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Nach offiziellen Angaben wurden in Frankreich im J. 1856 nachſtehende Quantitäten Zigarren verbraucht: Havanah und Manilla 360,856,500; in Frankreich fa⸗ brizirte Zigarren 481,071,500; Zigaretten 6,478,000; zuſammen 848,406,000 Stück.
Induſtrielles. Oekonomiſches.
In einer Verſammlung des Wiener Gewerbevereins wurden Bücher vorgezeigt, deren Rücken ſtatt von Le⸗ der aus Kautſchuk gefertigt iſt und ſich ſowohl durch Feſtigkeit als Biegſamkeit auszeichnet. In England wird der Kautſchuk ſchon länger zu Einbänden ver⸗ wendet.
Hufeiſenmaſchinen ſind jetzt in Amerika in Anwendung, die 210 Stück in der Stunde anfertigen. Die Eiſen beſtehen aus Gußſtahl, der direkt in die Ma⸗ ſchine gegoſſen wird, und ſind etwas theuerer, aber auch dauerhafter als ſchmiedeiſerne.
Eine der großartigſten Erfindungen der Neuzeit iſt die hauptſächlich mit Hilfe von keinen Nähemaſchinen und Zuſchneidepreſſen betriebene Schneiderei mit Dampf, wie ſolche von dem Schneider Tait in Limerik, der für die engliſche Armee arbeitet, eingerichtet iſt und nach ſeinem Vorgange von der engliſchen Regierung in London demnächſt eingerichtet werden wird. Außer ſeinen Maſchinen beſchäftigt Tait noch gegen 1100 Ar⸗ beiter, von denen jeder, wie verſichert wird, nicht unter einer Guinee wöchentlich verdient. Dieſe Dampſſchnei⸗ derei vermag 10,000 Anzüge wöchentlich zu liefern. So erhielt Tait am 22. Mai v. J. eine Regierungsbeſtellung auf 800 Uniformen ſofort auszuführen. Doch wo das Zeug dazu hernehmen? Tait telegrafirt nach London und läßt ſich Zeug und Zubehör den größten Theil des Wegs mit Extrazug kommen. Schon am 28. Ma ſchickte er die 800 Uniformen fix und fertig nach London.
Nach der deutſchen Gewerbeztg. verfertigt man in Sachſen Strohſohlen zum Einlegen in Schuhe und Stiefeln. Sie halten die Füße ſehr warm und zeichnen ſich auch durch Haltbarkeit aus, indem zwei Paar, ab⸗ wechſelnd getragen, länger als 3 Monate brauchbar bleiben.
In der neuen Gaseinrichtung von St. Peters⸗ burg ſind die großen Röhren, 200 Meilen lang und die größten haben 36 Zoll im Durchmeſſer.-
In Paris wurde in der Straße Trouchet eine neue Fleiſchbank eröffnet. Dieſe iſt auf 30 Fuß Länge ganz mit weißem Marmor bekleidet, und hat Porphyr⸗ ſtützen und Frieſe; das halbkreisförmige Komptoir darin iſt gleichfalls aus weißem Marmor und von weißmetal⸗ lenen Karyatyden getragen. Ein porphyrnes Waſſer⸗ becken iſt im Mittelpunkte. Blumenvaſen und Kübel mit exotiſchen Geſträuchen ſind ſo geſchmackvoll vertheilt, ſo daß ſie einen reizenden Anblick vermitteln.— 7
Gutta⸗Percha iſt als Mittel zu empfehlen, Früchte lange vollkommen friſch zu erhalten. Wenn man die Gutta⸗Percha in Schwefelkohlenſtoff auflöſt, ſo erhält man 3 Schichten. Die oberſte enthält ſchleim⸗ artige, die unterſte erdige Stoffe und die mittlere Schichte den eigenthümlichen Grundſtoff der Gutta⸗Percha am reinſten. Mit einem Heber kann man dieſe mittlere Schichte von den andern abſondern. Man pflückt die Früchte kurz vor ihrer völligen Reife, läßt ſie an der Oberfläche trocknen, bürſtet ſie ab und taucht ſie in Weingeiſt. Dann taucht man ſie mehrmal in die flüſſige Gutta⸗Percha, um eine dünne Schicht darauf ablagern zu laſſen. Die auf dieſe Weiſe zubereiteten Früchte wer⸗ den in einem Raum aufbewahrt, deſſen Temperatur ſich nicht über 8 Grade erhöht.— Beim Gebrauche nimmt man die Schale mit dem Meſſer weg und wird die Frucht ganz friſch erhalten finden.
