Heft 
(1859) 4 04
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. Emil Lichtappel: Der Falſchmünzer und ſein Kind. 105

Ein paar Jahre nach dem Zeitpunkt, wo un⸗ ſere Erzählung beginnt, verbreiteten ſich dumpfe Gerüchte durch London von dem Beſtehen einer

großen weitverbreiteten Falſchmünzerbande, welche mit ungewöhnlichem Geſchick gearbeitete falſche Mün⸗

zen in großer Menge in Umlauf ſetzte und vielfach ſelbſt Kenner getäuſcht hatte. Nur eine nähere Prü⸗ fung und eingehende Unterſuchung ließ die Falſifi⸗ kate, deren Gepräge untadelhaft erſchien, von den guten Münzen unterſcheiden. Es wurden große Belohnungen ausgelobt auf die Entdeckung jener Fälſcher, aber ohne Erfolg. Täglich liefen neue Klagen ein. Mit drakoniſcher Strenge verurtheilten die damaligen Geſetze Englands jeden auf der That ertappten und überführten Falſchmünzer zum Tode durch den Strang. Nur die Ausſicht auf großen

Gewinn konnte verlocken, dieß gefährliche Handwerk

zu ergreifen.

In dem Kellergewölbe eines weitläufigen Ge⸗ bäudes der vielen Vorſtädte Londons, welche jetzt ſchon längſt von der ihre Polypenarme immer wei⸗

ter erſtreckenden City verſchlungen iſt, waren vier Männer emſig beſchäftigt mit einer ſeltſamen Han-

tierung. Obgleich draußen noch lichter Tag war, war hier doch kein Fenſter, kein Spalt, durch wel⸗ chen ein neugieriger Strahl hätte eindringen kön⸗ nen, um jene Männer bei ihrer lichtſcheuen Arbeit zu belauſchen. Die Thür war mit mächtigen Eiſen⸗ riegeln verſehen und von zwei Lampen warf die eine ihr Licht auf einen Prägeſtock von freilich etwas plumper Form, an welchem zwei Männer

von wildem, abſtoßenden Aeußern rüſtig arbeiteten ſtig

und der helle Klang glänzender Münzen zeugte von dem guten Fortgang ihrer Arbeit. Im Vor⸗

dergrunde ſaß vor einem niedern Tiſche ein junger

bleicher Mann, emſig beſchäftigt, bei dem rothen Scheine eines ſchlechten Lämpchens die Inſchrift

irgend einer Münze in Stahl zu ſchneiden. Im Hintergrunde war der Vierte vor einem Feuerherde

mit dem Schmelzen von Metallen beſchäftigt. Er goß dieß jetzt aus dem mächtigen Tiegel

in bereitſtehende Formen und ſchickte ſich darauf

zum Fortgehen an. In dem Augenblick, als er die Thür öffnete, drängte ſich ein ungefähr ſechs Jahre alter blühender Knabe plötzlich an dem Ueberraſch⸗ ten vorüber, ſtutzte einen Augenblick und flog dann auf den an dem kleinen Tiſche emſig beſchäftigten Mann zu.

Hier bringe ich Dir Dein Frühſtück, das Du vergeſſen haſt, lieber Papa! rief er laut und fröh⸗ lich.Ei, was für ſchönes, blankes Geld! rief er, auf den glänzenden Haufen zueilend.

Wie kommſt Du hierher? rief erſchreckt der Vater, von ſeinem Tiſche aufſpringend, während die Anderen überraſcht ihre Arbeit ruhen ließen und mit finſteren Blicken den kecken kleinen Ein⸗ dringling maßen.

Ei, lieber Papa, ich habe ſchon öfter Dir

Erinnerungen, 1859.

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aufgepaßt, wenn Du des Morgens weggingeſt, und als die Mama heute Morgens erwähnte, daß Du Dein Frühſtück vergeſſen hätteſt, ſo ſagte ich zu ihr, daß ich es Dir wohl bringen könnte. Sie wollte erſt mich nicht allein gehen laſſen, aber ich hörte nicht auf zu bitten und da ließ ſie mich ge hen. Aber ich hätte Dich hier doch bald nicht ge⸗ funden; es war ſo dunkel, ſo öde hier, daß ich mich faſt fürchtete. Aber gib mir nun auch ein paar von den ſchönen blanken Dingern da.

Mach', daß Du wegkommſt, Charley, und ſage nicht, daß Du mich hier gefunden. Ich be⸗ fehle Dir ſtreng an, daß Du Niemandem, auch der Mama nichts von dem blanken Gelde ſagſt, ſonſt geht es Dir ſchlimm, ſagte Matthew, eine ſo ernſte und drohende Miene annehmend, wie ſie der Knabe noch nie von ſeinem gütigen Vater ge⸗ ſehen, während er ihn wieder zur Thür hinauslaſ⸗ ſen und zu Hauſe ſchicken wollte.

Der Knabe ſah den Vater halb verwundert, halb ängſtlich an. 3

Halt, Matthew, ſagten die drei andern Männer plötzlich, wie von einem Gedanken erfaßt, ſo geht das nicht. Der Junge wird plaudern und in wenig Tagen wird uns in Tyburne der Hals ſo lang geſtreckt werden, daß uns der Athem ausgeht. Der Junge muß ſterben, damit wir leben!

Mein einzig Kind ſterben?! rief Matthew erbleichend.Ihr ſeid wahnſinnig! Wehe dem, der dem Jungen auch nur ein Haar krümmt! Komm, Charley! Er riß den Knaben mit ſich fort und ging auf die Thür zu.

Elender Thor! donnerte Andrew,glaubſt Du, daß wir ſcherzen? Glaubſt Du, daß uns unſer Leben nicht lieber iſt, als daß wir uns der Gefahr ausſetzen wollten, von dem Jungen verrathen zu werden? Zurück!

Matthew drängte ſich vorwärts.

Zurück! brüllte Andrew nochmals und als Matthew dennoch vorwärts drängte, ſtreckte er ihn mit einem gewaltigen Fauſtſchlage zu Boden.

Als Matthew halb bewußtlos hinſank, ſtürzte der kleine Charley ſich ſchreiend über ihn hin.

In den beiden andern Männern ſchien eine menſchliche Regung zu erwachen.Laß es gut ſein, Andrew, laß ihn gehen mit ſeinem Kinde, wenn er verſpricht, darüber zu wachen und ihm ſtreng das Plaudern zu unterſagen.

In dieſem Augenblick fiel Andrew's Auge auf eine gewaltige Schere, welche an der Wand befeſtigt war. Ein anderer gräßlicher Gedanke be⸗ mächtigte ſich ſeiner bei dieſem Anblick.

Er riß das Kind empor mit einem Griff ſei⸗ ner mächtigen Fauſt, während er den Vater und

ſeine andern Spießgeſ

ten, mit der andern wild zurückſchleudert Das Geſchrei des Kindes wurde krampfhaft vann noch ein jäher Aufſchrei plötzlich wurde es ſtill. 7 144

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ellen, welche ihm wehren woll⸗