Heft 
(1859) 7 05
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Feuilleton. 223

zeichnung dürfte in dem Umſtande zu ſuchen ſein, daß Paradies ehedem die Vorhalle der Kirchen, an deren Decke der Sündenfall abgemalt war, hieß. Hier muß ten die Profanen und Büßenden verweilen, die nicht in's Heiligthum gelangen konnten. Von den Kirchen ging der Ausdruck auf die Theater über.

Ein Teich mit Wein gefüllt. Der chineſiſche König Stiens, mit dem der Stamm Hiaa zu Grunde ging, ſoll als Zeichen ſeiner Macht einſt einen großen ſchiffbaren Teich haben graben und mit Wein füllen laſſen, aus welchem wechſelweiſe ſtets 3000 Menſchen auf Hundeart trinken und ſodann von den an den be⸗ nachbarten Bäumen aufgehängten gebratenen Ochſen, Schweinen, Hirſchen dc. eſſen mußten.

Bei einem Negerſtamme in Afrika ſoll die Sitte beſtehen, daß die Frauen angehalten werden, fort während Waſſer im Munde zu führen, um ſo an un⸗ nützem Geſchwätz gehindert zu werden. Dieſe Maß⸗ regel wäre wohl auch bei uns hie und da nicht unan⸗ gezeigt.

Bei Verſteigerung der hinterlaſſenen Effekten eines verſtorbenen Pfarrers mußte ein Protokoll aufge⸗ nommen werden. Der Schreiber, der damit beauftragt war, machte eine Ueberſchrift darauf: Protokoll, abge halten bei der Verſteigerung des verſtorbenen Pfarrers N. N. am u. ſ. w.

Ein Kaufmann war für einen andern lange Zeit gut geſtanden, dieſer konnte aber immer nicht zah⸗ len und jener wurde, da er auch nicht ſeiner Verpflich⸗ tung nachkommen konnte, verhaftet. Als ihn ein Freund im Gefängniß beſuchte, ſagte er:Weil ich für den Kaufmann B. gut geſtanden bin, läßt er mich jetzt aus Dankbarkeit ſitzen.

Ein Berliner Blatt erzählt folgende drollige Geſchichte: Ein Berliner, der einen ihn beſuchenden auswärtigen Freund im Opernhauſe vor Taſchendieben gewarnt hatte, ohne Gehör zu finden, machte ſich beim Hinausgehen den Scherz, ſeinem Freunde das Taſchen⸗ tuch aus dem Rocke zu ziehen und zu ſich zu ſtecken. Kaum iſt dieß geſchehen, ſo drückt ihm ein Dritter mit der Bemerkung, er ſehe eben, daß der Angeredetezu uns gehöre, eine goldene Taſchenuhr in die Hand und bittet um Aufbewahrung; wahrſcheinlich hatte er ſich gegen eine polizeiliche Unterſuchung, die am Ausgauge über bekannte Taſchendiebe zuweilen ohne ſpeziellen An⸗ laß verhängt wird, ſicher ſtellen wollen.

Zu der am 21. Februar in Schweidnitz(in Schleſien) vollzogenen Kämmererwahl hatte ein Kandi⸗ dat als Erſatz ſeines perſönlichen Erſcheinens ſein Por⸗ trät eingeſandt.

Naive Diebslogik. Ein in L. in Mähren zu 14tägiger Arreſtſtrafe verurtheilter Holzdieb erklärte nach geſchöpftem Urtheil wörtlich:Ich habe zu Hauſe ſechs Kinder, wenn ich und dieſe ſechs alle auf einmal in's Arreſt gehen würden, könnte da nicht die Strafe in zwei Tagen endigen?

In Deutſchland hat faſt jede Stadt je nach Art der Bereitung, der Güte und des Gehalts des Bieres ihre eigenthümliche und beſonders benannte Bier⸗ ſorte, von denen manche in früheren Zeiten hochbe⸗ rühmt waren. Die Namen dieſer Biere ſind oft char⸗ akteriſtiſch genug. Ein Bierkenner ſtellte unter andern folgende zuſammen: In Boitzenburg: Bint den Kerl, Brandenburg⸗Alter Klaus, Breslau: Schöps, Delitzſch: Kuhſchwanz, Eisleben: Krabbel an die Wand, Garde⸗ legen: Garley, Halle: Muff, Helmſtädt: Klapper, Her⸗ fordt: Rammel, Jena: Dorfteufel, Königslutter: Duck⸗ ſtein, Kolberg: Block, Kyritz: Mord und Todtſchlag,

Leipzig: Raſter, Lübeck: Iſrael, Münſter: Kalte, Osnr⸗ brück: Buße, Wernigerode: Lumpen⸗Bier, Wittenberg: Guckguck, Zerbſt: Würze, Zittau: Tunke, Marburg: Juniber, München: Bock u. a. m.

