Heft 
(1859) 8 08
Seite
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252 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Zu Chren des am 4. Jänner 1795 geborenen und am 30. Jänner 1829 zu Teheran in einem Aufſtande des Perſiſchen Volkes ermordeten berühmten Dramati⸗ kers Gribojedow wird in Petersburg ein Denkmal aus ſchwarzem Marmor auſgerichtet werden.

In mehreren größeren Städten der Union treffen die Deutſchen Anſtalten zu einer großen Jubelfeier an Schillers 100. Geburtstage.

Die Weimarſſche Hofbühne, die einſtige Wiege des deutſchen klaſſiſch⸗idealen Dramas, will Schiller's Jubelfeier mit beſonderer Pietät begehen. Dingelſtedt ver⸗ anſtaltet wieder ſogenannte Muſtervorſtellungen; ſämmt⸗ liche dramatiſche Originalwerke unſeres Dichters, von denRäubern bis zumWilhelm Tell, ſollen in chronologiſcher Reihenfolge, unter Mitwirkung der nam⸗ hafteſten Künſtler, in Weimar zur Aufführung gebracht werden. Da im November die darſtellenden Kräfte nicht wohl zu vereinigen ſind, ſo hat man als Zeitpunkt für dieſes Schiller⸗Jubiläum den Monat Juni gewählt. Am 9. Juni ſoll zur Vorfeier ein Feſtſpiel gegeben werden, deſſen Dichtung Friedrich Halm übernommin.

Am 7. März feierte die am Fuße des Thüringer Waldgebirges gelegene Erziehungsanſtalt zu Schne⸗ pfenthal das Feſt ihres 751jährigen Beſtehens. Bekannt⸗ lich war es Ch. G. Salzmann, der die aus unſchein⸗ baren Anfängen ſo ſchön erblühte Anſtalt in's Leben rief, indem er zu Anfang des Monats März 1784 das von ihm erkaufte Gut zu Schnepfenthal bezog, und ſo⸗ fort den Bau desErziehungshauſes begann; der Zudrang zur Anſtalt war aber ſo bedeutend, daß ſchon 1791 ein zweites, 1795 ein drittes mit Buchdruckerei und Buchhandlung, 1799 ein viertes und 1804 ein fünftes errichtet werden mußte. Salzmanns literariſcher Ruf, eine Anzahl geſchickter Mitarbeiter(André, Bechſtein, Lenz, Glatz, Gutsmuths, Weißenborn u. A.) ſo wie die vortreffliche Einrichtung des Ganzen und das hei⸗ tere Leben der Zöglinge erwarben der Anſtalt einen, man kann ſagen, europäiſchen Ruf.

Statiſtiſches.

Der Grundbeſitz im Kaiſerthum Oeſter⸗ reich iſt, nach den im vorigen Jahre veranlaßten amt⸗ lichen Zuſammenſtellungen, mit Hypothekenſchulden im Geſammtbetrage von 1835 Mill. Fl. Konventions⸗Münze belaſtet, ſo daß auf die Quadratmeile eine Schuld von 175.000 Fl., auf das Joch von 17 ½ Fl. im Durchſchnitt kommen. Auf die zum deutſchen Bunde gehörigen Kron⸗ länder entfallen von dem Ganzen 1211 Mill, oder 35 Fl. auf das Joch, auf die italieniſchen Provinzen 292 Mill., oder 49 Fl. auf das Joch, auf die polniſchen 111 Mill., oder 8 ½⁄6 Fl. auf das Joch, auf die Länder der vormals ungariſchen Krone 120 Mill., oder 2 10 Fl. auf das Joch. Böhmen, deſſen Flächenraum 907,87 Qua⸗ dratmeilen beträgt, hat eine Hypotheken⸗Schuld von 280,182,250 F., wovon 1,836,586 Fl. mit 6%, 72,651,468 Fl. mit 5%, 12,906,101 Fl. unter 5% verzinſt werden, 533,802 Fl. aber zinslos eingetragen ſind. Weiter reichen die Angaben über den Zinsfuß in Böhmen nicht. Auf Böhmen folgt Lombardei mit 279, Niederöſterreich mit 220, Oberöſterreich mit 184, Venedig mit 113, Stei⸗ ermark mit 107 Mill. Fl. an Hypothekenſchuld.

Aus den Zahlen der Aus⸗ und Einfuhr in Oeſtexreich ergibt ſich für das vorige Jahr eine nicht unbeträchtliche Vermehrung des Handelsverkehrs. Der Werth der Einfuhr betrug 318, Millionen Gulden neuer Währung, 30,, Mill. mehr als 1857. Der Werth der Ausfuhr erreichte 293, Mill. Fl., 51, Mill. mehr als im Vorjahre; dieſe erhebliche Steigerung fällt haupt⸗ ſächlich auf Metalle und gewebte Stoffe. Die Zollein⸗ nahme lieferte bei der Einfuhr 21,276,212 Fl., bei der

Ausfuhr 648,493 Fl., im Ganzen 1,747,961 Fl. mehr als im J. 1857.

