Heft 
(1859) 7 05
Seite
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Feuilleton. 219

Das muſtergiltige Exemplar dieſes Inſtruments findet 9

ſeinen Platz im kaiſerlichen Konſervatorium der Muſik und Deklamation. Jede vom Staate autoriſirte muſi kaliſche Anſtalt muß mit einer ſolchen Stimmgabel ver⸗ ſehen ſein. Die Anwendung desdiapason normal tritt in Paris mit dem 1. Juli und in den Departe⸗ ments mit dem 1. Dezember in Kraſt.

Meyerbeer's neue Oper wird wohl ſchwerlich vor dem Herbſt in Paris zur Aufführung gelangen, da der Komponiſt nicht geneigt ſein möchte, mit dem Werke in die Sommermonate hineinzugerathen. Auch ſoll Ma dame Cabel, welcher die Hauptpartie auvertraut iſt, in Gefahr ſein, dieſelbe zu verlieren. Meyerbeer hat näm lich eine junge ſchöne Sängeriu, Mademoiſelle Montroſe, entdeckt, eine Schülerin von Duprez, und neuerdings⸗ dieſe für ſeine Oper auserſehen. Nun kann mau auf gewöhnlichem Wege Madame Cabel die Rolle natürlich nicht abnehmen, aber man hofft ſehr gemüthlich, dieſe Sängerin mit unausgeſetzten täglichen Proben dermaßen zu ermüden, daß ſie, wenn es endlich an die Aufführung. geht, wird erklären müſſen:Ich kann nicht mehr! In dieſem erſehnten Moment ſoll dann Mademoiſelle Montroſe enthüllt werden, die ebenfalls einſtudirt wird und im Geheimen in einer finſtern Loge allen Proben beiwohnt! In Meyerbeer's neuer Oper wird auch eine Ziege erſcheinen, man ſieht deßbalb jetzt jeden Morgen in Paris drei Ziegen zur Probe in die Opéra comique führen, um ſie dort zu unterrichten und ihnen die Partie einzuſtudiren. Für die Aufführung wird die intelligenteſte von den dreien ſchließlich ausgewählt werden, die beiden andern treten nur im Erkrankungs falle der erſtern auf.

In Holland blüht noch ein herzhafter Enthuſias mus für die Künſtler; in Utrecht haben die Studenten Fräulein Marie Mösner nach dem Konzert am 21. Februar einen Fackelzug unter Vortritt der Bürgermuſik und des Militärmuſikkorps gebracht; als die Künſtlerin nach nicht endenden Vivats ihnen noch ein Stück auf der Harfe am offenen Fenſter entgegenſpielte, faud der Jubel keine Grenzen, Sänger und Orcheſter ſtimmten die öſterreichiſche Volkshymne an und führten Fräulein Mösner im vierſpännigen Wagen nach ihrem Hotel!

Statiſtiſches.

In der ganzen öſterreichiſchen Monarchie befinden ſich 7139 Civilärzte, 5635 Chirurgen und 3031. Apotheker, wovon auf die lombard.⸗venetian. Provinzen⸗ allein 3123 Doktoren, 558 Chirurgen und 1465 Apo theker kommen. In der Monarchie kommt ein Arzt auf 5200, ein Chirurg auf 6600 und ein Apotheker auf 12.30) Einwohner. In Oeſterreich u. d. Enns kommt ein Med. Dr. auf 2200, in Oeſterreich o. d. Enns auf 750), in Salzburg auf 4400, in Steiermark auf 7000, in Krain auf 15.000, in Kärnthen auf 11.000, im ſtenland auf 3800, in Tirol auf 2500, in Böhmen auf 6200, in Mähren auf 10.700, in Schleſien auf 15.400, in Galizien auf 18.700, in der Bukowina auf 26.300, in Ungarn auf 8600, in Siebenbürgen auf 26 600, in der Wojwodſchaft Serbien auf 12.100, in Kroatien auf 13.800, in Dalmatien auf 5400, in der Lombardei auf 1500, im Venetianiſchen auf 1600 Einwohner. Die ge⸗ ringſte Anzahl der Aerzte finden wir im Zolkiewer Kreiſe mit 80.000, die größte in der Provinz Padua mit 1200 Einwohnern auf 1 Arzt.

Paris zählte bei Eintritt der Erweiterung bis zu den Feſtungswerken 1,174,316 Einwohner; die jetzt hin⸗ zugezogenen Gemeinden zählen 351,189 Einwohner, das erweiterte Paris hat demnach 1,525,535 Einwohner, und iſt ſomit die volkreichſte Stadt des europäiſchen⸗ Feſtlandes und nach London die zweitvolkreichſte Stadt Europa's.

