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W. Ernſt: Heitere Skizzen aus dem Kadettenleben. 345
theilungen formirt, denen lange düſtere Räume in den Kaſematten der Feſtungswerke zur Behauſung und einige Korporale und geübte Soldaten zu Abrichtern ange⸗ wieſen wurden.
Das gab nun einige ſauere Wochen; denn kaum waren wir durch die Tagwache geweckt, als auch ſchon das Kommando zum Ausrücken erſcholl. Spät gegen Mittag wurde eingerückt, und kaum war abgegeſſen, ſo ging das Exereiren wieder an, ſo daß ich äußerſt ſelten Zeit fand, die Lieben in der Vaterſtadt aufzuſuchen. Ach, und ich hatte mir doch faſt nur zu dieſem Zwecke eine ſogenannte Extramontur, das heißt, einen Anzug aus feinem Stoff, aus eigenen Mitteln angeſchafft. In dieſe Zeit fiel auch die Kadeikenprüfung, die ich glücklich be⸗ ſtand. Nichts deſtoweniger verzögerte ſich die Ernennung zum Regimentskadetten einige Tage. Dieſe Ernennung mußte erſt im Befehl erſcheinen, bevor ich den Säbel mit dem Porte⸗epée gegen das kurze Bajonnet vertauſchen durfte. Und doch gelüſtete es mich gar zu ſehr, ſchon als Kadett zu figuriren, daß ich alle möglichen Schliche erſann, um, wenn auch nur auf wenige Minuten, den Säbel tragen zu können. Aus dieſem Grunde ging ich im Mantel aus, unter dem ich den mit dem Porte⸗epée verſehenen Säbel gut halten konnte, bis ich die Fe⸗ ſtungsthore paſſirt hatte. Dann erſt durfte die annoch nicht geſtattete Zierde im heiteren Sonnenlicht glänzen, um aber ſogleich wieder unter dem Mantel zu ver⸗ ſchwinden, wenn ein Officier des Weges kam. In mei⸗ ner Vaterſtadt, wo die Officiere meiſt ihre freien Stun⸗ den zuzubringen pflegten, war ich mit meinem militäri⸗ ſchen Schmucke gar ſchlimm daran. Entweder bewegter ich mich auf den öffentlichen Plätzen oder in den beleb⸗ teſen Gaſſen, um mein neues Porte⸗epée der Welt zu zeigen, und dann lief ich ſicher Gefahr, auf meiner Rechtsanmaßung ertappt zu werden und dafür in Strafe zu gerathen, oder ich mußte die abgelegenen Gaſſen und unbeſuchten Plätze der Stadt aufſuchen, wo wieder Niemand da war, meinen mit dem Porte⸗epée gezierten Säbel zu bewundern. Schreckliches Dilemma, das erſt ſeine Löſung fand, als nach einer Reihe unruhevoller Tage meine Ernennung erſchien. Zugleich mit dieſer Ernennung kam der Befehl, in die neu errichtete Kadetten⸗ ſchule einzurücken.
Kadettenſchule.
Acht geräumige Zimmer in einer großen Kaſerne waren zu dieſem Zwecke vom Regimentskommando an⸗ gewieſen worden und wurden im Laufe der erſten Tage mit den nöthigen Betten verſehen. Das Bett bildet das erſte und wichtigſte Möbel in jeder Behauſung von Soldaten, wie ſchon die Redensart ſchließen läßt:„in Garniſon liegen.“ Wir waren an ſechzig Kadetten Fiſammen, denn eine Menge lernfauler Studenten hatte nh durch den Kriegslärm verleiten laſſen, zum Militär di gehen. Man fand darunter faſt alle Nationen Mittel⸗ gropas vertreten, von den Zwiebel⸗ und Speckſachſen Biebenbürgens angefangen bis weit über die Kaffee⸗ (ichſen im Königreiche Sachſen hinaus. Bei der Ein⸗ Erinnerungen. LXXXII. 1861.