Feuilleton. 253
Knochenmehl als Futtermittel iſt neuer⸗ dings vorſchlagen worden. Zu dieſem Zwecke werden die friſchen, gut erhaltenen und von geſunden Thieren ſtammenden Knochen auf einer Schlagmühle zu einem feinen Mehle vermahlen und unter anderes Futter ge⸗ miſcht, den Schweinen und dem Geflügel gegeben. Die⸗ ſes Knochenmehl, das ſehr nährend und mäſtend iſt und ſehr zur Knochenbildung beiträgt, ſoll überall, wo es angewendet wurde, gute Reſultate geliefert haben.
Mannigfaltiges.
Zur dießjährigen vom Severinus⸗Verein veran⸗ ſtalteten Pilgerfahrt na ch Jeruſalem, deren Ab⸗ fahrt von Trieſt am 19. März erfolgte, haben ſich eilf Prieſter und ſieben Laien vereinigt, davon ſind zwölf aus dem Kaiſerſtaate und ſechs vom außer⸗öſterreichiſchen Deutſchland.
Die neueſten Frühjahrmoden zeigen die kleinen Damenhüte wie früher, nur den halben Kopf be⸗ deckend und vor einer Krinolinfriſur zurückweichend. Die neueſten Hüte ſind zweifärbig, meiſt aus grünem und weißem Seidenſtoff verfertiget. Frühjahrs⸗Mäntel werden von geſtreiften oder quadrillirten meiſt dunklen leichten Wollenſtoffen à la Toge mit Kapuchons verfer⸗ tiget, getragen, welche bis zum Ellenbogen enge an⸗ ſchließend ſich ſodann im reichſten Faltenwurf eutwickeln. — Die Amazonenhüte ſind auch heuer nebſt den Hüten kleiner Form zur Abwechslung beliebt.
In einem der literäriſchen Inſtitute Londons hält jetzt eine in New⸗York als Doctor medicinae graduirte Dame, Eliſabeth Blackerell, vor einem Frauen⸗Audito⸗ rium Vorträge über ſpezielle Abtheilungen der mediz. Wiſſenſchaft. Sie hat in New⸗York ſieben Jahre lang praktizirt, und ſoll einen ſehr ſchönen Vortrag haben. Schon hat eine engliſche Dame 8000 L. angeboten, wenn in London ein Frauenhoſpital mit weiblichen Aerzten zu Stande kommen könnte.
Mit Hilfe des Mikroſkops hat man entdeckt, daß die Perle das Gehäuſe eines Kerbthierchens iſt und durch Sammlung und Pflege dieſer Thierchen will man nun das künſtliche Erzeugen der Perlen möglich machen.
Das Wrack der„Lutine“, das bereits ſeit fünfzig Jahren in der Meerestiefe unweit Terſchelling liegt, iſt durch ein in jüngſter Zeit veranſtaltetes Tauch⸗ unternehmen noch nicht aller ſeiner reichen Schätze ent⸗ ledigt, und am 6. März ward wiederum, nur eine Ka⸗ bellänge von der verſunkenen„Lutine“ entfernt, das engliſche Schiff„Eldorado“ von den Wogen verſchlun⸗ gen. Dieſer letztere Seefahrer führte ſeinen bedeutungs⸗ vollen Namen mit Recht. Das Schiff hatte 766 Bal⸗ len Silber⸗Erz, jeder Ballen von einem Werthe zu 1260 Gulden, und außerdem eine große Quantität Ku⸗ pfer an Bord. Die gefährliche Untiefe bei Terſchelling kann wohl mit Fug Goldklippe zubenannt werden.
Der bekannte geografiſche Schriftſteller Cannabich ſtarb am 2. März in ſeiner Vaterſtadt Sondershauſen im Alter von 82 Jahren.
In Wolfersdorf in Böhmen feierte eine zwei⸗ undachtzigjährige Witwe ein gewiß ſeltenes Familien⸗ feſt, indem ſie an dieſem Tage ihre noch lebenden zehn Kinder, vier Söhne und ſechs Töchter, ſammt Schwie⸗ gerſͤhnen und Schwiegertöchtern zu einem Mahle bei ſich verſammelte, bei welchem auch ihre 58 Enkel, 23 Ur⸗ enkel und ein Ur⸗Urenkel, im Ganzen an hundert Nach⸗ kommen zugegen waren.
Unterhaltendes.
Der bekannte Klaviervirtuoſe und Hofpianiſt Hans v. Bülow gab in der Singakademie zu Berlin ein Kon⸗


