Robert Byr: Ritter Kuno.
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deinigen, kannſt mir bei der Gelegenheit auch gleich eine geben.“
Beide brannten ſich an einem mühſam hinter einer Kommode aufgetriebenen Zündhölzchen die Zi⸗ garren an, K. warf ſich der Länge nach auß's krei⸗ ſchende Bett und Ritter Kuno begann wieder ſei⸗ nen Spaziergang von Winkel zu Winkel.
„Alſo Deine Pläne?“ hob K. wieder an.
„O alles großartig! ich kann es nicht vertra⸗ gen zu knickern im Kleinen, während man auf der andern Seite glänzen will!“ antwortete W. und blies ſtolz eine bläuliche Rauchwolke an der Naſe vorbei gerade himmelwärts.
„Da haſt Du recht, ich denke auch ſo.“
„Ich wäre bis auf's Kleinſte bedacht,“ ſetzte Ritter Kuno fort,„die Gamaſchenknöpfe der Die⸗ ner ſelbſt müßten aus gediegenem Golde ſein.— Die Speiſen würden bei mir nicht aufgetragen, ſondern ſie höben ſich durch eigene Flaſchenzüge aus der Küche in kleinen ſilbernen Wägelchen, die dann auf einer niedlichen Bahn von goldenen Schie⸗ nen an den Gäſten vorbei bis auf ihren Platz auf der Tafel rollten.— Einrichten würde ich mein Haus überhaupt großartig. Zwanzig Diener müß⸗ ten bei Tag und zehn bei Nacht bereit ſein, auf das leiſeſte Glockenzeichen in das Zimmer zu ſtürzen.— Ich ſage Dir, Freund, ich verſtände es
zu leben. Zum Beiſpiel ich will nach Paris reiſen,
ich reiſe aber nicht gerne, was mache ich?— Ich gebe ganz einfach meinem oberſten Kammerdiener den Befehl:„Morgen nach Paris, um acht Uhr Früh Dienſtag mich aufwecken!“— dann nähme ich einen Schlaftrunk und legte mich zu Bette. Mein Haus hat keine Stiegen, ſondern Senk⸗ und Hebemaſchinen. Zur beſtimmten Stunde läßt mich mein oberſter Kammerdiener ſammt dem Bette auf die Verſenkung rollen, das Bett ſenkt ſich, unten erwartet mich mit geöffnetem Dache ein Waggon aus meiner Remiſe, an dem eine Lokomotive mit ſich ſelbſt legenden Schienen— neueſter engliſcher Erfindung— angeſpannt iſt; dieſe ſchleppt mich auf den nächſten Bahnhof, ein Separatzug entführt mich nach Paris, die Lokomotive mit mitreiſenden Schienen führt mich in mein Hotel, wo ich wieder gehoben werde und Dienſtag um acht Uhr von meinem oberſten Kammerdiener geweckt, die Augen in meinem Pariſer Schlafgemache aufſchlage.“ „Freund, Du haſt eine mützelburgiſche Phan⸗ taſie! Du biſt ein Mann der kühnſten Illuſionen und alhambraartiger Luftſchlöſſer!“ rief K., der bis jett halb lächelnd, halb verwundert zugehört hatte. „Sage lieber, der Pläne!“ erwiederte W., der ſich dabei ſelbſtzufrieden durch die Haare ſtrich.
„Ja, Pläne ſind das ſchon, aber keine wie
die Million zu bekommen iſt, ſondern wie ſie mit mancher Schweſter durchgebracht werden könnte. Ich dachte, Du habeſt eine Idee, wie reich zu werden!“
„Das kann nicht ausbleiben, ich habe Dir ja ſchon geſagt, ich bin dazu geboren.“
Erinnerungen. 1859.
„Du machſt Dir Illuſionen!“ „Ohne Illuſionen wäre das Leben auch zu traurig!“ meinte Ritter Kuno.
„Da bin ich ganz der entgegengeſetzten An⸗ ſicht; denn ſo lange man nach Illuſoriſchem ſtrebt, ſind die Enttäuſchungen nur natürlich und jede Illuſion geht mit einem Schmerz verloren, den man ſich erſparen kann, wenn man ſich alle mög⸗ liche Mühe gibt, ſelbſt die Iluſionen abzuſchüt⸗ teln. Man wird dann vielleicht vieles ſchlechter ſe⸗ hen, aber man iſt auch keiner bittern Enttäuſchung ausgeſetzt. Man wird das Reelle ſuchen und im Reellen endlich auch ein dauerndes Glück finden.“
„Ah was, Dichter müſſen Illuſionen haben, und ich bin Dichter!“ verſetzte Riter Kuno.
„Weit gefehlt! Phantaſie iſt nöthig, aber Jl⸗ luſion iſt eine Zugabe, die ſich die Dichter ſelbſt aufdisputiren.“
„Nun, das iſt alles eins. Du biſt Humoriſt, Du greifſt deßhalb die Illuſionen an. Ich aber lebe in der Illuſion, daß es gleich fünf Uhr ſchla⸗ gen wird und meine Befreiungsſtunde da iſt.“
„Darin,“ erwiederte K.,„täuſcheſt Du Dich auch nicht, es war alſo keine Illuſion.“
„Dann muß ich ſogleich fort!“
„Wohin?“
„Zu ihr!“
„Zu ihr? zu ihr?“ fragte erſtaunt K.
„Nun ja, zu Bertha!“
„Ja, wer iſt denn dieſe Bertha?“ und K. erſtaunte immer mehr.
„Ja weißt Du das nicht?“
„Woher denn?“
„Nun ſo höre!“ begann W. feierlich.„Als ich letzthin meiner Elſe, meiner Muzi wollt' ich ſagen, nachgelaufen war und den Rückweg ſuchte, da kam ich auf einen Feldweg, den ich noch nie betreten hatte. Der Weg führte auf einem Damme dahin, der gegen die Ueberſchwemmungen gebaut ſein mochte. Rechts vom Wege zog ſich ein Park voll alter Bäume dahin, der durch eine Mauer
von de gß war. Da ſie aber in der Tiefe ahedusmgüber ſie in de ehe hwaree anz alße 4 vor Zorn über meine luugezogene Muzi— nun, jetzt kann ſie ein anderer erziehen!— der Mond
ſchien ſo hell und klar vom Himmel....“ „Nur nicht poetiſch werden!“ unterbrach ihn K. „Da erblickte ich,“ ſetzte W. fort,„eine weiße Geſtalt auf einem Hügel in der Ecke der Park⸗ mauer, die träumeriſch auf einer Bank ſaß.“ Die Parkmauer?“ „Ach! die Geſtalt! und in den Mond ſah.“ „Alſo eine Mondſüchtige!“ unterbrach K. „Höre doch auf, Spötter!“ verſetzte W.„Ich konnte ihr Antlitz nicht ſehen, denn ganz geräuſch⸗
los konnte ich mich doch nicht nähern, und als ſie meiner anſichtig wurde, floh ſie wie ein derſcheuch⸗ tes Reh.“.
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