mehr
rumzogen n lächer t ihren mögen, Heiſtlichen
uüͤberhaupt Jahrhun ſbedacht, terzulegen. en. Die anſtößiges Weltliches war und edürfuiſſe ſang als erſt das iſammen lich dein, lch, mein Mägdlein n Gott, „du und im höch ſchürz doch n ſelbſtän Nſſängen, denen ſie
ein,
nitzuthei
Volkelied
von der in eigentli
inahe auls Nieder⸗
L. Korber: Das deutſche weltliche Volkslied. 203
tzen uns die des Südens entſchieden in das Land ihres Urſprungs, und bei den erſten Tönen, den erſten Zeilen eines ſolchen Geſanges ſehen wir z. B. die ganze Pracht der Alpenlandſchaften vor unſern Augen. Und ſchon aus dieſer ganz eigen thümlichen Färbung der Melodie, die in der un mittelbarſten Beziehung zum Tepte ſteht und eben ſo friſch wie dieſer dem Volksherzen entquollen iſt, ſollte ſich die Mahnung ergeben, weder den grego rianiſchen Kirchengeſang noch den Minne⸗ und Meiſtergeſang als den Urſprung des Volksgeſan ges anzuſehen. Dann ſind auch die ſchöne, klare Rhythmik desſelben, der präciſe Takt, die leichte Faßlichkeit und Ueberhörbarkeit der Melodie Eigen ſchaften, die wir vergebens bei den oben genannten Geſängen ſuchen würden. Daß aber ſchon im 14. Jahrhundert die Einführung der Harmonie die deutſche Volksmuſik mit unglaublicher Schnelle ver änderte, wird uns allerdings ausdrücklich verſichert.
Ueber die Melodien bleibt nun nur noch weniges zu bemerken. Daß ſie nirgends fehlten, verſteht ſich von ſelbſt; daß aber ſehr oft nach ihnen auch noch getanzt ward, ja daß in manchen Gegenden nur Tanzlieder vorhanden waren und noch ſind, wird Niemanden Wunder nehmen. Oſt wurden bekannten Melodien neue Texte unterge legt; nie aber die erſtere anders als durch Tradi tion erhalten. Wo Inhalt des Liedes und Melodie in Widerſpruch zu ſtehen ſcheinen, waltete oft der genaueſte Kunſtinſtinkt; und wenn das Lied vom leichtſinnigen Jäger, der ſich durch ſeinen Leichtſinn in’'s Verderben ſtürzte, das alſo gewiß den trau⸗ rigſten Inhalt hat, in der luſtigſten Melodie ge ſungen wird, ſo ſpricht dieſe einerſeits ganz den Charakter ves ſorgloſen Unglücklichen aus, anderer ſeits wird der Kontraſt um ſo entſchiedener, das ganze Liev um ſo ergreifender.
Ueber die Form des Volksliedes im Allgemei nen nun läßt ſich beiläufig Folgendes ſagen:
Statt der verwickelteren Formen der Kunſt poeſie finden wir meiſt einfache, theils ältere, theils aus dem Minnegeſange herübergekommene Stroſen arten; die Eigenthümlichkeiten der älteſten Volks
poeſie kehren wieder, Refrains, alliterirende Anfänge,
wiederholte oder ähnlich klingende Verſe, ein ewi ges Entlehnen von Wendungen, Bildern und Ver ſen, ja ganzen Strofen; gewiſſe Einleitungsformeln werden faſt allgemein angewandt, manche ohne Be
ziehung zum Inhalte des Gedichtes, manche oft in
überraſchender, gleichſam ſymboliſcher Weiſe.
Die Darſtellung iſt, beſonders in der eigent lichen Blüthezeit, geprängt, oft ſpringend, nie lange bei einem Punkte verweilend, das einzelne Bedeu⸗ tende kräftig hervorhebend, ja wiederholend. Vieles, was ſich von ſelbſt verſteht, oder doch leicht zu er rathen, oder auch leicht zu entbehren iſt, wird ganz weggelaſſen, doch alles nur wie ſtizzirt, lückenhaft, der Phantaſie der Hörer die Ergänzung überlaſſen. Dieſe knappe Behandlung, die ſo vieles der Mit⸗
ſtimmung des Gemüthes und der muſikaliſchen Be⸗ gleitung, die alle Gegenſätze mildert oder ausgleicht, zu thun läßt, zeigt deutlich, wie dieſe Lieder ganz nur der Innerlichkeit des Gemüthes angehören.
Was nun die Dichter dieſer Lieder betrifft, ſo können ſie allerdings bei der großen Mehrzahl gar nicht angegeben werden; bei vielen aber enthält die Schlußſtrofe entweder den Namen oder wenigſtens den Stand, vielleicht auch gar nur das Geſchlecht; denn auch Dichterinen ſinden wir, und nicht blos bei lyriſchen Gedichten, angegeben:
Wer iſt's, der uns dieß Liedchen ſang, So frei iſt es geſungen; Das haben gethau drei Jungfräulein.
Zu Wien in Oeſterreiche. Sonſt aber heißt es z. B.:
Wer hat ſich, wer hat ſich Das Liedchen auserdacht? Das hat gethan ein Schreiber, Der liebt die jungen Weiber, Er liebt, er liebt
Die Jungſern noch diel mehr.
Oder, etwas komiſch:
Der das Ligdel hat. gemacht, Hat's LiewengerNacht! 7
Die meiſten Lieder ſind nicht von Edlen her ſtammend, ſondern von abenteuernden, übermüthig heiteren, oft freigeiſteriſchen jungen Männern der niederen Stände. Arme Bettler, flotte Reiter, Landsknechte und Wegelagerer, Jäger und Hand werksburſchen, Bettelmönche und fahrende Schüler, alles Leute, bei denen Alles Leben, Alles Lebendig keit und Sinnlichkeit war, vie in aller Fremde herumfuhren, nirgends zu Hauſe waren, leine Ruhe und leine Raſt in ihrer Seele hatten und aus Erwerbſucht, Kriegsluſt oder Wißbegierde in dieſer raſtloſeſten Unſtetigkeit oft ihr ganzes Leben blie⸗ ben wie hätten ſie dieſen ihren Charakter nicht auch auf ihre Dichtungen übertragen, wie hätten ſie dem, der derbſten Wirklichkeit Entſprungenen nicht auch die grelle Farbe der Wieklichkeit verlei hen ſollen? Daß ſich aber dennoch ſo viel Zierli ches und Gewandtes im Styl zeigte, iſt vor allem dem Einfluſſe des Minnegeſanges, daß ſich ſo viel unvergleichliche Zartheit und Reinheit, ſo wahrhafte Poeſie’ behauptete, dem Charakter des deutſchen Volkes zuzuſchreiben, jenes Volkes, das, wie es überhaupt eine hohe Poeſie in allen Verhältniſſen. offenbart, ſo beſonders in der Liebe immer die ideale Seite hervorkehrt.
(Schluß ſolgt.)