Nach dem letzten Verzeichniſſe gibt es derzeit in Oeſterreich zur Hebung der Pferdezucht 605 Beſchäl⸗ ſtationen mit circa 2400 Hengſten.

Die Einnahmen der k. k. priv. öſterr. Staats⸗ eiſenbahn belaufen ſich in dieſem Jahre bis zum 18. März auf 2,863,888 Fr. und ſind daher um 143.426 Fr. höher als im gleichen Zeitraume des Vorjahres.

Nach einer auf Grund ſtatiſtiſcher Ausweiſe ver⸗ faßten Berechnung beſteht der Sch warzkohlen⸗ Reichthum der ärariſchen Flötze in Galizien, Mähren und Böhmen in 5666 Millionen Zentner. Wenn der⸗ ſelbe zu dem Durchſchnittspreiſe des jetzigen Reiner⸗ trages(drei Kreuzer K. M. per Zentner) verkauft würde, könnte die Staatskiſſn damit ein Kapital von circa 280 Millionen Gulden erwerben.

Es iſt berechnet worden, daß ſich gegenwärtig in Europa 2,800,570 Juden befinden, es kommt demnach im Durchſchnitte auf 96 Einwohner überhaupt 1 Jude. Am ſtärkſten ſind die Juden in Frankfurt a. M. vertreten (1 Jude auf 16 Einw.) und in Heſſen⸗Homburg(1 Jude auf 23 Einw.), am ſchwächſten ſind dieſelben in Schwe⸗ den und Norwegen(1 Jude auf 6003 Einw.), in Sicilien (1 Jude auf 4308 Einw.) und in Belgien(1 Jude auf 3448 Einw.) vertreten. In Oeſterreich kommt 1 Jude auf 43 Einw., in Frankreich auf 487, in England auf 763 Einw. Die Geſammtſumme der Juden auf der Erde wird in runder Summe mit 5 Mill. ange⸗ nommen, d. i. 0,3s Procent der ganzen Bevölkerung.

In England wurden im verfloſſenen Jahre 134,647,800 Eier importirt..

Einer eben veröffentlichten Statiſtik zufolge ſind vom 30. September 1813 bis zum 1. Dezember 1858 insgeſammt 4,0 52,000 Paſſagiere(darunter faſt 2 ½ Millionen männlichen Geſchlechtes) zur See in den Vereinigten Staaten angekommen.

Man hat berechnet, daß ungefähr 20,000 Han⸗ delsfahrzeuge aller Art im Jahre 1859 in die See gin⸗ gen. Von dieſen Fahrzeugen ſind 3073 untergegangen; davon durch Brand 72, durch Strandung oder Zuſam⸗ menſtoß 88. Die Totalſumme der verlorenen Dampfer beträgt 113.

Die jüngſte Volkszählung in Berlin hat für die preußiſche Hauptſtadt eine Einwohnerzahl von 463,000 Köpfen ergeben, darunter etwas über 15,000 Juden.

Im verfloſſenen Jahre haben in Berlin beinahe 300 Perſonen durch Selbſtmord oder Unglück ihren Tod gefunden. Bei den Selbſtmorden war immer nur der vierte Fall ein ſolcher, wo ein Weib Hand an ſich gelegt und, klaſſificirt, ſind geſtorben: ungefähr 60 Per⸗ ſonen durch Erhängen, 20 Perſoneu durch Erſchießen und Erſtechen, 25 Perſonen durch Erſäufen 5 Perſonen durch Herabſtürzen aus dem Fenſter und 5 Perſonen durch Vergiftung. Die Zahl der Unglücksfälle iſt größer, als die der Selbſtmorde.

Im verfloſſenen Jahre haben in Wien nur ſieben Perſonen ein Alter von 91 Jahren erreicht. In einem

Alter von 91 Jahren iſt in Wien im v. J. Niemand geſtorben.

Die Juſtiz⸗Subaltern⸗Beamten bei den Untergerichten des preuß. Staats zählen: 2237 Bureau⸗ und Kaſſenbeamte I. Klaſſe und zwar 1942 Sekretäre, Kontroleure und Sportelreviſoren, 241 Salarienkaſſen⸗ Rendanten, 29 Depoſital⸗Rendanten, 22 Kalkulatoren, ferner 1454 Bureau⸗ und Kaſſenbeamte II. Klaſſe, und ſwenr 1126 Bureau⸗ und Kaſſen⸗Aſſiſtenten, 328 Kanz⸗ liſten.