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4. 3 Julius Cäſar von Capna. 293
ſten Schmerz gefoltert die Hände.„Francesco, verlaßt mich, drängt nicht in mich, ich kann nicht reden flieht zu Eurem Wohle, zu Eurer Se⸗ ligkeit!“
Julius Cäſar trat vor.
„Unglücklicher!“ rief er laut,„Du liebſt Dei⸗ nes Vaters— Weib!“
„Meines Vaters Weib!“ rief Francesco erſchüttert. Todtenbläſſe überzog ſein Antlitz, müh⸗ ſam rang er nach Athem.
Katharina warf ſich an Pandolfello's Bruſt, der durch den Auftritt erſchüttert, vergebens nach Faſſung rang. Sein mühſam aufrecht gehal⸗ tener Muth brach. Thränen ſtürzten über ſeine Wangen. Katharina hielt ihn ſchluchzend umfaßt, als könne ſie nimmer von ihm laſſen.
Francesco entfernte ſich mit wankenden Schritten.
Julius Cäſar, im Herzen ergriffen, machte dem ſchmerzlichen Auftritte ein Ende, indem er ſei⸗ ner Wache winkte.
„Lebe wohl!“ rief Pandolfello, noch ein⸗ mal nach der Schweſter ſich umſehend.
„Ich folge Dir bald!“ rief dieſe und ſank betend auf die Knie, das Antlitz in den Händen bergend.
IV.
Eine traurige Zeit brach in Neapel an. Ja⸗ kob trat als unumſchränkter Herr und Gebieter auf und räumte ſich ſeine Gegner ſchnell und kühn aus dem Wege. Sforza und andere Anhänger der Königin lagen im Kerker des Caſtel del Ovo, Pandolfello Alopo, der unglückliche Günſtling Johanna'’s, theilte das Los ſeiner Genoſſen. Der Haß des Königs ließ ihn erſt die Folterkammer und dann das Blutgerüſt betreten. Selbſt Sforza drohte ein ähnliches Los. Dieſe und andere will⸗ kürlichen Handlungen des Königs erregten allge⸗ meine Unzufriedenheit. Man hatte einen freigebi⸗ gen, edlen, gütigen Herrn erwartet, der Johanna achten und mit ihr gemeinſam des Landes Wohl fördern würde; aber ſchon der erſte Tag ſeiner Herrſchaft zerſtörte dieſen Traum. War Johannas Regierung glänzend, ſo daß von dieſer Seite we— nigſtens ſie das Volk zufriedenſtellte, ſo war Ja⸗ kob's Auftreten karg. Man fing ſchon an, das heitere Leben unter Johanna zu entbehren und zurückzuwünſchen. Jakob's weitere Schritte aber entfremdeten ihm die Geſinnungen noch mehr und mit Unwillen wurde überall vernommen, daß Ja⸗ kob die Königin in ſchmählicher Bedrückung halte. So bereitete ſich nach und nach eine Oppoſition gegen ihn, und wie er ſchnell, aber nicht feſt und dauerhaft ſeine Macht ergriffen, ſo ſchritt das Streben gegen ihn langſam aber um ſo ſiche⸗ rer vor.
Die elende, durch nichts als Treue gegen die Königin verſchuldete Lage Sforza's brachte deſſen Heer in Aufregung, beſonders als Francesco im Lager anlangte und durch ſeine feurige Rede, in der er mit lebhaften Zügen ſeines Vaters Lage, und Jakob's verwerfliches Handeln ſchilderte, die Krieger und ihre Führer Lorenzo und Miche⸗ letto fortriß. Von Tricarico aus, ihrem Stand⸗ lager, ergoſſen ſie ſich wie die verderbenbringende Fluth über das Land, das ſie bis gegen Neapel hin verwüſteten. Unzufriedene ſcharten ſich zu ihnen und mit der Menge wuchs die Verwegenheit.
In dieſer Gefahr fand Jakob eine Stütze an dem ihm treu exgebenen Cäſar, deſſen Herz vor Ehrgeiz glühte. Jakob hatte ihm vieles zu danken und beſtrebte ſich auch, Julius Cäſar's Willen und Kraft ſich zu erhalten. Ihm verlieh er den Oberbefehl über das Heer, das den plündern⸗ den Sforza'ſchen Rebellen entgegenziehen und ſie vernichten ſollte. Cäſar wollte nicht gleich mit blutiger Waffe ihnen begegnen, er wußte ja, daß ſie nur ihres Führers Freiheit erkämpfen wollten, und ſchon oft hatte er dem Könige gerathen, die Haft desſelben zu mildern, um ſo drohenden Gefah⸗ ren vorzubeugen. Doch Jakob verharrte bei ſeiner Strenge und drohte ſelbſt mit Sforza's Tode. Cäſar ſchwieg, aber ſein Eifer für des Königs Sache kühlte ſich immer mehr ab.
Endlich entſchloß er ſich, einige der Vornehm⸗ ſten des neapolitaniſchen Adels und der Franzoſen vorerſt an Micheletto Attendolo und Miche⸗ lino Ravignano, Sforza's Schwager, zu ſenden, in der Hoffnung, der Streit werde ſich friedlich beilegen laſſen. Er ſelbſt ließ durch ſei⸗ nen treuen Schreiber Alfonſo die in Schwermuth verſunkene, allem Troſte unzugängliche Katharina zu Sforza's Schweſter Margaretha nach Tri⸗ carico geleiten.
In eben dieſer Stadt hielten ſich Cäſars Abgeſandte auf, um mit den feindlichen Heerführern ſich in Unterhandlung zu ſetzen.
Margaretha war ihres kühnen, kriegeri⸗ ſchen Bruders würdig, ihr männlich ſtarker Geiſt zagte vor keiner Gefahr, keinem Unternehmen und ihre muthige Beharrlichkeit ſetzte den einmal gefaß⸗ ten Entſchluß durch. Doch auch den ſanften Gefüh⸗ len der Theilnahme war ihr Herz erſchloſſen, der
Schmerz Katharina's ward auch zu dem ihrigen.
Der Liebreiz der Schwägerin bezauberte ihr Herz, ihre Milde und Ergebung rührten ihre Seele, ihr Unglück weckte ihre Entſchloſſenheit. Wie eine liebe⸗ volle ſorgſame Mutter pflegte ſie die ihr Anver⸗ traute und freute ſich des Lohnes ihrer Zärtlichkeit, wenn ſchon ein leiſes Lächeln über Katharina's bleiches Antlitz glitt.
Katharina dankte der edlen mütterlichen Freudin, in deren Geiſt der kühne Gedanke auf⸗ ſtieg, den Bruder zu befreien oder doch ſein Los⸗ zu erleichtern.


