Heft 
(1859) 8 08
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Walter Lindau: Der Verlorene. 235

Stadt. Er hatte auch die Kunſtgalerie des Schloſſes! Blick ſenkte ſich raſch und eine zarte Röthe überfloß geſehen und gefunden, daß der von dem Langen ihr Antlitz.

ihm gerühmte Albrecht Dürer bles ein gewöhnlicherDas Urtheil iſt mir unwillkürlich entſchlüpft, Farbenklexer geweſen, der dem großen Meiſter nicht ſprach Otto,ich bitte um Entſchuldigung für einmal den Pinſel hätte halten dürfen. Dafür hatte mein lautes Denken.

er aber in der Stadtkirche einige alte SchnitzwerkeEs iſt gerecht, klang Emmass Stimme gefunden, die unbeachtet in finſteren Niſchen ſtanden herüber,ich ahn' den Geiſt, doch ich erfaß' ihn

und durch ihn aus ihrer Vergeſſenheit gehoben wur⸗ nicht.*

den, nachdem er Gelegenheit gefunden hatte, denSie ſind ſtreng gegen ſich, verſetzte Otto; Bürgermeiſter, den er im Kaffeehauſe kennen lernte,Sie haben ſich nur nicht recht in die Situation darauf aufmerkſam zu machen. hineingedacht. Sie haben den Monolog ſo aufge⸗

Otto ſchnürte ſein Ränzchen. Er hatte in faßt, als entſpränge er der Aufwallung einer vor⸗ ſeinem geheimen Rathe beſchloſſen mit der Poſt ei⸗ übergehenden Leidenſchaftlichkeit und nicht der Sehn⸗ nige Meilen weiter zu fahren. Nach einigen Stun⸗ ſucht eines tief empfindenden Herzens. den wollte er die Stadt verlaſſen. Emma horchte auf. Es war nicht der Blick

Faſt gedankenlos lehnte er an dem hinteren einer in ihrem Künſtlerbewußtſein gekränkten Schau⸗ Fenſter ſeines Zimmers, welches nach dem Garten ſpielerin; ſie glich einer Schülerin, die mit Auf⸗ ſchaute, und blickte hinab auf die Bäume, in deren merkſamkeit den Worten des Meiſters lauſcht. Zweigen reife Früchte hingen, deren Blätter aberSie ſprechen ſchön, mein Herr, entgegnete zu welken begannen und hie und da ſchon den Bo⸗ Emma nach einer kleinen Panſe;es klingt ſo den deckten. Eine troſtloſe Aſternflora blickte aus den natürlich, was Sie mir da ſagen, aber ich kann Beeten zu ihm herauf, und die Bohnenblätter, welche Sie doch nicht recht verſtehen. Wollten Sie doch ſich über ein Geſtell von grünen Latten zogen, um nein eine Laube zu bilden, waren vertrocknet. AberWarum nicht? fragte Otto, ihre Gedan⸗ drinnen in der traurigen Laube ſtand ein blü⸗ ken errathend.Es macht mir Vergnügen mich mit

hendes Menſchenbild, Emma Reich, die er nun Ihnen über die Iphigenia, sie, beiläufig geſagt,

zum erſten Male, beſchienen von dem Glanze des mein Lieblingsdrama iſt, zu unterhalten. Ich willl Tages, ſah. ſogleich herabkommen.

O, ſie war ſchön! Ernſte, faſt ſchwermüthige Und ohne erſt ihre Antwort abzuwarten war er in wenigen Sprüngen unten und im Garten,

Züge, eine majeſtätiſche Geſtalt, große braune Au⸗ wo ihm Emma bis an die Pforte entgegen ge⸗

gen, die ſo vertrauensvoll in die Welt blickten, als

wären ſie unbekannt mit deren Fehlern und Tücken. kommen.

Otto ſah zu ihr hinab, er war wohlthätig berührt Otto nahm ihr das Buch aus der Hand

durch den Anblick ihrer Schönheit, die in ihrer Voll⸗ und las nach einigen einleitenden Bemerkungen. jede

kommenheit auch ihre Umgebung mit einer Art Emma horchte auf jeden Ton, beobachtete jede

Verklärungsglanz beſtrahlte. Miene. Sie war bezaubert. Otto fühlte ſich von Sie hielt ein Buch in der Hand und las einer Begeiſterung getragen, wie er ſie noch nie

angelegentlich in demſelben, dann legte ſie es auf f

empfunden. Jede Empfindung, die ihm aus den den Tiſch und begann mit lauter Stimme einen Zeilen entgegen trat, jeder Gedanke, den er aus⸗ Monolog. Otto war überraſcht.

ſprach, ſchien in ſeiner Bruſt, in ſeiner eigenen Seele geboren und erwachſen zu ſein.

So kam er anu's Ende des erſten Aktes und ſchloß das Buch.

Sie ſind ein Künſtler! rief Emma und faßte

Hinaus in eure Schatten, rege Wipfel

ſo tönte es von ihren Lippen und eine Iphigenia auf Tauris ſtand vor ihm. Wie war die Stimme

ſo klar und klangvoll, herübergetragen von der fri⸗ ſeine Hand.Ja, ſo habe ich es nicht empfunden, ſchen Herbſtluft. Wie war ihr ganzes Weſen ſo auf- das iſt neu, das iſt groß, o Gott!

ſtrebend und rein und ſie ſelber eine an das UferIch habe mich nur in den Geiſt des Stückes der Barbaren verſchlagene Königstochter, die ſich hineingelebt, entgegnete Otto,und mir durch bede ſucht von den Banden einer Prieſter⸗ einige Uebung etwas von der Darſtellung angeeignet.

ſ, die zu eng, zu qualvoll waren für ihrenNein, verſtellen Sie ſich nicht, ſppach Emma in's Weite ſtrebenden Geiſt. faſt flehend;Sie ſind ein Schatſpiel um zwar Der Monolog war beendet. ein großer Schauſpieler. Mehr Klarheit, mehr Bewußtſein! klang es Otto mußte über dieſes Urtheil lächeln, aber vom Fenſter in den Garten hinab und als Emma dennoch that es ihm wohl. ihren beruhigten Blick überraſcht erhob, waren dieIch bin ein Rechtsgelehreter, der ſich nur

Worte ſchon geſprochen und nicht mehr zurückzu⸗ als Dilettant mit der Kunſt beſchäftigt hat, nehmen; auch das Fenſter verlaſſen durfte Otto verſicherte Otto.

uicht mehr.O, dann widmen Sie ſich der Kunſt, Emma ſprach nichts. Ihr fragend erhobener! Emma; Sie müſſen Großes, Großes leiſten. ) Ih 1 11 3 8 30*