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(1861) 11 11
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344 Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

ſiciliſche vom Jahre 1130, und die böhmiſche Mediat⸗ krone vom Jahre 1139, und noch weniger die Kronen in partibus von Cypern und Jeruſalem.

Das bedeutungsvollſte Jahr 1000 n. Chr. brachte drei neue Kronen, nämlich 4. die ſpaniſche, zufolge der Theilkönigreiche Kaſtilien, Aragonien und Navarra; 5. die polniſche und 6. die ungariſche. Zu dieſen geſellte ſich bald auch noch 7. die däniſche Krone(1015), 8. die ſchwediſche, 9. die portugieſiſche(1139), und damit ſchien lange Zeit die Zahl der Planeten, die um die Kaiſerkrone kreiſten, geſchloſſen.

Erſt ſechs Jahrhunderte ſpäter hob mit der(10.) Krone Preußens eine neue Schöpfungsära an, in raſcher Folge ſtiegen auf 11. Sardinien, deſſen thatkräftige Ohnaſtie den Hohenzollern, gleichwie drei Jahrhunderte früher in der Fürſten⸗, ſo jetzt in der Königswürde nacheilte(1720), 12. Rußland(1721) und 13. die Krone beider Sicilien(1739), welcher das Verhängniß der ominöſen Zahl 13 nicht erſpart bleiben ſollte.

Gleichwie aber Preußens Aufgang das 18., ſo eröffnet des Heiligen Römiſchen Reichs deutſcher Nation Untergang das 19. Jahrhundert, und aus ſeinen Trümmern erheben ſich fünf neue Kronen: 14. die öſterreichiſche(1804); 15. die baieriſche, welche zwar in ihrer nunmehrigen Erneuerung napoleoniſchen Ur⸗ ſprungs, aber durch eine mehr als tauſendjährige Vor⸗ geſchichte ſanktionirt iſt; 16. die württembergiſche, (1805); 17. die ſächſiſche(1806) und 18. die hanno⸗ verſche(1814). Dieſen reihen ſich endlich noch als neueſte Kreationen an die Kronen: 19. der Nieder⸗ lande(1815), 20. Belgiens(1831) und 21. Griechen⸗ lands(1832).

Von jenen neun alten Königskronen nun, welchen die preußiſche ſich im Jahre 1701 als zehnte zugeſellte, ſind inzwiſchen drei in Abgang gekommen, ſo daß nun⸗ mehr Preußen die ſiebente Anciennetätsſtufe in dem europäiſchen Staatenſyſtem einnimmt eine heilige Zahl, welche die Politiker früherer Zeiten, wo man nur ſieben Planeten kannte, unwillkürlich zu aſtrologiſchen Gleichniſſen verlockt haben würde.

Noch wunderbarer, ſchließt die Sternzeitung, wel⸗ cher wir dieſen Artikel entlehnen, iſt das Geſchick, welches über den Dynaſtien gewaltet hat, die jene ſechs aus der vorpreußiſchen Zeit allein noch übrigen Kronen trugen. In dem kurzen Zeitraume von kaum mehr als anderthalb Jahrhunderten ſind ſie bis auf Eine abge⸗ gangen, und zwar hat in England die Dhnaſtie inzwi⸗ ſchen zwei Mal gewechſelt, in Frankreich und Schweden

ſogar je drei Mal, in Spanien und Portugal aber ein Mal, ſo daß alſo das jugendliche Königshaude, Hohenzollern nunmehr nächſt dem bereits klche gang begriffenen däniſchen der älteſte Krone der Europass iſt. ganz hön ſei.

Vater

bereits

jenden

Wechſel

Brüder

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tere Stizzen aus dem Kadettenleben. Von W. Ernſt. (Fortſetzung.)

ſ/ NM

iederum traf ich rechtzeitig vor dem Zapfen⸗ ſtreiche ein und wurde zum Schlafengehen angemeſſen mit Abſchreiben beſchäftigt. Er⸗ müdet, wie ich von meiner erſten Lektion und dann von meinem forcirten Spaziergange war, hoffte ich einen guten Schlaf zu thun. Behäbig ſchlüpfte ich unter die Decke, meine ſüße Hoffnung durch die Bemerkung gegen meine Schlafkameraden äußernd: Heute werde ich doch Ruhe haben, da ich ſämmtliche Leichen, die dem mörderiſchen Pulver als Opfer ge⸗ fallen ſind, ausklopfen ließ.

Aber, o Wahn! als ob ſich das Geſchlecht der Blutſauger gegen mich verſchworen hätte, auch dieſe Nacht und in noch verſtärkterer Maſſe griffen ſie meinen müden Körper an und nahmen blutige Rache für ihre gemordeten Brüder. Es blieb nichts übrig, als auf einer Bank in voller Kleidung ſo viel als es eben mög⸗ lich war zu ſchlafen.

Den kommenden Morgen verdoppelte ich die Doſis der Einſtreuung, ließ alle Bettſorten nochmals gehörig ausklopfen und weidete mich an der Unzahl der dahin⸗ geſchiedenen Flöhe, die wie Körner aus einem Pfeffer⸗ ſiebe herabfielen.

Aber die harte Prüfung ſollte, wie ich in der näch⸗ ſten Nacht erfuhr, noch immer kein Ende haben. Es lag ein Geheimniß in dem Umſtande, daß gerade ich ſo viel

des Zimmers, die zwei Feldwebel, ſich nicht beklagten. Daß das perſiſche Pulver echt war, dafür bürgte mir der Erfolg, es mußte alſo mit unrechten Dingen zu⸗ gehen, daß die Inſekten immer wieder neues Leben be⸗ kamen. Kurz, ich litt in der dritten Nacht wiederum ſo unſäglich, wie die Nächte vorher. In der Verzweiflung warf ich die Decke von mir und ſuchte nach etwas An⸗ derem, um mich zuzudecken; allein vergebens, denn ich ſelber hatte ich noch keinen Mantel und den eines Feld⸗ webels durfte ich mich nicht unterſtehen zu nehmen.

Wie ich mich nun ſo voll Rathloſigkeit auf meinem Lager wälze, ruft mir mein Feldwebel zu:

Sein's ruhig und tröſten Sie ſich. Die Decke, welche Sie weggeworfen haben, iſt die letzte, in der noch Flöhe ſind. Die meinige und Feldwebels Mrazeks

2iſt. ſchon rein. Fenr.. drohten ihn ſeine Kräfte zu berlaſſen; doch Urde jede danke an ſeinen Bruder hielt ihn aufrecht und lie beiden ſein heimatliches Dorf erreichen. Zu Hauſe angekomtſiſchen ſank Franz vor Ermattung zuſammen und fand e

nach einigen Minuten die Kraft, das Vorgefallene z. erklären; dennoch ſprach er die Abſicht aus, ſogleich umzukehren, um ſeinem Bruder Hilfe zu leiſten. Die Mutter rief jedoch weinend:Ich habe eins meiner Kinder verloren und Du willſt mich auch noch des andern berauben.Nein, Mutter, entgegnete Fran

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zu leiden hatte, während die beiden andern Bewohner

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