Heft 
(1859) 4 04
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100 Erinnerungen.

Und jetzigen Gemal? entgegnete mit zagen der Stimme Ladislaus.

Bräutigam, Gemal! Ja, glücklicher Gatte ſeiner Leben ſeiner Tochter ſo müßte er nicht nung büßen. Ja, den ichmeine.

hätte mein un⸗ Lieblingsidee das Glück und zum Opfer bringen wollen, jettt für den Adel ſeiner Geſin⸗ jielter Elende Szatmär iſt es, Wenige Tage nach Ihrem Ab⸗ ſchiede von uns, erſchien Graf Szatmar und warb förmlich um Viktorinens Hand. Mein Gemal ließ mich und meine Tochter zu ſich rufen und forderte letztere auf, ſich zu erklären, ob ſie

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Viktorine war ihm treu geblieben aber ihr

Szatmar's Gemalin werden wolle. Als aber

Viktorine ihm weinend zu Füßen fiel und ſchluch⸗ zend bekannte, ſie könne nie des Grafen Weib wer⸗ den, als ſie mit aufgehobenen Händen ſo rührend flehte, man möge ſie nicht unglücklich machen, da erwachte zwar einen Augenblick in ihm die Erin⸗ nerung an den Sturm, welchen Sie einſt hervor⸗ gerufen, und der Zorn über die Vernichtung ſeiner lange gehegten Wünſche, aber die Liebe ſiegte zu⸗ letzt er war ja Vater und ein guter Vater. Augenblicklich machte Daröczy, wenn auch mit den ſchonendſten Worten dem Grafen Szat mär das ungünſtige Reſultat ſeiner Werbung be⸗ kannt. O, er ahnte nicht, welche Schlange er bis jetzt in ſeinem Buſen genährt hatte! Szatmaͤr hörte ihn mit finſterer Miene an. Seine Pläne

waren mit einem Schlage vernichtet, denn er hatte

der reichen Erbſchaft bedurft, um ſeine zerrütteten Verhältniſſe wieder aufzurichten, ein Umſtand, wel⸗ chen man uns ſtets zu verheimnlithen zeunſt t hatte. Wüthend ſprang er auf und unter D rohungen ver⸗ ließ er das Haus, indem er ſchwur, die ihm ange thane Schmach zu rächen.

Jahrelang hörten wir nichts von ihm. End⸗ lich brach die Bewegung los. Nach dem Ende des Kampfes erſchien Szatmar nach langer Zeit wie⸗ der auf ſeinen Gütern.

Von da an beginnt unſere Leidensgeſchichte. Die Zeit der Rache war gekommen. Szatmär trat als Ankläger gegen meinen Gemal auf und

Glück, die Ehre und der Ruf des Hauſes lag in Trümmern! Er fühlte den Schmerz der Mutter, die Verzweiflung der Kinder und die Trauer des Freundes vereint in ſeiner Seele! Sein edles Herz dachte nicht der Schonungsloſigkeit, mit welcher Graf Daroczy ihn von ſich geſtoßen. Für ihn war er nur Viktorinens Vater, für deſſen Rettung Alles gewagt werden mußte.

Am früheſten Morgen des nächſten Tages ſprengte der franzöſiſche Kapitän auf der Straße nach dem Schloſſe des Grafen Szatmar. Die Eile, zu welcher er das gute Roß antrieb, ſtimmte ganz überein mit der fieberhaften Aufregung, die ſich auf ſeinem Geſichte ausdrückte und den Sturm andeutete, der ſeine Seele ſo tief und mächtig er⸗ faßt hatte.

8.

Wir treten in den Salon des Grafen Szat⸗ mar. Im Jagdkleide, den Hirſchfänger an der Seite, ging der Schloßherr auf und ab, manch auf die koſtbare Monatuhr ſehend denn zer ge⸗ dachte heute einer zeaden Jagd beizuwohnen, we ein Diner in ſeinen Hallen beſchließen ſollte. ſchien die Stimmung des Grafen nicht eben ei

feſtliche zu ſein, denn ein gewiſſer⸗ Gran lag über

den ohnehin bleichen, abgelebten Zügen, deſſen er, ob er auch nechine. verſuchte die Stirne zu glät⸗ ten und heitereren Gedanken in ſeiner Seele Raum zu gönnen, nicht Here werden konnte.

Da trat der Leibjäger in den Salon und meldete einen fremden Gaſt. Da ein ſolcher Woſuch durchaus nicht ungewöhnlich war, ſo ſien di

Meldung nicht zu überraſchen. Auf das leiſe Kopf

wußte es durch Liſt, Ränke und faſſhe Ausſagen

dahin zu baungen, wurde. kommen und hoffentlich iſt dieſ ſe umde nicht mehr

daß der Schuldloſe verurtheilt

Doch ſeine Unſchuld wird noch an den Tag

fern. Geſtern ſtarb in dem nächfte Dorfe Udvar

ein Mann, welcher mir kurz vor ſeinem Tode ein

verſiegel tes Schreiben des Inhalts ſandte, ich h möge

mich eiligſt an ſein Sterbelager begeben, da er mir in Beträf des Grafen Szatmar und meines Mannes wichtige Mittheilungen zu machen habe. Allein er ſtarb, kurz bevor ich trotz aller Schnellig keit nach Udvar Lelargeñ konnte, in furchtbarer Seelenangſt und unter heftigen Schmerzen, indem er beſtändig meinen Namen rief. Sein Geheimniß aber ging mit ihm zu Grabe!

Schweigend hatte Ladislaus die Erzählung der Gräfin angehört. Sein Herz war ihm übervoll,

Ihres, wie ich ſehe,

nicken ſeines Herrn zog ſih der Jäger zurück und ging, nachdem er mit einer Verbeugung dem drau⸗ ßen Harrenden den Eingang gewieſen, ſeinen Vor⸗ bereitungen zur Jagd nach. Was gibt meinem Hauſe die Ehre Ihres Beſuches: 2 begann der Graf zu dem Eintretenden. Kennen Sie, Herr Graf, entgegnete dieſer, den ehemali igen Schreiber von Daröczfalva? Szatmäar rleichke bei dieſen Worten; er hatte gedacht, ſeinen verhaßten, einſt faſt verachte⸗ ten Gegner nie mehr zu ſehen und nun ſtand er vor ihm, eine hohe achtunggebietende Geſtalt, ein Mann, den der Ernſt des Lebens geſtählt hatte. Und welche Angelegenheit, ſprach er kalt und ſich faſſend,f führt Sie zu mir? Sollten Sie veränderten Standes müde ſein und vielleicht meine Güter verwalten wollen? Ich beſuche Sie, Herr Graf, entgegnete der Offizier, indem er jede Silbe ſcharf betonte,ich beſuche Sie, Herr Graf, um Rechenſchaft von Ihnen zu fordern und Ihr Gewiſſen zu fragen, ob es die Sghiitte verantworten könne, die Sie zur Verur⸗

tis t, gedes Buſenfreundes Ihres Vaters, zum