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mäßig wäre, dieſelbe an einzelne Gymnaſien zu ver⸗ theilen. Dieſe Frage iſt endlich dahin eutſchieden wor⸗ den, daß der Staat ein Eigenthumsrecht betreffs dieſer Bibliothek nicht beauſprucht, ſondern ſich blos das Auf⸗ ſichtsrecht darüber vorbehält.— Um nun dieſen Bücher⸗ ſchatz für Arva zu erhalten, hat ſich im J. 1852 über Aufforderung der zwei Mitglieder der ehemaligen Ar⸗ vaer Stände, Daniel von Szontagh und Michael von Kubinyi, eine Aktien⸗Geſellſchaft gebildet, welche gleich bei ihrem Entſtehen einen Fond von 3900 fl. K.⸗Mze. zuſammenbrachte. Ueberdieß hat die Stadt⸗Gemeinde Unter⸗Kubin den erſten Stock des Gemeindehauſes für immerwährende Zeiten zur Anfbewahrung der Biblio⸗ thek gewidmet. Dieſe Aktien⸗Geſellſchaft, urſprünglich aus 45, nunmehr bereits aus 60 Mitgliedern beſtehend, wurde auch von der h. Regierung auerkannt, und wirkt unausgeſetzt für die Erhaltung und Vermehrung dieſer werthvollen Bücherſammlung. Die Theilnahme des Arva'er Publikums bei der Benützung dieſer Bibliothek iſt, insbeſondere in der neueſten Zeit, ziemlich lebhaft.
Wohl in keinem deutſchen Staate dürfte mit Ar⸗ reſtationen von Seiten der Polizeibehörde ſo umfaſſend vorgegangen werden als in Hamburg. So ſind im Jahre 1857, den Belegen der Staatsabrechnung zufolge, nicht weniger als 12,210 Perſonen inhaftirt, von denen aber nur 2314 irgend eines Vergehens für ſchuldig be⸗ funden wurden. Da nun jeder nicht gänzlich mittelloſe Arreſtant für ſeine Verbaftung 5 Mrk. 14 Sch. zu entrichten hat, ſo läßt ſich annehmen, daß die Koſten, welche eine ſo große Polizeiſorgfalt in Anſpruch nimmt, ziemlich gedeckt werden.
Unterhaltendes.
Charakteriſtiſch für unſere Zeit iſt es, daß der Krieg bisher auf der Bühne, an der Börſe und durch die Blätter geführt wird(drei B), während die Kabinette, Kammern und Kaſernen(drei K) in beredtem Schweigen und in würdevoller Ruhe wetteifern.
In Olmütz wurde einem Bühnenhelden bei ſei⸗ ner Benefizvorſtellung als geräucherter Preis eine, im grünen Blätterwerk eines Kranzes verborgene Wurſt von einem Verehrer der Kunſt vom Parterre aus zuge⸗ worfen! 4
Im Circus Wollſchläger in Berlin fanden dieſer Tage die Produktionen eines Herrn Manaux Statt, welcher mit der Biegſamkeit ſeines Körpers faſt un⸗ glaubliche Wirkungen hervorbringt. Herr Manaux nahm aus einem Teller mit dem Sporn ſeines Stiefels die Kartoffeln und ſteckte ſie rückwärts über den Kopf hin⸗ weg auf's Bequemſte in den Mund. Im Stehen leerte er auf gleiche Weiſe das Weinglas, das ihm ſeine Fuß⸗ ſohle darbot. Er bog ſich im Stehen rücklings, brachte den Kopf zwiſchen die Beine hindurch, richtete ihn vor denſelben lächelnd in die Höhe und wandelte ſo herum,
eine wirklich gräuliche Ungeſtalt. Er drehte ſich 1½ mal um die Achſe ſeiner Wirbelſäule und klopfte ſich ſtehend mit ſeinem geſtreckten Beine eben ſo behaglich gegen die Stirn wie gegen den Hinterkopf; er weidete ſich aus, d. h. er drängte alle Baucheingeweinde in Bruſt und Becken zurück, lediglich mit der Zuſammenziehung der Bauchmuskeln u. ſ. w⸗
Weibliche Barbiere. Ein neues Etabliſſement in der Reue Rivoli zu Paris droht allen Friſeuren, Haarſchneidern und Raſeuren den Untergang zu bereiten. Dort heißt es: Kommt her, die ihr nicht raſirt und friſirt ſeid, hier in dieſen Räumen geſchieht es von den Händen hübſcher Mädchen. Da ſtehen und wirken ſie, die ſchaumſchlagenden Grazien, welche mit zarter Haud
Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
