Heft 
(1859) 8 08
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L. Korber: Das deutſche weltliche Volkslied.

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Bäume ſprechen, warnen, wie die Blumen, die ſo⸗ gar wandern. Zeit und Raum ſchlagen in einander um, und liegt ein Ort zwiſchen Oſtern und Pfing⸗ ſten, warum ſollte man nicht Armslang ſchweigen können? Und gelangt hier die Keckheit zum Aeußer⸗ ſten, ſo iſt ſonſt alles unmittelbar wahr, wir ſehen es, erleben es mit, brauchen daher auch gar keine Verſicherung des Dichters, es ſei ihm wohl oder weh um's Herz; ebenſowenig braucht er zu ſagen, daß ihn, daß die Menſchen, mit denen er umgeht, die Natur freut und rührt.

Singt Einer:

Geſtern Abend in der ſtillen Ruh

Hört' ich im Wald der Amſel zu.

Als ich nun da ſaß,

Meiner ganz vergaß wer fühlte da nicht alle die Luſt und Freude mit?

Und wie vertraut ſie alle mit der Natur ſind! Vögel ſind ihnen Liebesboten; die Nachtigall(Auf dem Kirchbaum ſteht ein Roſenbaum):

Frau Nachtigall, klein Vögelein,

Willſt du Herzliebchens Bote ſein?

Wie wollt ich Dein Botſchaft können ſein,

Ich bin nur ein klein Waldvögelein.

Biſt Du klein, ſo biſt Du hell,

Trag' meinem Lieb die Botſchaft ſchnell.

Sie flog den Berg, den tiefen Thal,

Bis daß ſie vor Schlaffenſter kam.

Sie gab dem Fenſter einen Stoß:

Schläfſt du mein Lieb oder biſt du todt?

Aber auch der Kukuk iſt dazu zu verwenden und recht gut richtet er aus:

Gott grüß Dich, liebſtes Herzchen mein!

3 Kukuk!

Hier ſchickt Dein Schatz ein Ringelein,

Guck immer, guck immer, Kukuk!

Aber auch ſonſt unterreden ſie ſich mit Vög⸗ lein nicht nur, ſondern auch mit Sträuchern:

Es wollt' ein Mädchen tanzen geh'n,

Sie ging gar wunderſchöne.

Was faud ſie da am Wege ſteh'n?

Eine Haſel, die war grüne.

Nun grüß dich Gott, Frau Haſelin,

Wovon biſt du ſo grüne?

Nun grüß Dich Gott, fein's Mägdelein!

Wovon biſt Du ſo ſchöne?

So haben auch verſchiedene Blumen und Früchte ihre beſtimmte, immer wiederkehrende Be⸗ deutung. Im Vergißmeinnicht, um mit dem lieben Blümchen anzufangen, blüht treue Liebe:

Blau iſt ein Blümelein,

Heißet Vergißmeinnicht,

Leg' es an's Herze dein Und denk' an mich.

Dagegen:

Ein Blümlein auf der Heiden Mit Namen Wohlgemuth,

Laß uns der lieb' Gott wachſen, Iſt uns für Trauern gut.

Erinnerungen, 1859.

Ein ganz ſchlimmes Kräutlein wieder iſt die

Neſſel, dafür um ſo erwünſchter ein Apfel, von der

Liebſten geſchenkt; und wird er zerſchnitten und die Kerne ſpringen vor Herzliebchens Thür

Da kam ein Abendstänzchen herfür.

Und ſo hat auch jeder Baum ſeine Bedeu⸗ tung, der eine ſeine freudige, der andere mahnt an die Todten.

Wie ſchön und lieb aber ſind die Mädchen! Kaiſerin, Engel, Stern, höchſte Krone und Aehnli⸗ ches ſcheinen allein würdige Bezeichnungen. Daher gilt aber auch:

Wenn alle Waſſer wäden Wein, Und alle Berge wären Edelſtein, Und ſie wären mein, So ſollt' mir mein Schätzlein Noch viel lieber ſein..

Und das verdienen ſie wirklich nicht nur nach

ihrem Aeußern, das freilich das reizendſte iſt, denn: Dein purpurrother Mund Macht Herze geſund, Macht d' Jugend verſtändig, Macht Todte lebendig, Macht Kranke geſund.

alles Eigenſchaften, die eben ſo den weißen Händ⸗

chen, den klaren Aeuglein innewohnen, ſondern auch ihr Inneres iſt ſo rein und tief, daß man die Jungen glücklich preiſen kann, denen ſolche Mädchen werden.

Auf dieſer Welt hab' ich keine Freud,

Ich hab' einen Schatz und der iſt weit,

Und wenn ich mit ihm reden kunnt,

So würd' mein junges Herz geſund.

Hätt' ich einen Schlüſſel von rothem Gold, Mein Herz ich Dir auſſchließen wollt'.

Ein ſchönes Bild es iſt darein,

Mein Schatz, es muß wohl Deines ſein.

Und eine Andere klagt:

Biſt nun weit aus meinen Augen,

Aber nicht aus meinem Sinn,

Du hätteſt mir doch können glauben,

Daß ich treu, beſtändig bin.

Komm' ich Morgens auf die Gaſſe,

Seh'n mir's alle Leute an,

Meine Augen ſteh'n voll Waſſer,

Weil ich Dich nicht vergeſſen kann.

Mit ſolchen Mädchen nun ſind ſie glücklich und Heiterkeit und Frohſinn ſpricht aus ihren Augen, aus ihren Liedern. Auch ein kleiner Muth⸗ wille fehlt nicht:

So viel Laub an Buſchund Linden iſt, So vielmal hat mich mein Schatz geküßt; Doch ich muß geſteh'n,

Daß ſonſt nichts geſcheh'n;

Die Amſel in dem Wald allein

Könnte meine Zeugin ſein.

Nun das Scheiden, das thut freilich weh. Wie, wenn die Theure ſtirbt? Sollte ſie nicht alles

verlaſſen und dem Geliebten nachfolgen? Da wird 31