Heft 
(1859) 8 08
Seite
251
Einzelbild herunterladen

Feuilleton.

251

Form und den genialen Inhalt derſelben einzugehen, und ſind überzeugt, daß dieſelben, trotz alles bedenklichen Kopſſchüttelns ſo maucher muſikaliſchen Philiſter, ſich Bahn brechen werden. Sie werden aber auch nicht den Anfeindungen der um ihr zukünftiges Schickſal beſorgten erfindungsloſen Nachahmer entgehen ꝛc. ꝛc.

Bei einer ſo eklatanten Meinungsverſchiedenheit dürfte die wahre Anſicht über den Kunſtwerth dieſer Werke ſo ziemlich in der Mitte liegen. Brendel ſelbſt ſagt, daß alle hieher bezüglichen Fragen erſt dann eine Erledigung finden können, wenn Lißt ſelbſt zu einem Abſchluß gelangt iſt, wenn zugleich wir uns immer mehr in dieſe Werke hineingelebt haben und durch häufigere Aufführungen damit vertrauter geworden ſind.Ob Liſzt (fährt Brendel fort) berufen iſt, in der Reihe der Ton⸗ ſetzer allererſten Ranges, in die Reihe die Heroen der Muſik einzutreten, ob ſeine Werke ein ſo nachhaltiges, eine ganze Epoche beherrſchendes Intereſſe einzuflößen vermögen, wie die Schöpfungen Jener: das jetzt ſchon mit völliger Beſtimmtheit beantworten zu wollen, wäre übereilt. Ebenſo wenig wage ich zu beſtimmen, ob dieſe Richtung als Endreſultat des Bisherigen oder als Aus⸗ gang für eine neue Entwicklung zu betrachten iſt.

Wir müſſen allerdings zugeben, daß Lißt, der zur Zeit ſeines größten Ruhmes die Künſtlerlaufbahn des Virtuoſen verließ, um ſich den ernſteſten Studien der Muſik mit dem ſeinem lebendigen Geiſte eigenen Feuer zu widmen, im Stande ſein dürfte, eine bedeutende Miſ⸗ ſion in der fernern Entwicklung der Muſik zu erfüllen. Bis jetzt war ſein Hauptſtreben als Inſtrumentalkompo⸗ niſt auf das Aufgeben der bisherigen Form gerichtet. Sonſt haben bedeutende Symphonie⸗Komponiſten ſtets darnach getrachtet, eine Fülle muſikaliſcher Diktion inner⸗ halb einer Taktart, eines Tempo's zu entfalten; Liſzt hin⸗ gegen entfaltet, allerdings oft in ſehr geiſtreicher Art und mit der reichſten Inſtrumentation, eine Menge von Taktarten und Tempo's über die Hauptmotive, auch tragen zuweilen ſeine Orcheſtralwerke den Charakter der Improviſation, als ob ſie inſtrumentirte Klavierkapricen wären. Jedenfalls iſt, wie auch Marx in ſeiner treffli⸗ chen Schriftdie Muſik des neunzehnten Jahrhunderts bemerkt: das Vorwärts eine Nothwendigkeit, und jene feurigen Jünger der Kunſt, die von einerMuſik der Zukunft weiſſagen ſie mögen viel oder wenig im Einzelnen irren: in der einen Ahnung, daß der Geiſt vorwärts ſtreben müſſe, darin irren ſie nicht. Noch müſ⸗ ſen wir bezüglich des Eingangs erwähnten Konzertes erwähnen, daß wir in Herrn v. Bülow einen trefflichen Dirigenten und vollendeten Klaviervirtuoſen kennen ge⸗ lernt haben; er ſpielte die große von Lißzt ſymphoniſch bearbeitete Phantaſie von J. Schubert op. 15 und Lißzt's ungariſche Rhapſodie. M.

Miszellen.

Literatur und Kunſt.

Die deutſche Dichtung gewinnt immer mehr Boden in Frankreich, und in dieſer Beziehung hat die Revue Germanique in der kurzen Zeit ihres Beſtehens Außerordentliches geleiſtet. Sowohl die deutſchen Ro⸗ mane und Novellen, wie die deutſchen Dramen, die ſie gebracht, haben allgemeinen Beifall gefunden; in letzter Zeit Auerbach'sSpinoza und Grillparzer'sDes Meeres und der Liebe Wellen. Dadurch aufgemuntert, wird ſie in kurzem unter anderen Novellen Heyſe's Kreisrichter, und unter anderen Dramen Heyſes Sabinerinnen, Moſen'sOtto III., Glaſer'sGa⸗ lilei u. ſ. w. bringen. Die anderen Revuen benutzen die Erfahrung, welche die Germanique für ſie ge⸗ macht, und bringen ebenfalls Ueberſetzungen aus dem Deutſchen.