Nach dem neueſten Bericht der General⸗Regiſtratur hat London, das zu Anfang dieſes Jahrhunderts noch nicht eine ganze Million(958,863) Einwohner zählte, gegenwärtig bereits eine Bevölkerung von mehr als 2.800,000 Seelen. Das heutige London iſt drei mal ſo groß als das vom Jahre 1801; es bedeckt einen Flächenraum von 121 engliſchen Quadratmeilen.

Englands Handel hat im vorigen Jahre den Ausfuhrwerth von 116,614,331 Pf. St.(1,451,776 Pf. weniger als 1857, aber immer noch 787,383 Pf. mehr als 1856) erreicht.

DieWiener Ztg. veröffentlichte einen Ausweis über die von der Oberſten Polizeibehörde ſeit Jänner 1853 bis letzten Dezember 1858 an Bildungs⸗ und Humanitätsanſtalten, Vereine ꝛc. vertheilten Preß erzeugniſſe. Es wurden im Ganzen 80,061 Preß⸗ erzeugniſſe vertheilt; dieſelben beſtanden aus 67,832 Büchern und kleineren Druckſchriften, 7236 Bildern, 1205 Muſterzeichnungen und 3788 Muſikalien.

Im Monate Jänner ſind in Deutſchland ungefähr 1000 Bücher(einſchließlich der neuen Auflagen, Bro ſchüren, Zeitſchriften) erſchienen. In dem gleichen Zeit raume verließen in Eugland 303 und in Frankreich 1037 Schriften die Preſſe.

Oeffentliche Bibliotheken von mehr als 300,000 Bänden gibt es zehn und zwar: die kaiſerliche Bibliothek in Paris mit 800,000 Bändeu, das britiſche Muſeum in London mit 560,000; die kaiſerliche Biblio⸗ thek in St. Petersburg mit 520,000; die königliche Bi⸗ bliothek in Berlin mit 500,000; die königliche Biblio thek in München mit 480,000; die königliche Bibliothek in Kopenhagen mit 410,000; die kaiſerliche Bibliothek in Wien mit 365,000; die Univerſitäts⸗Bibliothek in Göttingen mit 360,000; die königliche Bibliothek in Breslau mit 350,000; die königliche Bibliothek in Dres⸗ den mit 305,000 Bänden.

Truppenzahl und Kriegsflotten der Haupt ſtaaten: Frankreich zählt 409,062 Mann und 461 Schiffe mit 12,510 Kanonen; Großbritannien 222,874 Mann, 538 Schiffe mit 15,791 Kanonen; eich 700,000 Mann, 135 Schiffe mit 852 Kanonen; Preußen 511,108 Mann, 55 Schiffe mit 265 Kanonen; Rußland 833,462 Mann und 158 Schiffe; der⸗deutſche Bund(ohne Oeſter reich und Preußen) 361,596 Mann; Sardinien 47,915 Mann, 29 Schiffe mit 436 Kanonen; die Niederlande 58,195 Mann, 86 Schiffe mit 1740 Kanonen; Schwe den und Norwegen 158,337 Maun und 1039 Schiffe; Dänemark 27,420 Mann, 116 Schiffe mit 932 Kanuo⸗ nen; die Schweiz 108,000 Mann; Spanien 200,401 Mann, 87 Schiffe mit 887 Kanonen; die Türkei 209, 152 Mann und 70 Schiffe; die Moldau, Walachei, Serbien und Montenegro 61,644 Mann.

Wie groß der Champagner⸗Verbrauch in Rußland iſt, ergibt ſich aus der Notiz, daß in 11 Jah ren 9,823,316 Bout. für 21,571,870 Rbl. S. daſelbſt eingeführt wurden.

Im Jahre 1842 haben ſich in Rußland 939, 1813 ebenfalls über 900, im Jahre 1856 dagegen 1500 Menſchen zu Tode getrunken.

Eiſenbahnen. Telegrafen.

Aus einer ſtatiſtiſchen Erörterung über die ſämmt lichen Eiſenbahnen in Euvopa geht hervor, daß in Sachſen die Eiſenbahnen am einträglichſten ſind und daß im Großherzogthume Baden der Betrieb am öko⸗ nomiſchſten iſt, indem 41 Procent der Einnahmen genü⸗ gen, um die Betriebskoſten zu decken.

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