Heft 
(1861) 11 11
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352 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Moſes Berſohn unter der Anklage eines zweifachen Ver⸗ brechens des Betruges, deſſen Gattin Brindel Berſohn und der geweſene Schreiber des Moſes Berſohn, Ber⸗ ſohn's Schwager. Wie umfangreich dieſe Schlußverhand⸗ lung war, geht darous hervor, daß die elbe 25 Tage in Anſpruch nahm, bei derſelben 111 Zeugen abgehört, 3 Kunſtbefunde aufgenommen und an 100 Zwiſchen⸗ anträge von der k. k. Staatsbehörde und der Verthei⸗ digung geſtellt wurden. Das Plaidoyer, welches getrennt über die Schuldfrage von jener über die Strafbarkeit der Angeklagten geführt wurde, nahm 2 ½ Tage, die Bera⸗ thung des Gerichtshofes einen halben Tag und die Pu⸗ blicirung des Urtheils ſammt Gründen über zwei Stunden in Anſpruch. Alle drei Angeklagten wurden der ihnen zur Laſt gelegten Verbrechen für ſchuldig erkannt.

Eine wahrhafte Tragödie hat ſich in dem franzö⸗ ſiſchen Dorfe Les Chaumes de St. Aignan zugetragen. Dort verſuchte eine Frau, welche in einem Alter von 15 Jahren einen 44jährigen Mann geheiratet hatte, dieſem im Schlafe geſchmolzenes Blei in die Ohren zu gießen, um ſich von ihm zu befreien. Von furchtbarem Schmerz geweckt, ſprang dieſer auf und ſchlug ſeine zärtliche Gattin mit drei Beilhieben zu Boden. Die Verwundung war derart, daß die Frau am nächſten Tage nicht verhaftet werden konnte.

Am 18. November ſtand der Mörder des greiſen Jenaer Profeſſors Dr. Wachter, der zuletzt in Lobeda zurückgezogen gelebt hatte, vor dem Schwurgerichte in

eimar. Der Mörder, welcher der That geſtändig war, iſt ein zwanzigjähriger Zimmergeſelle, Namens Rodeck aus Lobeda. Er wurde zum Tode durch Enthauptung verurtheilt. Er hörte das Todesurtheil anſcheinend gleich⸗ giltig an.

In Zürich hat ſich der Generalintendant der Londoner Union für Süddeutſchland und die Schweiz, Ulrich Beck von Bern, auf ſchreckliche Weiſe ſelbſt ent⸗ leibt. Er ſtürzte ſich in die Limmat und brachte ſich, von der Fluth fortgetrieben, zehn bis zwölf tiefe Stiche in Hals, Bruſt ꝛc. mit einem Stockmeſſer bei. Als die Leiche aus dem Waſſer gezogen wurde, fand man noch das Meſſer in ihrer Bruſt ſtecken.

Koncerte und Theater. (Im November.)

WerreGieit, einer Reihe von Jahren. beainnt ſtets unſere dabei den Pfarrer gemacht.Wie ſo?Nun, Du haſt getraut. 3

Wo haſt Du denn Deine Uhr gelaſſen? fragte ein alter Landpfarrer ſeinen zum Beſuch von der Uni⸗ verſität kommenden Sohn.Beim Uhrmacher zur Re⸗ paratur.Deines Geldbeutels natürlich! fügte der Vater hinzu.

Sie ſind wie ein Barometer, ſagte eine Dame zu einem in ſie berliebten Tänzer:Queckſilber unten duld nichta abone Baiſtönigslöw im Vereine mit miſchen

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ertabende und das Arrangement ſeßügl anden berans und zwar vonſih ausdehe nülaſader Quartettſoiréen Statt, die

dritte wird am 28. November folgen. Außer dem Hrn. Entrepreneur als erſten Violiniſten finden wir Hrn. Brückner bei der zweiten Violine, Hrn. Weber bei der Viola und den kürzlich aus Moskau überſiedelten und hier an Goltermann's Stelle neu angeſtellten Profeſſor Schmit am Cello mitwirkend. Von Streichquartetten hörten wir zwar ſchon bekannte, aber mit feinem Ge⸗ ſchmack gewählte Kompoſitionen, wahre Perlen dieſer Kunſtgattung, und zwar von Mozart Nr. 6 in C-dur, von Haydn op. 76 in B-dur, von Schumann op. 41 in A-moll und von Mendelsſohn op. 44 in D-dur. Wie nicht anders von den genannten ausführenden Kräften zu erwarten, kamen dieſe Tonſtücke ſehr gelungen zu Gehör; beſonders iſt zu bemerken, daß ſich keine Stimme auf Koſten der andern hervordrängte, wie dies zuweilen, wo jugendliches Ungeſtüm mit im Spiele iſt, zu geſchehen pflegt. Eine intereſſante Abwechslung war es, daß an jedem dieſer Koncertabende zwiſchen beiden Quartettpiècen ein Trio placirt war, und zwar zuerſt jenes von Volk⸗ mann op. 3, und letzthin eines von W. Borgiel, dort mit Frl. Em. Mildner, hier mit Frl. Auguſte Kolar als Inhaberin des Klavierpartes. Beide Kompoſitionen ſind geiſtreich angelegt und gewandt durchgeführt, jene Volk⸗ manns zeigt mehr äußerlich Eleganz in der Faktur und ſinnenfälligem Toneffekt. Borgiel's Werk iſt hingegen voll Poeſie, Tiefe des Ausdrucks und Originalität(bis auf das Scherzo). Die Damen ſpielten ihren Part mit aller Sorgfalt und kunſtrichtig, namentlich excellirte die aus Meiſter Prokſch trefflicher Schule hervorgegangene eminente Pianiſtin Frl. Kolar in Borgiel's ſchwieriger Aufgabe. Unſer wackere Männergeſangverein gab am 14. eine Abendunterhaltung, in welcher deutlich der mächtige Fort⸗ ſchritt, den dieſes Unternehmen ſeit der kurzen Zeit des Beſtehens unter Leitung des würdigen Kapellmeiſters Hrn. Tauwitz gewonnen, ſich bemerkbar machte. Hier hört man nicht nur die, eine geſellige Unterhaltung blos bezweckenden, mannigfachen, dem Programm von Lieder⸗ tafeln entnommenen friſchen und luſtigen Enſembles; ſondern auch Kompoſitionen ernſten Inhalts und von

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Das Theater bewegt

Redigirt unter Verantwortlichkeit des Verlegers.

Papier und Druck des art.⸗ty

p. Inſtituts von Carl Bellmann in Prag⸗