die Kinnlade einſeifen und die kleinſten Stummel des Bartes über die ſchacfe Klinge ſpringen laſſen; Händ⸗ chen, weiß wie Marmor, führen das Brenneiſen nach dem Haupt der Struwwelpeter, um für einen Frank einen Adonis hervorzuzaubern. Bärenfett und Löwen⸗ pomade ſind hier aufgeſtapelt zu Pyramiden, wo der weibliche Figaro im gemeſſenen Krinolinekleid das Werk der Ziviliſation beginnt. Junge, ſchöne Mädchen, welche raſiren, ſie müſſen gewinnen, ſie müſſen ihr Glück machen und dieß jedenfalls, weil ſie— das Heft in der Hand haben. Brenneiſen und Papilloten in die Haare, damit ſie gekräuſelt hervorgehen, wo früher ein borſtig Weſen geherrſcht. Ach! welche Lockungen und Verwicklungen in dieſem kleinen Glaspalaſte, wo auch Bärte und Haupthaar nach Belieben geſärbt werden. Das Werk des Barbierens geſchieht mit der größten Zartheit und wenn auch ja einmal Einer geſchnitten wird, der vielleicht eine Warze hat, ach! ſo eine Wunde, geſchlagen von ſchöner Hand, ſie muß ſüß ſein; ſo da⸗ zuſitzen im rothen Sammtſeſſel, um ſeine Schultern den ſchneeweißen Beduinenmantel und ſo von lieblich kunſtfertiger Hand in die Scheere genommen zu wer⸗ den.— Das Etabliſſement iſt eine Novität und— dennoch Alles dageweſen. Wie ſo Manchem iſt nicht ſchon in Paris der Kopf warm gemacht worden, wie ſo manchem Fremdling iſt nicht ſchon daſelbſt ein Bart gemacht, und er von einer franzöſiſchen Dame— bar⸗ birt worden.
Dienſtbotenthum in Auſtralien. Fowler er⸗ zählt in ſeinen Skizzen aus Auſtralien:„Hier verlangt eine Dienſtmagd jährlich 35 Pſd. Sterl.(cirea 420 fl.) Lohn, wöchentlich zwei freie Tage und Unbeſchränktheit der Liebhaberzahl. Eines Nachts wache ich durch einen heſtigen Huſtenanfall auf, rieche Feuer, fahre aus dem Bett, und weil ich über mir etwas höre, rufe ich der Magd, um zu erfahren, ob ſie irgendwo etwas in Brand geſtect habe.„Ach Gott, Herr, nein,“ antwortete ſie mit der größten Unbefangenheit,„es iſt blos ein guter Freund bei mir, der nach dem Abendeſſen eingekehrt iſt und ſeine Pfeife raucht.“ Ein anderes Mädchen verließ uns an dem Tage, wo meine Frau in's Wochenbett kam. Sie wäre nicht gewohnt, in einem Hauſe bei einem Regiment Kinder zu leben. Eine Dritte ging eines Abends wie gewöhnlich zu Bett, klopfte um 3 Uhr Morgens an unſere Schlafkammer, ſagte uns höflich Adieu, fuhr dann aus dem Hauſe, indem ſie einen Re⸗ genſchirm mitnahm, und ward fortan nicht mehr geſe⸗ hen. Drei oder vier Tage nach ihrer Flucht bekamen wir den Regenſchirm „Fräulein Marianne läßt ſich pflichtſchuldigſt empfehlen und hofft und bittet, daß Sie ihretwegen außer Sorgen ſein mögen. Nächſten Freitag werde ich mich verhei⸗ rathen.“
Auch eine ſchöne Gegend. Der im J. 1851 verſtorbene preußiſche Hoftheater⸗ und Hoffriſeur War⸗ nick wird als Urheber der freilich ſpäter in ſehr verſchie⸗ denem Siune gebrauchten Redensart:„s iſt auch ne ſchöne Jegend“ bezeichnet. Nach den Jahren 1814 und 1815 nämlich begegnete ihm einmal eine ihm befreun⸗ dete Frau, die er ſeit einigen Jahren nicht geſehen hatte, und indem ſich Beide des Wiederſehens freuten, klagten ſie einander auch ihr Leid und ihre ſchweren Verluſte. „Ach,“ ſprach die Frau,„Sie beſitzen doch noch mehre Kinder, ich habe aber meine beiden einzigen Söhne ver⸗ loren; der eine ſtarb in Deutſchland.“—„Das iſt recht traurig,“ erwiederte Warnick,„glauben Sie mir, ich fühle Ihren Schmerz mit, denn dort blieb auch mein Kind. Und wo ſtarb Ihr zweiter Sohn?“—„„In Hol⸗ land,“ antwortete die Frau.—„Nun, ˙s iſt auch'ne ſchöne Jegend,“ ſagte Warnick. 4
Der ſchlechteſte Platz im Theater heißt faſt allgemein das„Paradies“. Der Ueſprung dieſer Be⸗
mit folgendem Billet wieder::


