Ruin ſeiner Ehre und ſeiner Familie ſchändlicher Weiſe gethan haben!“
Szatmar ſchnellte empor.„Wer iſt es,“ ſchrie er,„der es wagt, ſolche Worte hier in mei⸗ nem Hauſe zu reden?“
„Ich wage es, Bube!“ entgegnete Ladis⸗ laus mit entſetzlich feſter, unheimlicher Stimme, und wie eine Eiſenſchraube faßte ſeine Hand Szat⸗ mar's Rechte—„ich wage es, Dich den feigen Mörder jenes Familienglückes zu nennen und ſetze mein Leben ein für dieſe meine Ueberzeugung!“
Ladislaus ſchien mit ſeinen Blicken ſeinen Gegner durchbohren zu wollen, gleich als könne er die Beweiſe ſeiner unerſchütterlichen Ahnung aus dieſen Zügen herausleſen.
Im Nu aber hatte der Graf ſich aus ſeiner Gefangenſchaft losgewunden und ſich frei fühlend, war es das Werk eines Augenblicks den Hirſch⸗ fänger zu ziehen und damit auf den unvorbereite⸗ ten Kapitän zu ſtürzen, ſo daß dieſer nur Zeit hatte, durch Vorhaltung einer großen auf dem Tiſche lie⸗ genden Mappe die Kraft des Streiches zu lähmen, der ihm gleichwohl eine leichte Wunde beibrachte. Blitſchnell riß jetzt auch der Kapitän ſeine e heraus und vertheidig.e ſich mit Umſicht und Gewandtheit gegen ſeinen Angreiſer. Szatmar führte jetzt einen wuchtigen Hieb auf das Haupt des Gegners, a wieſer parirte und ehe der Graf ſich ſchützen konnte, traf ihn gleich darauf die Klinge des Kapitäns.
Der Graf taumelte ſchwer verwundet zurück, der Stuhl, an welchem er ſich zu halten verſuchte, brach unter ihm zuſammen.
Der Verwundete ächzte ſchwer. Er ſchien ſpre⸗ chen zu wollen, jedoch die Stimme verſagte ihm. Er erhob die Hand und winkte Ladislaus, nä⸗ her heranzutreten.
Waff
leiſer Stimme,„ich hatte gefrevelt und der Him⸗ mel nahm Rache! Möge mir vergeben werden, wie ich Ihnen vergebe. Eilen Sie, reiten Sie ſo ſchnell als möglich nach Daroczfalva, bringen Sie die Gräfin und Viktorine hieher; ich will ihren Fluch nicht mit in's Grab nehmen.— Leute,“ fuhr er fort, als die Diener, durch den Lärm erſchreckt,
8₰ eintraten und entſetzt dieſe Blutſzene betrachteten— i„Leute, wage es Keiner von Euch, ſich an meinem d Gaſte zu vergreifen!— Du, Imre— eile— a zum Stuhlrichter— er möge augenblicklich mich— atte beſuchen,— Du, Joska— zum Pfarrer— ich kal will— ich kann nicht eher— ſterben, bevor— Sr o Gott— o Gott!“— Der Unglückliche vermochte nude nur noch mit der Hand die Betreffenden fortzu⸗ 8u? weiſen; ohnmächtig vom Blutverluſt wurde er von der dden Dienern auf ſein Lager getragen.
nih Eine Stunde war vergangen und des Grafen ihnen Schlafgemach barg eine zahlreiche Verſammlung. die 5 Wie ſtill lag er da auf ſeinem Bette und wie ſanft erur⸗ 4 2 und milde blickte er jetzt um ſich. Der ſchneeweiße 4
Alexander Hutſchenreiter: Der Schreiber.
„Das war ein Gottesgericht,“ flüſterte er mit
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Anzug erhöhte die Bläſſe ſeiner Geſichtszüge, Nur langſam tropfte noch das Blut unter dem Ver⸗ bande hervor— aber mit jedem Tropfen verrann jetzt ein Jahr ſeines Lebens!— Eben hatte der greiſe Prieſter ſeine Pflicht erfüllt und der dem Tode Nahe richtete ſich nochmals auf und über⸗ ſchaute die Verſammlung. Außer dem Stuhlrichter und deſſen Kanzelliſten waren noch zwei verſchleierte Frauen, Ladislaus und einige Diener des Hau⸗ ſes zugegen. d
Da winkte Szatmar dem Gerichtsſchrei⸗ ber ſich zu ſetzen und ſeine Worte zu Protokoll zu nehmen.
„Ich,“ begann er mit ſichtlicher Anſtrengung, „Graf Szatmär, erkläre hiemit, daß ich durch falſche Zeugen und Urkunden meines Vaters Bu⸗ ſenfreund, den Grafen Daroczy“— ein ſchwe⸗ rer Seufzer hemmte hier des Sprechers Worte— „und ſeine Familie in namenloſes Elend gebracht habe. Gott hat mich gerichtet, durch einen Mann gerichtet, welchem ich nach dem Leben trachtete. Dieß bekenne ich vor Gott— und bitte ihn und diejenigen,— welche meine verruchte That betrof⸗ fen— mir, dem Sterbenden, zu vergeben und— wenn die Herſtellung— der Ehre des Grafen Daroczy und— ſeine Rückkehr in Eure Arme meinen Frevel ſühnen kann— ſo laſſet“— er deutete auf die beiden Frauen—„mich— m Frieden ſterben.“
Er ſchwieg. Lager herangetreten— mit ei Blick ſah er zu ihnen auf. ob ihm verziehen ſei? Sah er doch ihre Thränen ſo hell, ſo milde glänzen! Todtenſtill war’s, nur das Schluchzen der Anweſenden war vernehmbar. Nicht lange— ſo brachen ſeine Augen und die Lippen ſchloßen ſich für immer.
— Die Frauen waren an ſein nem tiefen, rührenden Wollte er ſie fragen,
9.
Das Neugebäude in Peſt bot um dieſe Zeit einen traurigen, das Gemüth beengenden Anblick dar. In den weiten, langen Höfen des Rieſenbaues herrſchte düſteres Leben. In dieſen ungeheuren Räumen, in welchen zwanzig Eskadronen Kavallerie exerziren können, bewegten ſich die Gefangenen, welche in den zur Promenade beſtimmten Stunden ihren traurigen Spaziergang im Freien machten. Wie wogte es da durcheinander von den verſchie⸗ denſten Geſtalten!
Hie und da ſehen wir einen Mann durch's kleine vergitterte Fenſter hinausblicken auf das Ge⸗ wühle— auf ſeine Leidensgenoſſen, denen die Wache mit ſcharf geladenem Gewehre auf dem Fuße ſolgt.
Docort in der Ecke des großen Hofes erhebt ſich ein Schwibbogen. Die durch denſelben führende Pforte bringt die Angeklagten zu den Gerichts⸗
höfen, vor denen ſie ihre Unſchuld zu rechtfertigen haben— der Rubicon für manches Menſchenleben. “ —


