternder Stimme.
„Francesco, Du haſt Dich, wie ſie ſich bekämpft. Katharina ſchied, doch Dir wünſcht ſie Heil und Segen, aus ihrem Gebete ſoll Dir Dein künftiges hohes Glück erwachſen.“
„Sprach ſie das, Vater? Ja, dann lehre Du mich kräftig, männlich handeln. Meine thörichte wilde Liebe glüht nun in mir als geläuterte Flamme und ſie wird in meinem Herzen beſtändig die Be⸗ geiſterung erhalten, für das Edelſte Alles einzuſetzen.“
(Schluß folgt.)
Cäſar fiel nicht als Verräther,
Sigmund Oertel. Ein Sittenbild aus dem ſechzehnten Jahrhundert.
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den Fremden, die jetzt von fern und nah auf wohlgepflegten Straßen oder auf Eiſenſchienen in bequemen Wagen von einem Orte zum andern reiſen, denkt vielleicht nicht Einer daran, wie viele Beſchwer⸗ den und Gefahren ſich un⸗ ſeren Vorfahren bei einem gleichen Unternehmen vor Hunderten von Jahren ent⸗ gegenſtellten, ja, daß nur 4 Wenige kühn genug wa⸗ ren, dem Wagniß räuberiſcher Anfälle ohne eine angemeſſene Begleitung die Stirn zu bieten. Obwohl ſchon zu Anfang des vierzehnten Jahr⸗ hunderts Markgraf Friedrich der Strenge mit unbeugſamem Muthe gegen die raub⸗ und fehde⸗ luſtigen Edelleute des Meißner und Thüringer Lan⸗ des zu Felde gezogen war, einen großen Theil ihrer Burgen zerſtört und ihren Uebermuth gedemüthigt hatte, ſo war er doch nicht im Stande geweſen, ihre räuberiſchen Gelüſte für immer zu unterdrücken. Immer kecker erhoben ſie unter den zum Theil we⸗ niger energiſchen, zum Theil ſogar ſchwächeren Nach⸗ folgern ihr Haupt und ein nicht geringer Theil des Adels trieb ſein Weſen ſo ungeſcheut, daß er die reiſenden Kaufleute ſogar in der unmittelbarſten
Nähe größerer Städte überfiel und beraubte.
Hier davon ein Beiſpiel, das wir, um nichts von ſeiner Originalität zu verwiſchen, ganz ſo wie⸗ dergeben, wie es der Berichterſtatter, Hans Korn⸗
(thauer von Nürnberg, der nicht allein Augen⸗
zeuge des Vorfalles, ſondern auch in ſeiner Eigen⸗ ſchaft als Diener des unglücklichen Opfers, Bethei⸗ ligter geweſen, aufgezeichnet.
Sigmund Oertel ſtand, obgleich er bereits Vater von ſieben Kindeenwar, in ſeinen beſten Jahren. Er lebte in ſehr glücklichen Verhältniſſen und ſeine Familie wie die ſeiner Frau zählte zu den vornehmen Patriziergeſchlechtern. Alljährlich unternahm er in Handelsgeſchäften eine Reiſe nach Leipzig zur Meſſe und dieß war auch im Frühjahr 1557 der Fall. Mit dreißig anderen Kaufleuten zog er von Nürnberg aus und ſie gelangten ſämmt⸗


