Heft 
(1859) 8 08
Seite
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Ein Reiter(Es ſteht ein Baum in Oeſter reich) freit ſieben Jahre um des Königs Toch ter und

Er kann ſie nicht erfreien.

Laß ab, laß ab, Du junger Knab,

Du kanuſt mich nicht erfreien,

Ich bin viel beſſer geboren denn Du, Von Vater und auch von Mutter.

Nun wird er des Königs gedingter Knecht, der in der Scheune ſchlafen muß. Allein:

Des Nachts wohl um die halbe Nacht

Das Mägdlein begunnte zu trauern, Sie nahm ihre Kleider an ihren Arm Und ging wohl zu der Scheuer.

Und ſo wird der Reiter des Königs Eidam. Und wohlgemerkt:

Der uns dieß neue Liedlein ſang, Er hat's gar wohl geſungen.

Er iſt dreimal in Frankreich geweſt Und allezeit wieder kommen.

Noch viel hübſcher iſt aber das Lied:Es war ein feiner Zimmergeſell. Der baute nämlich dem Markgrafen ſein Haus ſo wohl, daß die Frau Markgräfin ihn dafür zum Dank nothwendig küſ ſen mußte, oder eigentlich er ſie; nur wird es lei der verrathen. Der Gemal wüthet:

Und hat er geküßt meine ſchöne Frau, Des Todes muß er mir ſein.

Es wird auch voller Ernſt gemacht. Aber die Markgräfin weiß zu helfen:

Ihr Herren, und käm die Frau Markgräfin Vor Euer Bettchen zu ſtahn,

Würdet Ihr ſie halſen und küſſen,

Oder würdet ſie laſſen gahn?

Da ſprach der Markgraf ſelber wohl: Wir wollen ihn leben lahn; Iſt keiner doch unter uns allen hier, Der dieß nicht hätte gethau.

Und wie nun der Geſelle, reich beſchenkt, von

dannen zieht, tröſtet ihn ſeine hoheBeſchützerin: Und wenn Dir Wein zu ſauer iſt, So trinke Du Malvaſier, Und wenn mein Mündlein Dir ſüßer iſt, So komm nur wieder zu mir.

Andere Lieder rühmen wieder die Treue und Ausdauer in der Liebe, und wohl keines ſchöner als das:Es ſah eine Linde in's tiefe Thal

wo der Geliebte nach ſieben Jahren als ſein eige

ner Verleumder auftritt, für den vermeintlichen

Verrath aber nichts als Segensſprüche erntet:

Ich wünſch ihm all' das Beſte, So viel der Baum hat Aeſte. Ich wünſch ihm ſo viel gute Zeit, So viel als Stern am Himmel ſeind. Ich wünſch ihm ſo viel Ehre,

So viel als Sand am Meere. Was zog er von dem Finger ſein? Einen Ring von rothem⸗ Golde fein.

L. Korber: Das deutſche weltliche Volkslied.

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Er warf den Ring in ihren Schoß, S ie weinte, daß das Ringlein floß.

Ich wollt' Dich nur verſuchen,

Ob Du würdeſt ſchwören oder fluchen.

Hätt'ſt Du einen Fluch oder Schwur gethan,

Von Stund an wär ich geritten hindauu.

So ſchön aber dieſe Lieder waren, ſo ganz ſuperweiſe, wunderbare Lehren zog man auch oft aus ihnen:

So geht's in der Welt: wenn man verliebt iſt,

Muß man ſein Leben laſſen!

Aber auch Handlungen aus der Thierwelt werden uns, oft mit dem köſtlichſten Humor, vor geführt. So ſchlagen einſt Kukuk und Nachtigall eine Wette an, wer, von beiden beſſer ſinge.

Der Kuluk ſprach:So Dir's gefällt,

Ich hab' zur Sach' ein'n Richter erwählt,

Und thät' den Eſel nennen,

Denn weil er hat zwei Ohren groß,

So kann er hören deſto baß

Und was recht iſt erkennen.

Es geſchieht. Der Eſel heißt die Nachtigall ſingen.

Die Nachtigall ſang lieblich aus;

Der Eſel ſprach:Du machſt mir's kraus,

Ich kauns in Kopf nit bringen.

Nun ſingt aber der Kukuk.

Dem Eſel geſiel's, er ſagt:Nun wart',

Ein Urtheil will ich ſprechen:

Wohl ſungen haſt Du, Nachtigall,

Aber, Kukuk, Du ſingſt gut Choral,

Und hältſt den Takt fein innen.

Das ſprech' ich nach meinem hohen Verſtand,

Und koſtet' gleich ein ganzes Laud, So laß ich Dich's gewinnen.

Von bei weitem größeren Umfange aber iſt

das Gebiet des lyriſchen Volksliedes, das beſonders

im Liebes⸗ und Trinklied ſeine ſchönſten und duf⸗ tigſten Blüthen trieb. Ihm fiel in dieſer Periode alles anheim, was im Minnegeſang allgemein menſchliches, wahrhaft volksthümliches gelegen hatte und daher das unverwüſtliche Lebenselement derſel⸗ ben ausmachte. Alles aber war durch die ſchon dargelegten Verhältniſſe geſteigert, geſchärft, auf die Spitze getrieben. Die Leidenſchaft, unbeirrt von aller Rückſicht, nur unterbrochen oder zeitweiſe zu rückgedrängt durch ganz äußere Zufälle, der volle Genuß des ſelten erhaſchten Augenblickes, dieſe Mächte herrſchen, rein von aller Raffinerie, im ly riſchen Volksgeſang. Dieſe Mächte ſind es auch, die ſich jene eigenthümliche Form ſchufen, wo in der ſcheinbaren Unregelmäßigkeit des Versbaues, im ſcheinbar willkürlichen Wechſel des Maßes, oft die bedeutendſte, zaubervollſte Wirkung liegt. Dabei⸗ that der Leichtſinn, die geſunde Sinnlichkeit und der unverwüſtliche Humor der unteren Stände mehr für das Gelingen, als die größte Kunſt vermocht hätte. Denn die größte ſinnliche Lebendigkeit, der ſpringende und ſtoßweiſe Gang, die unmittelbarſte