Die Schriftſtellerhonorare, welche in den Vereinigten Staaten Nordamerikas von den Verlegern bezahlt werden, geben einen annähernden Maßſtab ab für die ungemeine Ausdehnung, welche der Bücherver⸗ kehr daſelbſt in der letzten Zeit erreicht hat. So hat u. a. die Familie des Dr. Kane für deſſen bekanntes Reiſewerk die Summe von 60,000 Dollars für ebenſo viel verkaufte Exemplare des Werkes bezogen. Die Firma J. B. Lip⸗ pincott& Komp. in Philadelphia hat an die Verfaſſer eines ſehr verbreiteten Apothekerbuches, die Doktoren Wood und Bache, nach und nach 80,000 Dollars, Little, Brown& Komp. in Boſton für die Werke des be⸗ rühmten Juriſten Story ſogar 200,000 Dollars gezahlt. Namentlich auch für Schulbücher ſind die Honorare ſehr bedeutend. So erhält Sanders für ſeine außeror⸗ dentlich verbreiteten Leſebücher nicht weniger als 30,000 Dollars jährlich und Thompſon für ſeine Rechenbücher 10,000 Dollars jährlich. Der Abſatz dieſer Bücher iſt al⸗ lerdings auch enorm.

Die weltumſegelnde FregatteNovarau wird im Herbſte dieſes Jahres zurückkehren. Auf Befehl des Erzherzogs Ferdinand Maximiliam erſcheinen dann zwei Reiſebeſchreibungen im Druck, von denen die eine die wiſſenſchaftlichen Reſultate vorlegen, die andere kürzere das größere Publikum von der Weltfahrt unterhalten ſoll.

Profeſſor Schmidt an der Accademia delle arti in Mailand, im vorigen Jahre noch Werkführer am Kölner Dome, hat den Auftrag der Wiederherſtellung der Kirche San Ambroſio in Malland erhalten. Bekanntlich iſt dieſe Kirche in architektoniſcher Beziehung eines der merk⸗ würdigſten Denkmale Mailands.

Die zur Erbauung einer Kathedrale in Madrid eingeſetzte Kommiſſion beſchloß einen europäiſchen Kon⸗ kurs auszuſchreiben, und die Arbeiten der Leitung des Meiſters zu übergeben, welcher das beſte Projekt ein⸗ reiche. Der zweite Preis wird eine Prämie von 1000 Piaſtern ſein. Der gewählte Styl iſt der gothiſche.

Die Zahl der römiſchen Alterthümer, die man ſeit einiger Zeit in dem Badeorte Bertrich an der Moſel ausgegraben hat, iſt durch eine ſehr gut erhaltene und ſchöne Statue der Diana in karrariſchem Marmor ver⸗ mehrt worden.

Ueber die Violinwunderkinder Raczek bringen die Signale einige Mittheilungen. Die ganze Familie reiſt ſeit längerer Zeit in Rußland, im vorigen Som⸗ mer brannten die armen Leute in Pawlowsk bei Peters⸗ burg gänzlich ab und büßten all' ihre Habe ein. Sie kon⸗ zertirten dann in Moskau, gingen weiter in das In⸗ nere von Rußland und befinden ſich jetzt in Saratoff an der aſiatiſchen Grenze. Der Vater ſchreibt, daß er ſtarke Luſt habe, nach Sibirien zu gehenwo es unge⸗ mein viel Geld haben ſoll. Nicht nur in Deutſch⸗ land war man von den merkwürdigen Leiſtungen der Kinder auf das Angenehmſte überraſcht, wie man uns mittheilt, ſind auch die Ruſſen und Tartaren von ihrem Spiel und den Stücken, welche ſie vortragen, auf das Tiefſte ergriffen, und ſie würden glänzende Geſchäfte machen, wäre die Reiſe(zu ſieben Perſonen) nicht gar ſo koſtſpielig und beſchwerlich.

Monumentales. Erinnerungsfeier.

Man beabſichtigt, dem Dichter desBank⸗bau, Katona Joſef, ein würdiges Grabmal zu ſetzen. Das Monument des Dichters ſoll mit einem Koſtenaufwande von 1200 fl. in der Nähe des Keeskemeter Bahnhofes errichtet werden.

Die belgiſche Regierung beabſichtigt auf dem Rath⸗ hausplatze von Brüſſel, wo die Grafen Egmont und Horn hingerichtet, denſelben ein öffentliches Denkmal zu errichten..

32*