Heft 
(1859) 4 04
Seite
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Mit kräftigen Ruderſchlägen flog das Boot die Themſe hinab an einen hohen Dreimaſter hin, der ſegelfertig auf dem Strome lag.

Wer ſchildert das Entzücken Matthew's, als er das Verdeck des Schiffes betrat und ihm hier ſein Weib, ſein unglückliches, gemißhandeltes Kind weinend und ſchluchzend um den Hals fielen. Er hob das arme, mißhandelte Kind, welches ihn nun nicht mehr mit dem ſüßen Vaternamen begrüßen konnte, voll tiefer Wehmuth zu ſich empor und küßte es.

Unmittelbar nachdem die beiden Flüchtlinge das Schiff betreten hatten, wurden die Anker auf⸗ gewunden und ehe noch die Strahlen der aufgehen⸗ den Morgenſonne ſiegreich die auf dem Strome gelagerten Nebel verſcheucht hatten, war das Schiff außer Verfolgung.

Ein reicher Menſchenfreund, welcher die Ge⸗ ſchichte des unglücklichen Vaters erzählen gehört, hatte den Schließer beſtochen und ihn zur Flucht mit dem bereits Verurtheilten bewogen. Er hatte für den Schließer wie für Matthew und ſeine Familie die Ueberfahrt nach Kanada bezahlt und dort für ihr Unterkommen geſorgt.

Sie lebten dort unter fremdem Namen und das Glück begünſtigte ihre Unternehmungen. Ihre Ehe wurde durch noch einen Sohn und eine Toch⸗ ter geſegnet, des Vaters und der Mutter Ehenbild und auch ihr älteſter Sohn erwarb ſich durch ketche Geiſtesgaben viele Freunde und Gönner.

Am Morgen nach der Flucht Matthew's erlitten Andrew und ſeine Genoſſen den Tod durch Henkershand.

Die Sonne, Von Ir. Friedrich.

die Sonne über uns am blauen weiten 4 Himmelsdome. Unſerem Auge erſcheint ſie Doals die Königin des Himmels und für , uns iſt ſie es auch. Vor ihren Strahlen verſchwinden alle übrigen Sterne am Him⸗ mel, ſie verbreitet Tag über die Erde und ihre Strahlen erwärmen und beleben die Fluren und Geſilde, daß ſie grünen und blühen. Sie iſt die Quelle alles Lichtes und aller Wärme, die Schöpferin alles Lebens, welches auf der Erde webt und waltet, denn ohne ſie würde unſere Erde im ewigen Eis erſtarrt, todt und öde ſein. Kein Leben wäre ohne die Sonne möglich. Der geringſte Grashalm be⸗ darf der Wärme und des Lichtes, welches die Sonne

Uenen erhaben und gewaltig erglänzt 1 2

ihm ſendet, das kleinſte Thier ſonnt und erwärmt ſich in ihren Strahlen.

Aus unerſchöpflichem Füllhorne gießt ſie ihre

Fr. Friedrich:

Die Sonne. 107

Wohlthaten auf uns aus und noch nie iſt es zu viel und zu wenig geweſen, wenn auch der Menſch oft dagegen gemurrt hat. Ja der Menſch! Er weiß ja nicht einmal, was ihm ſelbſt Noth thut und zum Beſten iſt, viel weniger vermag er zu begrei⸗ fen, wie viel oder wie wenig die Erde nöthig hat. Er hält ſein Auge ſtets auf den Kreis, in welchem er lebt, beſchränkt, darüber hinaus reicht ſein Blick ſelten, nur in ſeinen Wünſchen ſchreitet er fort bis zum Unmöglichen.

Kann es uns bei der unendlichen Wichtigkeit, welche die Sonne für unſere Erde und unſer ganzes Leben und Wohlſein hat, Wunder nehmen, wenn wilde Völker die Sonne als eine Gottheit anbeten? Täg⸗ lich ſehen ſie dieſelbe im Oſten aufgehen und über ihnen ſtehen, alles Gute und alles Leben ſehen ſie von ihr ausgehen oder doch durch ſie in's Le⸗ ben gerufen. Es iſt zu natürlich, daß ſie ihnen als die größte Macht erſcheint und daß ſie dieſelbe deßhalb als Gottheit verehren. Wir ſelbſt können uns zwar ein geiſtigeres, abſtrakteres Bild von der Gottheit machen, aber gewiß kein ſchöneres als die Sonne iſt.

Auch wir ſehen die Sonne täglich am öſtli chen Horizonte aufſteigen, auch für uns ſendet ſie Tag für Tag ihre Strahlen und hat noch nie einen Tag übergeſchlagen, und dennoch ſind ſo Viele, welche kaum eine Ahnung von ihrer Größe und Beſchaffenheit haben. Sie eſſen wohl das Brod, welches durch ſie gewachſen und gereift iſt, ſie er⸗ freuen ſich ſelbſt der wärmenden Sonnenſtrahlen, aber wie ſie ihren Blick meiſt auf die Erde gerichtet halten, ſo heben ſie auch ihren Geiſt nie zu etwas Höherem empor.

Wie eine Königin thront die Sonne am Him⸗ mel, umgeben von ihrem Hofſtaat, den Planeten. Sie ſteht im Mittelpunkte derſelben und alle Pla⸗ neten mit ihren Monden müſſen ihre Bahnen um ſie durchlaufen und ihr folgen auf der großen, bis jetzt noch unberechenbaren Bahn, welche die Sonne ſelbſt um eine große gewaltige Centralſonne zurück⸗ legt. Und die Sonne kann mit Recht dieſe Hul⸗ digung verlangen, iſt ihr Körper doch 738 Mal größer als alle Planeten zuſammen genommen. Wir können uns am beſten einen Begriff von ihrer Größe machen, wenn wir uns vorſtellen, daß ſie einen Raum einnimmt, der in der Länge die Weite des Mondes von der Erde viermal übertrifft. Ihr wahrer Durchmeſſer beträgt 192,736 Meilen, wäh⸗ rend der unſerer Erde nur 1718 Meilen lang iſt. Ihr Umfang iſt 605,490 Meilen und die Geſammt⸗ maſſe ihres Körpers beträgt mehr als 3500 Billi⸗ onen Kubikmeilen. Dächte man ſich das Innere der Sonne hohl, ſo würden darin 112 Erdkugeln in grader Linie Platz finden und die Erde mit der ganzen ſie umringenden Mondbahn könnte, ohne daß der freie Mondlauf behindert würde, in die Sonnenhohlkugel hineingeſtellt werden.

Uns erſcheint die Erde ſchon ſo unendlich

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