Heft 
(1859) 4 04
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würde, als es ſelbſt dahin Leute ausſendete, und die Gegenpartei, Adel und Prieſter, konnten nichts mehr thun, als erzählen, wie die Säulen der Land⸗ meſſer durch Wölfe umgeſtürzt wurden, ohne daß dieſes Prodigium etwas half.

Auguſtus ſendete 3000 Familien dahin ab. Bald wurde dieſe Stadt ſo puniſch, daß ſelbſt ihr römiſcher Name Junonia verloren ging; ſie wuchs zur erſten Stadt Nordafrika's und wurde durch eine Jronie der Weltgeſchichte einmal die Haupſtadt des römiſchen Reiches! Auch nach der Zerſtörung (697 nach Chr.) durch die Araber verödete ſie nicht ſogleich, denn noch 1270 er⸗ wähnt Wilhelm von Nangis hier eines Dorfes. Dieſes zweite Carthago iſt es zumeiſt, deſſen Trümmer man noch vorfindet,

Die Ruinen Caxthago's.

111 wig, der nach der arabiſchen Tradition auf dem Todbette(13. Auguſt 1270) ſich zum Islam be⸗ kehrte. Der ſüdliche Hügelzug zeigt blos wüſte Steinmaſſen mit Zwergpalmen, Färberflechten(Roc- cela) und Sedum azureum bewachſen. In dem Rohr am Meere hauſen wilde Eber, und ſtolziren Flamingos auf und ab. Für puniſch hält man blos zwei Reſte, die Ciſternen und die erſte Anlage der Byrſa und des Hafens.

Das geſchichtliche Centrum der Stadt war die Byrſa, die Akropolis am Südweſtabhang des Hügels nicht fern vom Meere, ein Hügel, dem wohl Menſchen⸗ hände ſeine re⸗ gelmäßig vier⸗ eckige Geſtalt gaben.

Alle Reiſen⸗ den ſchildern die Ausſicht von dieſem Hügel als unendlich

von erſten kann wohl gelten was der Dichter ſagt: Jamjam pe- riere ruinae.

Zwiſchen dem Golf vom Tu⸗ nis des Mittel⸗ meeres öſtlich, dem Strandſee von Tunis ſüd⸗ lich und dem Strandſee von Sakkora(dem ehemaligen Golf von Utika) nörd⸗

traurig, das Meer mit der Inſel Zowamur, die weißen Kalk⸗ felſen des Cap Addar, die nack⸗ ten Gebirge bis über dem wei⸗ ßen Tunis, die kahlen Salzſtep⸗ pen umher, die nur um das Dorf Ariana, das ſeiner Ro⸗ ſen halber be⸗ rühmt iſt und

lich, liegt eine in einem Oli⸗ etwa drei Q. venwald liegt, Lieues große etwas Grünes Halbinſel, die darbietet, bis im ſchmälſten zum fernen Dze⸗ weſtlichen Theile bel Zaghwan nur drei tauſend Carthagiſcher Tempel.(4133 hoch) Schritte breit etwa ſo wie zur

wird. Dieſer weſtliche Theil iſt Sanddüne, der

öſtliche ein Hügel.

Die alte puniſche Stadt nahm den größern öſtlicheren Theil dieſer Halbinſel ein, die römiſche nur die Nordoſtecke des Hügels. Den größern Theil dieſer Halbinſel, die Niederung, wie den nördlichen Hügelzug decken jetzt Gärten voll Oliven⸗, Feigen⸗ und Johannisbrodbäumen. Dazwiſchen liegen einige elende Dörfer, einige Landhäuſer, das Fort Dzedid (das neue) und eine Batterie am Meere, ein Leucht⸗ thurm und zwei Gräber, beide desſelben Mannes, hier verehrt als muſelmänniſcher Herliger Lidi busaid bekri, dort als chriſtlicher Heiliger Lud⸗

Zeit, als Marius ſich hier verbarg. Wie ſchön mußte dieſer Hügel zur puniſchen Zeit ſein, als vom Markte drei treppenartige ge⸗ pflaſterte, 1500 lange ſchmale Gaſſen(die Römer überſetzten auf Brettern von einem Dache zum an dern) ſechsſtöckiger Häuſer hinanführten, drei Mau⸗ ern ihn umgaben und 60 Stufen zum goldglän⸗ zenden Tempel des Eſchmun führten, des Himmels⸗ gottes und Beſchützers von Carthago, dem Staats⸗ ſchatz und Sitz des geheimen Rathes, der fernhin leuchtend dem Meeresſchiffer die Welthandelsſtadt verkündete. Am ſchönſten mußte er aber ſein im letzten Todeskampf Carthago's, als Seipio's Sol⸗