zeuge zu Hilfe eilen wollten, fanden ihren Tod in den Wellen. Die ‚Zahl der Verunglückten ſoll mindeſtens 480 Perſonen betragen.
Aus Taganrog wird von einer ſurchtbaren Ka⸗ taſtrophe berichtet. Am 10. Jänner bei einer Kälte von 15 Grad, bei blauem Himmel und ruhigem Wetter, ſetzte ſich bei Tagesanbruch eine Fiſcherexpedition in Bewegung, welche mit ihren Schlitten und Pferden den Eisſpiegel weithin bedeckten. Sie entfernten ſich ſoweit als möglich und warfen durch Löcher, die in das Eis gehauen wurden, ihre Netze aus. Da erhob ſich gegen Abend unvermuthet ein wüthender Orkan. Am andern Tage brach das Meer ſeine Feſſeln und ſchwoll zu einer furchtbaren Höhe an. Der Wind dauerte noch den 13. fort. Gegen 3000 Fiſcher ſollen ſich auf den beweglichen Eisſchollen des Meeres befunden und in der Nacht will man ihre verzweifelten Rufe gehört haben, die ſich mit dem Heulen der Windsbraut vermiſchten.
Todtenſchau.
Der berühmte Geſchichtsſchreiber Preßscott ſtarb am 28. Jänner in Newyork, im Alter von 63 Jahren.
Der Verlagsbuchhändler B. Fr. Voigt ſtarb am 17. Februar in Weimar.
Der ungariſche Publiziſt Joſef Iriny ſtarb am 20. Februar in Peſt.
Der deutſche Naturforſcher J. Miny ſtarb Anfangs Februar in Madrid.
Franz Morelly, der dritte im einſtigen Klee⸗ blatte Strauß, Lanner und Morelly, vor vielen Jahren gleichfalls ein Liebling der Wiener, ſpäter der lebens⸗ luſtigen Peſter, iſt als Kapellmeiſter Sr. Exzellenz des Lord⸗Gouverneurs Elphinſtone, zu Bombay in Oſtin⸗ dien, am 17. Januar d. J. im 49. Lebensjahre ver⸗ ſtorben.
Am 26. Februar fand in Paris das feierliche Lei⸗ chenbegängniß des Grafen Kraſinski, der für einen der bedeutendſten polniſchen Dichter gilt, Statt.
Am 1. März ſtarb in Prag Joſef Chauer, Mit⸗ glied der kön. ſtänd. Bühne.
Mannigfaltiges.
Das Grütli, auf welchem der Grund gelegt wurde zur ſchweizeriſchen Eidgenoſſenſchaft, war längere Zeit Gegenſtand eines Streites, weil auf dem Platze ein Wirthshaus etablirt werden ſollte, und dieſe Ver⸗ wendung Anſtoß erregte. Die Sache iſt jetzt gelöſt, in⸗ dem das Grütli von der Schweizeriſchen gemeinnützigen Geſellſchaft um 55.000 Fr. angekauft worden iſt.
Aus Sebaſtopol erfährt man, daß alle Verſuche, die im Hafen verſenkten großen Linienſchiffe wieder an's Tageslicht zu fördern, bisher fruchtlos geweſen ſind, während es in der That gelang, einige kleinere Fahr⸗ zeuge wieder flott zu machen. Man hat nun begonnen, die großen Schiffe unter dem Waſſer zu ſprengen, um ſie ſtückweiſe heben zu können.
Der berühmte Reiſende in Japan, v. Siebolt, der ſeit einigen Jahren in Bonn lebte, verläßt zu An⸗ fang nächſten Monats dieſe Stadt, da ihm ein ehren⸗ voller Auftrag in Japan, an der Seite des holländiſchen Geſandten daſelbſt zu Theil geworden iſt.
Unter den Kriminaliſten Deutſchlands wird zur Zeit lebhaft die Frage erwogen, ob nicht für Deutſchland ein gemeinſames Strafgeſetzbuch geſchaffen werden könne. Der gründliche Mittermaier hat dieſe
Feuilleton.
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Frage in einem Aufſatze behandelt und vorläufig nur acht Hinderniſſe gefunden, welche dem Angriffe des ge⸗ meinſamen Werkes entgegenſtehen ſollen!
