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Das Weltall.
Von Fr. Friedrich.
P has Weltall!— Wer vermag zu erfaſſen, . 2T was mit dieſem einzigen Worte ausgedrückt
85 iſt! Wer kann ſagen, daß er mehr davon 9)5 geſchaut und erforſcht habe, als ein kleines —₰ Stück, denn noch keinem ſterblichen Auge iſt es vergönnt geweſen und wird es je ver⸗ gönnt ſein, das Weltgebäude in ſeiner Größe und Unendlichkeit zu durchſchauen und zu begreifen. Wohl richten wir Abends unſer Auge zum Himmel empor und laſſen es unter den Tauſenden und aber Tauſenden von Geſtirnen umherſchweifen, wir wiſſen, daß all' die flimmernden und leuchten⸗ den Sterne Weltenkörper ſind gleich unſerer Erde, nur tauſend Mal größer und durch einen Raum von uns getrennt, der ſich nur nach Millionen von Meilen meſſen läßt, unſer Auge vermag die Sterne über uns nicht zu zählen, denn Stern reiht ſich an Stern und uns ſchwindelt, wenn wir den Blick immer ſchärfer und tiefer zu ihnen emporrichten, uns ſchwindelt vor der Unendlichkeit des Raumes, den ſie erfüllen und der zwiſchen ihnen und uns liegt, uns ſchwindelt vor der unendlichen Menge der Weltenkörper, welche kein menſchliches Auge zu zählen vermag— und doch müſſen wir uns ſagen,
daß unſer Auge erſt ein kleines Stück Welt ſchaut.
Millionen und aber Millionen Meilen ſchauen wir weit und doch erblicken wir nirgends eine Grenze, eine Ende des Weltalls. Es iſt unendlich im Raume, ohne Ende, ohne Grenze. Ohne Grenze! Unſer Geiſt müht ſich vergebens, dieſe Worte zu begreifen und zu erfaſſen. Alles, was er ſchaut, hat ja eine Grenze, ihm ſelbſt ſind unüberſteigbare Schranken gezogen, er ſelbſt iſt begrenzt, deßhalb vermag er auch nicht zu begreifen, was es heißt: ohne Ende. Und wenn das Weltall ein Ende hätte, wäre unſer Erfor⸗ ſchungsgeiſt damit befriedigt, würde er in Gedanken nicht hinausſchweifen über dieſe Grenzen und ſich mit der neuen Frage quälen: was iſt dann? Was beginnt dort, wo das Weltall aufhört?— Uns i*ſt die Unendlichkeit unbegreifbar, ein Nichts iſt es noch viel mehr— beides ſpottet allen Sinnens und Forſchens des menſchlichen Geiſtes.
Doch wozu ſollen wir unſeren Blick auf ein Gebiet richten, auf dem er nimmer befriedigt wer⸗ den kann. Iſt der Himmelsraum, den wir über⸗ ſchauen, iſt die Zahl der Sterne, welche uns ent⸗ gegenſchimmern, nicht groß genug unſerm Geiſte ein Feld darzubieten, das er nimmer völlig zu erfor⸗ ſchen vermag, iſt dieſes Stück des Weltalls nicht weit und gewaltig genug, uns zum Staunen hinzu⸗ reißen, unſern Geiſt zu erheben und ſeinem For⸗ ſchungstriebe Nahrung zu bieten für immer und immerdar.
Schon vor Jahrtauſenden hat das Himmels⸗ gewölbe die Blicke der Menſchen auf ſich gezogen
Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
und die hervorragenden Geiſter haben ſich gemüht, es zu durchforſchen und die Bahnen der einzelnen Sterne an ihm und die in ihm obwaltenden Ge⸗ ſetze zu erforſchen. Gerade weil das Weltall ſo un⸗ endlich groß iſt, und ſeine Betrachtung den Geiſt mit mächtiger Kraft erfaßt und erhebt, deßhalb iſt die Aſtronomie, die Erforſchung des Weltgebäu⸗ des und der einzelnen Weltkörper, die erſte aller Wiſſenſchaften geweſen, welche auf dieſen Namen Anſpruch machen konnte. Deßhalb iſt man nimmer und nimmer müde geworden, an dieſem gewaltigen und ſchwierigen Werke weiter zu bauen, tiefer und tiefer hineinzudringen in die unendlichen Regionen des Weltalls, um die Wahrheiten und Geſetze auf⸗
zufinden, welche mit ewigen Buchſtaben an das Himmelsgewölbe geſchrieben ſind.
Was Hunderte und Tauſende der tüchtigſten Männer ſeit drei tauſend Jahren erforſcht haben, das liegt jetzt hinter uns und wir brauchen in den unendlich reichen Schatz, den ſie erworben, nur hinein zu greifen, um mit jeder Hand ein Gold⸗ korn zu erfaſſen, um das mit einem einzigen Blicke zu überſchauen, deſſen Erforſchung Mancher ſein ganzes Leben gewidmet hat.
Das iſt der Gewinn, der uns ſpäteren Ge⸗ ſchlechtern zu Theil wird und den die, welche nach uns kommen, noch viel mehr genießen werden; wir brauchen nur auf die Schultern derer zu treten, welche ſich vor uns und für uns gemüht haben, und wir ſtehen unendlich hoch, unſer Blick reicht tief in das Himmelsgewölbe hinein und die Bahnen der einzelnen Geſtirne und die Geſetze, nach denen ſie abgemeſſen ſind, liegen vor unſerem Geiſtesauge ſo beſtimmt und offen da, als ob ſie von Menſchen⸗ hand in ein Buch hineingezeichnet wären.
Dann aber erſt ſind wir im Stande, die Erhabenheit des Ganzen zu erfaſſen, wenn wir wiſſen, daß die Bahnen der Geſtirne nach Meilen und Fuß gemeſſen ſind, daß ihre Umlaufszeit nach Minuten und Stunden beſtimmt iſt; dann erſt er⸗ kennen wir, daß es etwas Höheres gibt als der Menſchengeiſt, etwas Erhabeneres als Menſchenwerke; dann erſt fühlen wir, daß nichts uns ſo gewaltig zu ergreifen und mit ſich fortzureißen vermag als die Betrachtung und Erforſchung des Weltgebäu⸗ des mit ſeinen Tauſenden und aber Tauſenden von Körpern.
Und doch gibt es ſo unendlich viele Menſchen, welche tauſende Male zum Himmel emporgeſchaut und die Geſtirne erblickt haben und doch keine Ahnung haben von der Größe und Erhabenheit des Weltgebändes, von den Geſetzen, die in ihm obwalten, und der Weisheit, die ſich in allen Ge⸗ ſetzen der Natur kundgibt; doch wiſſen ſie kaum, daß die Sonne größer iſt als die Erde und daß die Erde, die ihnen ſo unendlich groß erſcheint, zu den kleinſten von allen Weltenkörpern, welche ſie er⸗ blicken, gehört.
Schon der bloße Anblick des geſtirnten Him⸗
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