Vor einigen Tagen machte in Lyon ein Ameri⸗ kauer, Lees Wilſon, durch ſeinen ſonderbar geformten Bagagewagen großes Aufſehen. Der Inhalt desſelben waren alle nur erdenklichen Henkerwerkzeuge aus allen Zeiten und allen Ländern, welche der Yankee auf ſeinen Reiſen geſammelt hatte und unter denen ſich auch die vollſtändige Guillotine befindet, die 1793 zuerſt auf dem Place Maubert in Paris gebraucht wurde. Mit dieſem Kurioſitäten⸗Kabinet hatte der Eigenthümer in der Union und in England durch öffentliche Ausſtellung ein bedeu tendes Geſchäft gemacht. In Frankreich hatte er die Er⸗ laubniß nicht erhalten, ſeine Marterwerkzeuge zu zeigen.

Ariſtoteles ſagt:Erſt der Staat, dann die Familie. Es gibt viele Frauen, welche ganz dieſem Prinzipe huldigen.

Der Weinſtock iſt vielen Weinwirthen der Mo⸗ ſesſtab, mit dem man Waſſer liefert.

Buchſchau.

Nichtandaluſiſche Poeſie andaluſiſcher

Dichter aus dem elften, zwölften und dreizehnten Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geſchichte der Poeſie des Mittelalters. Von hr. S. J. Kaempf. Prag. Carl Bellmann's Verlag. 1858.

Auch die hebräiſche Poeſie hat ihre alexandriniſche Pe⸗ riode. Wie die griechiſchen Gelehrten zur Zeit der Ptolo mäer nach den muſtergiltigen Werken des goldenen Zeitalters in einer Sprache dichteten, die bereits in ihrer klaſſiſchen Form aus dem Volksmunde geſchwunden war, ſo nahmen auch ein zelne begabte, wiſſenſchaftlich gebildete Männer des jüdiſchen Volkes nach dem Untergange des jüdiſchen Reiches die Sprache wieder auf, wie ſie im Bibelcanon zur Vollendung gekommen, und ſchufen in derſelben Werke der Poeſie und Gelehrſamkeit, die aller Beachtung werth ſind. Die Blüthezeit der neuhebräi⸗ ſchen Kunſtpoeſie fällt in das elfte und zwölfte Jahrhundert und Andaluſien iſt der Boden, wo ſich unter dem wohlthä tigen Einfluſſe arabiſcher Kultur die hebräiſche Dichtung zu einem neuen Höhenpunkte emporhob.Die Sänger Andaluſiens nahmen es, um mit den Worten des Verfaſſers zu reden, mit der Poeſie ernſthaft; ihnen war ſie Selbſtzweck. Dieſer geſunden Anſchauung verdanken wir neben der ſchwungreichen und kunſtvollendeten religiöſen Poeſie auch eine weltliche, die an Schönheit und Anmuth, Wohllaut und Gedankenfülle keiner Kunſtpoeſie der Welt nachſteht. 3

Das obgenannte Werk führt den Leſer durch Proben aus den beſten andaluſiſch⸗hebräiſchen Dichtungen in Verbindung mit literar⸗hiſtoriſchen Erläuterungen und biografiſchen Angaben in dieſe wohl den Meiſten fernliegende Poeſie ein, und der Verfaſſer hat dadurch nicht blos den Literaturhiſtoriker, ſondern jeden Gebildeten überhaupt zu Dank verpflichtet. Das Werk beſteht aus zwei Theilen: der deutſchen Bearbeitung und dem kommentirten Originalterte. Wir haben es hier nur mit der erſten zu thun. Dieſe zerfällt in zwei Abtheilungen, von denen die erſte die Biograffe und Charakteriſtik des Dichters Chariſi und zehn ſeiner Makamen, die zweite in kompendiöſer Weiſe die Geſchichte der neuhebräiſchen Poeſie und die ſpezielle Wür digung ihrer Hauptyertreter: Sal. Ibn Gabirol, Moſes ben Esra, Abr. ben Meir und Jehuda ha⸗Levt enthalt. In Betreff der Uebertragung iſt der Verfaſſer vollkommen den