Der nunmehrige Ex⸗Kaiſer Soulouque ſcheint während ſeiner Regierung hinreichend dafür geſorgt zu haben, daß er für die Eventualität eines Sturzes ſich ein ſtandesgemäßes Auskommen ſichere. Abgeſehen von den Geldern, die er bei europäiſchen Banken und in Eiſenbahnen angelegt haben ſoll, hatte er zum franzöſi⸗ ſchen Konſul 57 Kiſten, jede mit 20,000 amerikaniſchen Piaſtern(à 2 fl. KM.) bringen laſſen, ungerechnet die Kronen, Diademe, Juwelen und Kleinodien von höchſtem Werthe. Dieſe Kiſten wollte er einſchiffen laſſen, das Volk aber belegte ſie mit Beſchlag. In ſeinem Palaſte, den der Pöbel plünderte, ſoll man außerdem viel Gold und fünf Millionen in ganz neuem Papiergeld ge⸗ funden haben. Ein engliſches Blatt meldet, Soulouque wolle ſeinen Wohnſitz künftig in Paris aufſchlagen.— Von Soulouque's Grauſamkeit erzählt man, es habe in der Rähe ſeines Palaſtes ein unterirdiſcher, vom Meer beſpülter Kerker exiſtirt, wohin er Jene expedirte, welche in der Stille verſchwinden ſollten. Wer dahin ge⸗ bracht wurde, war binnen 48 Stunden todt. Auf dieſe Art ſollen 1507 Perſonen, Männer und Frauen, umge⸗ kommen ſein; der Gefäugnißwärter mußte die Schädel der Opfer als„Beweisſtücke,“ daß er Soulouque's Be⸗ fehle ausgeführt, aufbewahren.
In einem franzöſiſchen Journale wird ein Mit⸗ tel gegen Gicht mitgetheilt, das außerordentlich ſchnell und ſicher wirken ſoll und bisher in Deutſchland noch gänzlich unbekannt war. Man ſoll Eſchenblüthe und Hollunderblüthe vermiſcht drei Stunden lang in Waſſer kochen laſſen und dieſes Waſſer zu Fußbädern gebrauchen; es wird verſichert, daß hierauf die Gicht in zwei oder höchſtens vier Tagen gänzlich verſchwindet.
Aus dem Arva'er Komitate. Für Jedermann, der den Werth geiſtiger Bildung zu würdigen weiß, und insbeſondere für jeden öſterreichiſchen und ungari⸗ ſchen Vaterlandsfreund dürfte es von einigem Intereſſe ſein, zu erfahren, daß in Unter⸗Kubin, dem Hauptorte des Arva'er Komitates, eine öffentliche Bibliothek be⸗ ſtehe, welche unter die bedeutenderen der öſterreichiſchen Monarchie gezählt werden kann und daß ſie auch wirk⸗ lich zur Hebung der geiſtigen Bildung dieſes Komitates benützt werde.— Dieſe Bibliothek zählt über 60.000 Bände meiſt wiſſenſchaftlichen Inhaltes, insbeſondere iſt die Geſchichte, Geografie, Naturgeſchichte, Philologie und Theologie vertreten. Die Werke ſind theils in deutſcher, theils in lateiniſcher, theils in ungariſcher und theils in ſlaviſcher, zum geringern Theil auch in anderen europäi⸗ ſchen Sprachen geſchrieben. Dieſe beträchtliche Biblio⸗ thek hat der aus Jaszenova im Arva'er Komitate ſtam⸗ mende gew. Bibliothekar der gräflich Stefan Zichy'ſchen Familie, Laurenz Csaplovics, im Jahre 1839 den be⸗ ſtandenen Arva'er Ständen unter der Bedingung ge⸗ ſchenkt, daß dieſelbe dem Arva'er Publikum zur Benü⸗ tzung freiſtehen ſolle. Die Arva'er Stände haben dieſe Schenkung in der Mai⸗Kongregation d. J. 1839 ange⸗ nommen, die Bibliothek mit bedeutenden Koſten von Preßburg nach Unter⸗Kubin übertragen und durch einen eigens aufgeſtellten Bibliothekar unter der Leitung des dermaligen k. k. Komitatsgerichtsrathes Daniel von Szontagh ordnen und im Sinne des edlen Stifters verwalten laſſen. Bis zum J. 1849 haben die Arva'er Stände und beziehungsweiſe das Arva'er Publikum ihre Rechte auf dieſe Bibliothek unbeanſtändet ausgeübt. Im Jahre 1849 iſt in Folge der politiſchen Umformung Ungarns, nachdem die ungariſchen Komitats⸗Stände aufgehört haben, eine ſelbſtändige politiſche Körper⸗ ſchaft zu bilden, die Frage rege gemacht worden, ob denn nicht nunmehr der Staat als Eigenthümer dieſer Bibliothek anzuſehen ſei, und ob es nicht ſohin zweck⸗


