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Julius Cäſar von Capua. 297
reichend,„was ſoll der lange Kampf hohlen Flit⸗ ters wegen, der uns ſelbſt die Wunden uns ſchlagen läßt. Ich haßte Euch, ich ſtritt gegen Euch, ich ſtürzte Euch und ſchwang mich zur Höhe der kö⸗ niglichen Gunſt, doch— mein Herz iſt leer. Euch, Katharinen nahm ich das Theuerſte, meine Kö⸗ nigin brachte ich in's Elend; um ſolchen Preis wollte ich Glück mir kaufen und erwarb nur Reue, die mich am erreichten Ziele quält. O könnte ich mit meinem Blute meine Thaten ſühnen, meine Unzufriedenheit mit mir ſelbſt endlich erſticken!“
Verwundert ſah Sforza Julius Cäſar an.
„Herr Graf, ſpricht der Ernſt aus Euren Worten, kann ich Euch vertrauend die Hand zur endlichen Verſöhnung bieten?“
„Mein heiligſter Ernſt. Zu Euch, dem Ge⸗ beugten und doch ſo Gliücklichen ſteige ich nieder⸗ gedrückt, wollt Ihr verzeihen, wollt Ihr geſtatten, daß ich meinen Freund Euch nennen darf? Allein, einſam ſteh' ich in der Welt, kein liebendes Herz ſchlägt dem Manne entgegen, der als ein Spiel⸗ ball wilder Leidenſchaft hin⸗ und hergeworfen wurde, ihm und Andern zum Verderben. Ihr habt einen treuen Sohn, der Geiſt Eurer holden Gattin weht um Euch, Ihr leidet für Eure Königin, Euer Ruhm iſt Euer Werk, ihn verunſtaltet kein Makel, im Unglück ſeid Ihr nicht elend, während ich es im Glücke bin.“
Immer mehr erſtaunte Sforza bei dieſen unzuſammenhängenden Reden. Zweifelnd fragte er:
„Kann ich hoffen, Cäſar, daß Ihr ſo fühlt, wie Ihr vorgebet, oder wollt Ihr mich in ein neues Netz locken, daß ich mich vollends verſtricke und meinen Untergang mir unvorſichtig ſelbſt bereite?“
„O Ihr trefft mit jeder Frage Euer Ziel, jeder Pfeil erreicht die wundeſte Stelle. Mein bis⸗ heriges Thun gibt Euch auch gerechten Anlaß, mei⸗ nen Antrag zur Verſöhnung zurückzuweiſen. Ein Mann ohne Halt ſteh' ich da.— Sforza, Ihr könnt mir die Hand zum Bunde nicht reichen, Ihr müßt mir mißtrauen und ich muß, mir ſelbſt grol⸗ lend, von Euch eilen.“
„Euch zurückzuſtoßen, Cäſar, der Ihr mir verſöhnend nahtet, war nicht mein Wille,“ ſprach Sforza gerührt durch den Accent der Wahrheit und Reue, der aus Cäſar'’s dumpfen Worten tönte.„Ihr habt meine Gattin treu mit Eurer Macht beſchützt, und ich vertraue Euch, ich hoffe, daß Ihr nach langer Feindſchaft mir zum treuen Freunde werdet; wenigſtens ſei mein Betragen ſo,
daß es dieß bewirke.“ 5 Sforza's offener biederer Sinn ergriff Cä⸗ ſar mächtig.— „Ja, das will ich ſein!“ rief er,„Thaten ſind der Odem, in dem mein Geiſt nur leben kann, die Ruhe drückt wie bleierne Schwingen ihn in Trüb- ſal nieder. Du nahmſt mich verzeihend auf, und ich danke es Dir durch die Hilfe, die ich der Kö⸗ nigin bringen werde.“. Erinnerungen. 1859.
„Du willſt für uns, für unſere Königin wir⸗ ken?!“ rief Sforza freudig bewegt.„So ziemt es dem Edlen des Landes, ſo ziemt es Deinem küh⸗ nen Geiſte! So werde ich, der fremde Truppen⸗ führer, der rauhe Kriegsmann, nicht länger allein Johannass königliche Umgebung bilden und ſehen müſſen, wie die Adeligen den fremden Unterdrücker ihrer Königin mit Glanz umgeben. Ich ehre Dich, Cäſar, da Du zu Deiner Pflicht zurückkehrſt.“
„Ich kehre zu ihr zurück! Doch glaube nicht, daß ich wie der Halm im Winde niicch treiben laſſe und je nach Laune meiner Leidenſchaft bald Dieſem, bald Jenem anhange. Ich haßte aus voller Seele die ſchwache, entnervende Weibes⸗ und Günſt⸗ lingsherrſchaft. Keinen Vorwurf Dir, Sforzal Du dienſt dem, der Dich zahlt, Dein Leben iſt ſein, doch Du übſt Treue und Biederkeit! Und hätte mit Scharfblick Johanna ſolcher Männer mehr um ſich geſchart, es wäre nicht zu ſo klägli⸗ chen Folgen gekommen. Ich ſtellte mich mit dem Adel dieſem Treiben entgegen und ſo grüßte ich Jakob als König, der ſelbſt die Herrſchaft ergrei⸗ fen und den ſchwachen Pandolfello Alopo und ſeinen Anhang beſeitigen ſollte. Dich, Sforza, mußten wir mitfallen laſſen, da Du nicht Theil an unſerem Werke haben wollteſt.“
„Gerecht zum Theile war Euer Vorgehen,“ entgegnete Sforza nachdenkend und zuſtimmend, „denn der Lebenswandel unſerer Gebieterin war nicht ohne Flecken, ihre Herrſchaft nicht ohne Druck und Elend.“
„Meine Träume vom Wohle des Vaterlandes ſind unerfüllt geblieben, denn Jakob kennt und will ſein Beſtes nicht. Statt einzuſehen, daß er, ein Fremder, ſich die Liebe des Landes durch Güte und Wohlthun erringen ſoll, lebt er fern von ſei⸗ nem Volke und ſchätzt die Hoheit und Macht des einheimiſchen Adels gering. Bei Gott, was hob ihn, was war das Fundament ſeiner Herrſchaft? Julius Cäſar von Capua warb ihm die Her⸗ zen des Volkes und des Adels, nachdem er ihnen die Königin verhaßt gemacht! Warum begünſtigt er jetzt ſeine Franzoſen und verleiht ihnen die Wür⸗ den, die den Einheimiſchen zukommen? Mag er uns zurückſtoßen, doch er ſoll fühlen, daß wir ihn ebenſo ſtürzen können, wie wir ihn gehoben haben!“
Geſpannt hörte Sforza Julius Cäſar's leidenſchaftlicher Rede zu.
„Und Du willſt Jakob nun verlaſſen?“
„Ja, das will ich! Sforza, ich fliehe ſeinen kargen Hof. Sehnſüchtig blickt das Volk zu den Fenſtern, hinter denen ſeine prachtliebende, ſonſt ihm ſo wohlwollende, wenn auch ſchwache Königin ſchmachtet, es wünſcht ihre Freiheit und verflucht
den Julius Cäſar von Capua, der alles die⸗
ſes erſonnen, vorbereitet, gethan. Sforza, ſoll Cäſar ſein Werk nicht wieder gut machen?“ „Und welche Wege wählſt Du dazu? Jakob's
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