Heft 
(1859) 4 04
Seite
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114 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

K. ſpöttiſch.

Du läßt mich ja gar nicht erzählen!

Nun, ſo erzähle nur.

Freund, ſie war ſo ſchlank, ſo leichtfüßig, ſie ſchwebte nur wie eine Fee! rief W. enthuſiaſtiſch aus.

Nun, und iſt das alles?

Ja.

Sonſt gar nichts mehr?

Nein.

Woher weißt Du denn alſo, daß ſie Ber⸗ tha hieß?

Ach, ich nannte ſie nur ſo, weil der Name mir gefällt.

Sooo!

Freund, ich habe ein Gedicht auf ſie gemacht, höre mich an! W. deklamirte ſehr getragen:

Verhüllt vom Mondenlicht und weißem Nachtgewande, Schwebt leicht ſie hin durch dunkle Wildparksgänge.

Du, laß das auf ein andermal! unterbrach ihn K. Du haſt recht, ich muß fort! Bedanken gehe ich mich erſt morgen. Angezogen bin ich ſchon, jetzt brauche ich nur noch etwas; leihe mir Deine Ter⸗ zerollen!

Meine Terzerollen? was willſt Du denn mit denen? fragte erſtaunt K.

Glaubſt Du, ich ſolle mich blind in ſolch' ein Abenteuer ſtürzen? Du biſt mein Hintermann und rechneſt wohl auf meine Stelle! Kann nicht ein eifer⸗ ſüchtiger Gatte oder ein blutdürſtiger Vater....?

Ach, Ritter Kuno, Du biſt unverbeſſerlich! lachte K.

Lache meinetwegen, aber gib mir die Ter⸗ zerollen!

Na, mir iſt's recht; komm zu mir hinüber.

W. ging mit K. in deſſen Zimmer, nahm die Fauſtrohre in Empfang, lud ſie bis an die Mündung mit Kugeln, Schrotten und Nägeln und verſenkte ſie in ſeine Taſchen. Gl

ück auf! rief K.

W. ſchlug len Badeplatze ein; mtantiſchen Feldweg entlang, kletterte ce, wo der Hügel war, über die Parkmauer und ſchlenderte unbefangen, als wenn er mit vollem Rechte beim Hauptthore hereingekommen wäre, durch die dunkeln Gänge. Er promenirte ſchon eine Viertelſtunde nach Zallen Richtungen, als er es plötzlich bei einer Bie⸗ ec. gung des Weges weiß ſchimmern ſah. eee Sie war es Bertha war es. Er hatte ſie ſich kaum ſo ſchön vorgeſtellt. Da ſaß e ſie, reizend hingegoſſen auf eine Raſenbank, den Strohhut neben ſich, unter einer rieſigen Linde

ackund las. 7 Sie las! ach ſie las! und das mußten

Nicht ſehr ſchmeichelhaft für Dich! bemerkte Gedichte ſein. Der grüne Einband, der Goldſchnitt,

das rothe Einlegeband das alles verrieth Gedichte.

Sie las mit Entzücken, ſie ſeufzte, ſie ließ das Buch in ihren Schoß ſinken und ſchlug ſchmachtend das....

Ach! ſchrie eine liebliche Mädchenſtimme. Bertha hatte den unbekannten Offizier geſehen und erhob ſich um zu entfliehen, aber der Schrecken lähmte ihre Füßchen und ſie ſank wieder auf die Raſenbank zurück.

O bleiben Sie! ſprach W. bittend, indem er vortrat.O bleiben Sie, ſchon einmal flohen Sie vor mir!

Mein Gott! ſeufzte das Mädchen noch im⸗ mer vor Schrecken außer ſich.

Beruhigen Sie ſich, mein Fräulein! Nichts Arges habe ich im Sinne. Der Schönheit Glanz zieht mich zu Ihren Füßen! deklamirte W.

Der Schönheit Glanz! welches Damen⸗ herz würde ſich dabei nicht beruhigen? und dieſe Wirkung empfand auch unſere Heldin. Sie blickte aber noch ganz ſcheu auf den Fremden, der ihr doch nicht ſo ganz wie ein Räuber erſcheinen mochte, denn ein leichtes Lächeln glimmte in ihren blauen Augen.

Ach, reizende Daphne, warum wollten Sie entfliehen? Habe ich denn ſo Fürchterliches an mir? fragte W.

Nein, das gerade nicht, antwortete dierei⸗ zende Daphne verlegen,aber wie kommen Sie denn in den Park?.

Auf der Liebe leichtbeſchwingten Flügeln! deklamirte W. wieder.

Eine Purpurfluth wogte über Stirn, Wan⸗ gen und Nacken des liebenswürdigen Mädchens. Ach, ſie hatte ſchon ſo lange von Liebe geträumt! Die Dichter, die Romane malten ſie ihr ſo ſchön, ſo verführeriſch! Wie herrlich mußte es nicht ſein, ſo Zärtliches aus dem Munde eines Jünglings zu hören, ſo feurig von einem Auge angeblickt zu wer⸗ den, von dem ſchon Phidile ſang:

Sein Auge, himmelblau und klar, Schien freundlich was zu flehen,

So blau und freundlich als das war, Hab' ich noch kein's geſehen!

Und jetzt war das alles ſo, wie ſie es geträumt hatte. Der Jüngling ſtand vor ihr, flachsblond und bittend und ſah ſie an, ſo feurig und waſſer⸗ blau, daß ihr ganz warm um's kleine Herz wurde und ſie auf das Unzukömmliche und Außerordent⸗ liche der Situation ganz vergaß.

Sie leſen? begann W. wieder,Sie lieben die Dichter?.

Ja, verſetzte ſie ſchüchtern.

So wie ich ſie liebe, die Sänger, die uns unſere geheimſten Gefühle ablauſchen und ſie uns erſt recht klar werden laſſen.

Es iſt Redwitz, ſagte ſie zaudernd.

V