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242 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
denn alles Böſe dem gewünſcht, der das Scheiden
hat erfunden! Doch nicht ſelten iſt Einer froh, wenn's ein Ende nimmt; und nicht nur Einer, auch Eine; ja, die iſt gar falſch und untreu, alles Böſe über ſie; oder nein, ſie iſt doch ſo lieb, ſie bleibe froh und glücklich.
Manchem aber bricht das Herz unter dem Leichtſinn der Geliebten; auf's tiefſte gekränkt und verletzt klagt dann der Arme:
Lang genug hab' ich geſchwiegen, Dieweil Du biſt ſo hoch geſtiegen, Dieweil Du mich ſo ſehr verachtſt, Und meine Treuheit gar auslachſt. Haſt gemeint, Du biſt die Schönſte Das iſt aber weit gefehlt,
Wer Du biſt, der bin ich auch, Wer mich veracht, veracht ich auch. Deine Schönheit wird vergehen Wie ein Blümlein auf dem Feld: Es kommt ein Reiflein über Nacht, Nimmt den Blümlein ihre Pracht.
Gift und Gall' hab' ich getrunken,
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Iſt mir tief in's Herz geſunken, Daß ich faſt kein Leben hab', Und muß fort in's kühle Grab.
Andere aber ſind kurz angebunden:
Reich und ſchön, das biſt Du nicht, Das weißt Du ſelber wohl,
Ja wahrlich Deines Gleichen Bekommt man überall.
Oder auch:
Willſt Du mich deun nicht mehr lieben, Ei, ſo kannſt Du's laſſen ſein,
Ich will mich nicht d'rum betrüben, Will nun leben ganz allein.
So wechſelt alſo Trauer und Luſt, Sehnſucht und Spott. Und bei manchen ſchlüpfrigeren, wie originell iſt da das Bemühen, für das Unausſprech⸗
liche Gleichniſſe herzuholen, die das Ding ſo vor⸗
trefflich ſagen, als es nur möglich iſt— wie ori⸗
ginell dieſes Heucheln von Unſchuld, dieſe naive Unverſchämtheit.
Aber je jünger die Lieder werden, deſto mehr häufen ſich auch die unſauberen Züge, und ſo kam es denn auch hier zu Aergerniß und manchem Be⸗ mühen der Ausrottung.
Mit erotiſchen Elementen durchwebt iſt auch das Jahreszeit⸗Lied, das jetzt aber auch ſchon ſelb⸗ ſtändig auftritt. Frühlings⸗ und Sommerlieder gibt es ſehr ſchöne, aber auch Herbſt⸗ und Winterlieder kommen vor, namentlich letztere ziemlich häufig.
Unvergleichlich ſind auch viele Trinklieder, die jetzt erſt neu aufkamen, während ſie in lateini⸗ ſcher Sprache ſchon lange bekannt waren. Sie ſind höchſt geiſtreich und witzig, belebt und friſch in
Erfindung und Ausführung. Statt des rothwangi⸗
gen Mägdleins lobt ſich der Trinker das im höl⸗ zernen Reifrock, und wir glauben ihm gerne, wenn
Der liebſte Buhle, den ich hab', Der liegt beim Wirth im Keller, Er hat ein hölzern Röcklein an Und heißt der Muskateller.
Und der andere verſichert:
Kleine Kinder hab' ich nicht gern,
Der Wein, der iſt mein Morgenſtern.
Und ſo geht es durch alle Tonarten durch.
Aber auch zu reflektiren und zu räſonniren wußte man, bald ernſt, bald humoriſtiſch, bald über Weltbegebenheiten, bald über kleinliche Verlegenhei⸗ ten. Und ſo ſang man auch politiſche Lieder, in denen Thaten und Perſonen gefeiert oder verdammt, geprieſen oder geſcholten wurden. Ritter, Türken, Papſt und Kaiſer wurden gleich beſungen, jedoch viel werth waren dieſe Lieder ſelten.
Dagegen ſinden wir in den folgenden Klaſſen wieder viel Schönes, in den Jäger⸗ und Berg⸗ mannsliedern, den Geſängen der Studenten, Sol⸗ daten und Handwerker. Sehr häufig ſind die Jä⸗ gerlieder(die Jägerromanzen gehören natürlich unter die epiſchen Gedichte), die aus dem Jägerleben Belehrendes oder Ergötzliches darſtellen; ich erinnere nur an das Lied:
Geſtern Abend ging ich aus—
Wo der Haſe ſich vom Herzen kräukt,
Wenn er an ſein kurzes Schwänzlein denkt.—
ſo wie die Handwerkslieder, von denen aber nur jene vortrefflich, die, wie die Wanderlieder, die Allgemeinſten ſind. Die Ruhm⸗, Ehr⸗ und Preis⸗ lieder der einzelnen Handwerke ſind ſehr nach einem Leiſten gemacht, und nur manche Ruhmredigkeit wirkt hier eben ſo komiſch, wie das Herabziehen des Gegners in den Spott- und Hohnliedern auf die verſchiedenſten Handwerke, wobei freilich die Schneider am übelſten wegkommen, wie denn ſchon frühe, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, „das böſe Lied von der Gaiß“ in Regensburg zu ſingen verboten ward.— Auch die Eheſtands⸗ und Brautlieder könnten hieher gerechnet werden, und beſonders unter den erſten gibt es Dinge, die an Humor beinahe alles andere übertreffen(„Ich ging in meinen Stall, da ſah ich ei, ei“).
Hiemit ſind wir bereits über die Grenzen der Blüthezeit hinaus gelangt. Denn mit Luther und der Reformation kam ein neues Element, das alle Gemüther ergriff, in's Daſein, und die beſten Kräfte wandten ſich nun der Löſung der neuen Aufgabe, je nach ihrer beſonderen Auffaſſung derſelben zu. Und da die weitere Ausbreitung der Buchdrucker⸗ kunſt gerade mit in dieſe Zeit fiel, ſo las man lieber als man ſang und breitete ſich lieber in Proſa oder längeren Gedichten aus, als daß man ſich in der Liederform beſchränkt hätte. Eine tiefe Kluft trennte von nun das früher in Religionsſa⸗ chen einheitliche Volk, es erwuchs die Reflexion, die Wiſſenſchaft verbreitete ſich unter die höheren Stände, die Bibel und Pasquille nahmen die Zeit der nie⸗
er ſingt:
deren in Anſpruch. Jeue ſuchten wieder eine eigene
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