theilung in die einzelnen Zimmer blieb es uns theil⸗ weiſe überlaſſen, unſere Geſellſchaft zu wählen, und ſo kam es, daß ſich in den drei gemeinſchaftlichen Schlaf⸗ ſälen zum größten Theil geſinnungsgleiche Kameraden zuſammenfanden. Man wird mich hier nicht mißver⸗ ſtehen und das Wort„geſinnungsgleich“ in der Be⸗ deutung nehmen, wie es etwa eine politiſche Zeitung gebraucht; denn unter den Soldaten darf nur ein Geiſt herrſchen und es ſoll und kann keine Spaltung irgend welcher Geſinnungen hier ſtattfinden. Ich meine vielmehr die Gewohnheiten und Neigungen, die ein⸗ zelne Menſchen mit einander gemein haben, und die bei einem engeren Zuſammenleben zu einem mehr freund⸗ ſchaftlichen als nur äußerlich kameradſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe führen.
So waren denn in unſerer Kadettenſchule drei verſchiedene Schlafſäle und auch eben ſo viel Parteien oder Brigaden, wie wir ſie nannten.
Zuerſt die Nobelgarde, zu der zu gehören auch ich die Ehre hatte. Wie ſchon der Name andeutet, mußten ſich die Kadetten dieſer Brigade durch ein etwas ele⸗ ganteres Benehmen auszeichnen oder wenigſtens nach einem guten Ton ſtreben. Die bei uns herrſchende Sitte war eine ſogenannte ariſtokratiſche. Das Beſuchen der Officiers⸗Kaſino's, der Platzmuſiken, des Theaters und ähnliche mehr den Officieren zuſtehenden Vergnügungen galten bei uns mehr als das Beſuchen der ordinären Wirthshäuſer(Peiſel) und übermäßiges Zechen. Da⸗ durch entſtand eine gewiſſe Abſonderung von allen jenen, welche andere Orte zu ihren Vergnügungen auf⸗ ſuchten, und eine Art Geſpanntheit, die ſich häufig in gegenſeitigen Witzen äußerte.
Die zweite Brigade, die zur Mehrzahl aus Slaven beſtand, hieß nach ihrer Lieblingsſpeiſe die Povidelbri⸗ gade, und die dritte, welche viele Magyaren zählte, die Paprikabrigade. Schon durch das Frühſtück unterſchie⸗ den ſich charakteriſtiſch die drei genannten Abtheilungen. Bei der Nobelgarde beſtand es aus einem Kaffee oder, ließen es die Geldmittel nicht zu, aus einem Glaſe kalter Milch, die uns eine junge, ſchöne, aber äußerſt ſpröde Bäuerin brachte. Anders war es in der Brigade Pa⸗ prika. Hier würde Jeder, der Kaffee gefrühſtückt hätte, Abends mit den derben Strohpolſtern durchgewichſt und für ein unwürdiges Mitglied der Brigade erklärt wor⸗ den ſein. Hier durften nur echt militäriſche Leckerbiſſen gefrühſtückt werden. Dieſe beſtanden aus einem Stücke Kommißbrod mit Speck und einem Gläschen Sliwowitz.
In der Powidelbrigade herrſchten auch eigenthüm⸗ liche Frühſtücksſorten; zum Beiſpiel fünf— ſechs Talken für den Mann. Einer brachte es einmal auf vierund⸗ zwanzig Talken mit Powidel zum Frühſtück.
Das merkwürdigſte Frühſtück aber blieb unſtreitig folgendes. Die ſogenannte Schluckgeſellſchaft, beſtehend aus vier Kadetten, ſtarken Rauchern, kam regelmäßig nach dem Exerciren zuſammen, um ihr Frühſtück ein⸗ zunehmen. Dieſes beſtand aus nichts mehr als— aus einer Pfeife, die mit Dreikönig geſtopft von Mund zu Mund ging und woraus jeder einen kräftigen Schluck machte. Damals konnte ich noch nicht begreifen, wie
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