Heft 
(1859) 4 04
Seite
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108 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

groß, und wie klein iſt ſie gegen die Sonne, denn die Maſſe unſerer Erde beträgt 2656 Millionen Kubikmeilen. Die Geſammtmaſſe der Sonne iſt dem⸗ nach 1,317,771 Mal größer als die unſerer Erde. Wir ſind nicht im Stande, uns eine ſolche gewal⸗ tige Maſſe vorzuſtellen und doch iſt die Sonne unter den ſelbſtleuchtenden Weltkörpern, alſo unter den Fixkörpern, einer der kleinſten. Ja in einer dreißig Mal geringeren Entfernung, als wir den Abſtand des Sirius von der Sonne vermuthen, würde dieſe für unſer Auge nicht mehr ſichtbar ſein, weil ſie zu klein iſt, um in ſolcher Weite noch bemerkbar zu ſein.

Nach allen Beobachtungen der Aſtronomen iſt die Sonne ein völlig runder Körper und nicht wie unſere Erde an den Polen abgeplattet.

Die Entfernung der Sonne von unſerer Erde beträgt 20,682,000 Meilen, ſie iſt alſo mehr als 400 Mal weiter als der Mond von der Erde ent⸗ fernt. Dieſen ganzen ungeheuren Raum durchlaufen die Sonnenſtrahlen in 8 Minuten und 17 Sekun⸗ den. Nach Wollaſton's Berechnung und Meſ⸗ ſung iſt die Sonne 801,073 Mal lichtſtärker als der Vollmond und außer Merkur und Venus wird unſere Erde am meiſten vor allen Planeten dadurch erhellt und erwärmt.

Ehe wir auf das Sonnenlicht ſelbſt eingehen, wollen wir die Sonne ſelbſt genauer betrachten. Man hat lange geglaubt, daß die Sonne ein großes gewaltiges Feuer ſei, welches Licht und Wärme zu⸗ gleich entſende. Jetzt iſt man von dieſer Vermuthung längſt zurückgekommen; denn welchen Brennſtoff müßte ein ſolches unermeßliches Feuer haben und man hat ſeit Jahrtauſenden nicht die geringſte Abnahme des⸗ ſelben bemerkt. Jetzt ſteht die Annahme feſt, daß die Sonne mit ihren Planeten ziemlich von der⸗ ſelben Beſchaffenheit iſt.

Auch ſie iſt ein feſter Körper, der ſich in 25 Tagen, 8 Stunden und 9 Minuten einmal um ſeine Achſe dreht. Nehmen wir ein gutes, mit einem dunklen Blendglaſe verſehenes Fernrohr zur Hand, ſo erſcheint uns die Sonne als eine weiß⸗ liche runde Scheibe, die mit mattgrauen Pünktchen und einigen Flecken beſäet iſt, welche inmitten ſchwarz erſcheinen und von einem grauen Nebel an den Rändern umgeben ſind. Zwiſchen ihnen ſchimmern unſerem Auge Lichtadern entgegen, welche Sonnenfackeln genannt werden und heller ſind als die übrigen Theile der Sonnenfläche. Jene mit Nebel umgebenen Flecken verändern ihre Geſtalt und verſchwinden endlich ganz. Dieſe Flecken ſind oft ſo groß, daß ſie ſich über den vierten, ja dritten Theil des Sonnendurchmeſſers erſtrecken und alſo 50 bis 60.000 Meilen lang ſein müſſen. Sie verändern ſich faſt täglich. Zuweilen erſcheint die ganze Sonnenſcheibe fleckenfrei und es hat Jahre gegeben, in denen aufmerkſame Beobachter nicht einen einzigen Flecken bemerkt haben. In andern Jahren hingegen ſind ſie wieder ſehr häufig.

Die Aſtronomen ſind über die Urſachen, wo⸗ durch dieſe Sonnenflecken hervorgerufen werden, noch nicht völlig einig. Am meiſten hat Herſchel's An ſicht für ſich. Nach ihm iſt, was die meiſten Neueren beſtätigt haben, der Sonnenkörper ſelbſt dunkel, aber von zwei Lichtſphären(Photoſphären), einer helle⸗ ren äußeren und einer weniger hellen innern um⸗ geben. Sobald nun beide Lichtſphären durch irgend eine Urſache zerriſſen oder getheilt werden, wird der dunkle Sonnenkörper ſichtbar und es erſcheinen die dunklen Flecken in der Sonnenſcheibe.

Die beiden Lichtſphären ſind nämlich der Herd, von welchem das Licht und die Wärme ebenſo wie die elektriſchen galvaniſchen Kräfte ausgehen. Auf welche Weiſe ſie dort bereitet werden, wird dem Menſchen ewig ein Geheimniß bleiben, denn: Ins Inn're der Natur ſchaut kein erſchaff'ner Geiſt. Angenommen wird, daß die Sonne, wie alle ſelbſtleuchtenden Weltkörper, den Lichtſtoff aus dem ungeheuren Weltenraum empfängt.

Nach den mühevollen und ſorgfältigen Unter⸗ ſuchungen der beiden Aſtronomen W. Herſchel und Schröter iſt der Sonnenkörpern von ziemlich gleicher Beſchaffenheit wie die Planeten. Auch die Sonne umgibt eine Atmoſphäre, in der ſich Wolken bilden und über die Sonne hinziehen, wie Erden⸗ wolken an trüben Tagen. Auch auf der Sonne gibt es Bergketten und Bergſpitzen, tiefe Krater und Thäler. Ob aber auch dieſe Thäler grünen, ob auch an dieſen Bergabhängen Blumen blühen und duften, ob auf jenen unermeßlich weiten Flu⸗ ren, welche der Sonnenkörper darbietet, ähnliche Freuden und Leiden wohnen, wie ſie hier auf Er⸗ den die Menſchenbruſt erfüllen?

Wer weiß es? Wer kann es behaupten, wer läugnen! Grünt und blüht es auch auf der Sonne, rauſcht auch dort der Wind durch die Wipfel hoher Bäume, gibt es auch auf ihr lebende Weſen und mit Bewußtſein ſchlagende Herzen, ſo wiſſen wir zum wenigſten, daß ſie anders organiſirt ſein müſ⸗ ſen als wir, anders als unſere Thiere, unſere Bäume und Blumen, denn die Beſchaffenheit des Sonnenkörpers ſelbſt iſt eine andere als die unſe⸗ rer Erde. Aus der genau berechneten Attraktions⸗ kraft der Sonne, welche nur 355,499 Mal grö⸗ ßer iſt als die unſerer Erde, wiſſen wir, daß die Dichtigkeit des Sonnenkörpers die unſerer Erde nicht erreicht. Sie iſt nur ungefähr ¼ ſo dicht als unſere Erde und hat ziemlich die Dichtigkeit unſeres Ebenholzes und unſerer Braunkohle. Hier⸗ aus folgt, daß die Schwerkraft an der Oberfläche der Sonne faſt 29 Mal größer iſt als an der Ober⸗ fläche der Erde. Ein Körper, der bei uns 4 Pfund wiegt, würde nach unſerem Gewichte auf der Sonne mehr als ein Zentner ſchwer ſein und ein Stein, der bei uns in der erſten Sekunde 15 Fuß fällt, würde auf der Sonne in derſelben Zeit 435 Fuß fallen.

Würden wir mit unſerem Körper auf die Sonne