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Der Faſching als Redetheil. 117
E
Ein ſchmelzend Liebesliedchen reimen?— Einſt war's mein eifrigſtes Geſchäft;
Allein jetzt nenn' ich's— Zeitverſäumen
Seit Prutzens neuem Liederheft..
Jüngſt wollte ich den Holden ſpielen
Und kalt auf Kuß und Liebe ſchmäh'n,
Da ſprach man laut:„Er muß nicht fühlen, Er muß den Redwitz ſchlecht verſteh'n.“
Dieß kränkte mich, und Todtenlieder Und Grabgedanken weinte ich;
Da höhnte man auf's Neue wieder: „Er dichtet ja ganz kernerlich!“
Dieß ſchuf Erbitterung— Satyren Goß ich auf alle Menſchheit aus; Da drohte man mit Konfisziren,
Mir ſelbſt ach! mit dem Narrenhaus.
Natur wird viel von mir beſungen, In welcher Form ſie auch uns lacht; Das bracht' ich den„Erinnerungen“, Die es bis heut' noch nicht gebracht.
Auch Scherzgedichte wollt' ich ſpenden, Für Hochzeit und Gevatterſchmaus;
Da ſprachen trock'ne Rezenſenten
Nur ſchweigend ſich darüber aus.
Dann ſang ich Sagen und Balladen, Romanzen, wie's nur Vogel kann;
Da ſprach ein Freund:„Kind, laß Dir rathen
Und ſchaff' ein Orgelwerk Dir an.“
D'rauf folgte ich im Dramenweſen Der neu'ſten Dramendichter Spur; Doch, als Verleger es geleſen,
So riefen ſie:„Ach— Maklatur!“
Was ich auch immer wollte ſchreiben,
Ich nährte nur die Tadelſucht;
So mag es denn beim Alten bleiben, Ich nehm' zur Dreiſtigkeit die Flucht.
Und will demnach nicht lange wählen;— Als einen Stoff, für Alle recht,
Daß ſich kein Tadler braucht zu quälen,
Beſing' ich meinen— Stiefelknecht!
Mein Stiefelknecht verdient vor Allem Ein ſchöngereimtes Lobgedicht;
Ob es nun Jedem wird gefallen,
Dieß darf mich kümmern freilich nicht.
Mein Stiefelknecht muß mich bedienen Bei Tag und Nacht auch ohne Sold; Macht doch deßhalb nicht ſau're Mienen Und hat darum noch nie geſchmollt.—
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Nicht blos allein zum Stiefelhalten Iſt er in meinem Haus verdammt, Nein, Vieles noch muß er verwalten Und weit umfaſſend iſt ſein Amt.
Was keine Waffe kann verrichten, Wenn ſich ein Dieb im Hauſe regt, Läßt ſich auf leichte Art wohl ſchlichten Allein mit meinem Stiefelknecht.
Hab' ich, um Grillen zu verlieren, Mich auf mein Kanapee gelegt,
Dann muß mein Pudel apportiren Und tanzen mit dem Stiefelknecht.
Hab' ich bei einem Trinkgelage
Ein Mal etwas zu viel gezecht,
Find' ich zu Haus die Weiberplage,
Doch auch dafür— den Stiefelknecht.
Sollt' ich ein Heer Philiſter ſchlagen Wie Simſon einſt, wär' mir zu ſchlecht Ein Eſelskinn— um ſie zu jagen, Da nähm' ich meinen Stiefelknecht.
Und ſtirbt dereinſt der Schuſter Schwätze, Ein Biedermann, gar ſchlicht und recht, So wünſche ich, daß man ihm ſetze
Als Denkmal einen Stiefelknecht.
Auf dieſem ſei in Gold zu leſen: „Hier ruht Hans Schwätze, ein Poet, Der ſonderlich ein Freund geweſen Des Genre und der Realität.“
Der Stiefelknecht repräſentiret
Die Praxis und die Poeſei;
Er iſt der Lyra gleich formiret, Und doch den niedern Dienſten treu.
Wer will es mir demnach verargen, Wenn ich die Stiefelknechte ehr'?
Warum ſoll ich mit Verſen kargen:
Was gern geſchieht, das fällt nicht ſchwer.
Der Faſching als Redetheil.
Mas der Faſching ein Hauptwort iſt, wird S jedes Mädchen anzugeben wiſſen, wenn es übri⸗
gens auch noch ſo wenig mit der Grammatik auf befreundetem Fuße ſteht. Der Faſching iſt ein Hauptwort ſämmtlicher Geſchlechter, denn man ſagt: der Faſching, die Faſtnacht und wie die Grammatiker wollen, das Carnevale.
Moraliſten halten den Faſching für ein leich⸗ tes Subjekt, Anderen hingegen iſt er ein wich⸗


