118 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
tiges Objekt ih⸗ rer Aufmerkſam⸗ keit, Vielen wird er ſogar zur Co⸗ pula für's ganze Leben.
Als Eigen⸗ ſchaftswort be⸗ trachtet gehört der Faſching in die Klaſſe der unre⸗ gelmäßigen Steigerung— aller Ausgaben. In dieſer Rückſicht wird er auch als ein nicht unbedeu⸗ tendes
Zahlwort angeſehen. Er iſt weniger Ord⸗ nungszahl, als Grundzahl, da er mehr Grund. zum Zahlen gibt, als Ordnung in's Zahlen bringt.
An allen Straßenecken tritt der Faſching in ſeinen Affichen als anzeigendes Fürwort auf; perſönlich wird er auf dem Tanzboden, inſofern er hier Gelegenheit gibt, manche Herzensangelegen⸗ heiten perſönlich zu befürworten, worauf ſich dann aus dem Verhältniſſe äußerer Bezie⸗ hung entweder eine innige Zueignung ergibt, oder in Folge von Aſchermittwoch⸗Reflexionen ein trauriges Reflexiv ſich bildet.
Der Faſching als Zeitwort bringt den al⸗ ten, wohl ſchon im Paradieſe üblichen Numerus des Duals in Uebung. Wenn er in der gegen⸗ wärtigen Zeit ſteht, iſt er in thätiger, ſo⸗ bald er aber vergangen, in leidender Form. In der Faſchingszeit macht manches Mädchen die vier Konjugationen der alten lateiniſchen Schul⸗ grammatik, nur in umgekehrter Ordnung durch: audio— ſie hört die zärtlichen Betheuerungen ihres Tänzers an; lego— ſie lieſt dieſelben Tags darauf in einem zierlichen Billet- doux; doceo— und äußerſt gelehrig konjugirt ſie in Kurzem: amo— ich liebe, du liebſt, er liebt, wir lieben dc.
Die Nebenwörter des Faſchings, auch Umſtandswörter genannt, bilden die Garde⸗ damen. Man kann ſie auch als
Vorwörter betrachten, welche die Aufgabe haben, die Verhältniſſe der ihnen beigeſellten Hauptwörter in Sicht zu halten.
Ueber den Faſching als Bindewort und Empfindungswort bedarf es keiner weiteren philologiſchen Erklärung.
Ein mythologiſches Bild.
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Der Schönſten 6
Ein Flötiſt, Dilettant von Ge⸗ burt, hatte in Leip⸗ zig vor mehreren Jahren eine Woh⸗ nung über derje⸗ nigen von Herloß⸗ ſohn bezogen und blies hier in ſei⸗ nen Mußeſtunden unabänderlich das zarte Lied:„Nach Sevilla!“ auf der Flöte. Voll Ver⸗ zweiflung ſchrieb
der gequälte Schriftſteller dem Hausgenoſſen ei⸗ nes Tages:„Ich bin von Ihrer Sehnſucht nach Sevilla aufs Tief⸗ ſte gerührt und mache Ihnen den Vorſchlag, im Fall Sie die Reiſe antreten wollen, die erſte Station bis Lützen zu bezahlen.“
In einer guten deutſchen Stadt ſollte die Gasbeleuchtung eingeführt werden; der Herr Bür⸗ germeiſter ließ daher die Mitglieder der ehrſamen Spenglerzunft zuſammen kommen und fragte, um welchen Preis ſie die Laternen liefern würden. Der begehrte Preis ſchien dem Herrn Bürgermeiſter viel zu hoch und er ſchrieb deßhalb nach Berlin. Das Gebot, das von dorther kam, war freilich um ein gutes Drittel wohlfeiler als das der in der Stadt angeſeſſenen Spengler. Das Stadtoberhaupt rief ſie demnach wieder zuſammen und legte ihnen den Berliner Laternenpreis mit dem Bemerken vor, daß, wenn ſie den Preis nicht eben ſo niedrig ſtel⸗ len könnten, er die Laternen von Berlin beziehen müßte; worauf ein Meiſterlein die Devotion ſo weit aus den Augen ſetzte, daß er in die Worte ausbrach:„Wenn wir früher gewußt hätten, daß man in Berlin alles ſo billig liefert, ſo hätten wir unſern Herrn Bürgermeiſter auch von dorther bezo⸗ gen, der wäre uns dann auch wohlfeiler gekommen.“
Ein Geck wollte einen Juden, der bankerott geworden war, hänſeln und ſagte daher zu ihm: „Amſchel, ich wollt', ich hätt' Euer Geld.“„Und ich,“ replizirte der Jude,„ich wollt', ich hätt' Euren Verſtand, dann hätten wir Beide— Nichts.“


