342 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
bald mit engen, bald mit halbweiten Aermeln; als Oberkleid erſcheint ein gerader ärmelloſer Mantel, bald iſt derſelbe um die Taille feſt zuſammengezogen, der Hals bleibt meiſtens ganz frei, höchſtens wird ein leichtes buntſeidenes Halstüchel gebraucht, das aber auch mehr die Schultern als den Hals bedeckt; Kopfbedeckung iſt meiſtens der Turban.
Anders erſcheinen zum Theil die Trachten auf dem zweiten Bilde. Bei den Männern Fetz als Kopf⸗ bedeckung, Doppelſpenſer, Gurt, ſehr weite unter dem Knie zuſammengezogene Beinkleider, Wollſtrümpfe, Sandalen; daneben aber auch eine Art Plaid oder gewöhnlicher Gehrock als Ueberrock; die Frau hat den Kopf vorn bis nahezu an die Augen in ein weißes Tuch gehüllt und vom Hinterkopf herab hängt ein mittelgroßes, meiſt geſticktes Kopftuch; über dem bis zu den Füßen reichenden Unterkleide ſitzt eine bis unter das Knie gehende Art von Burnuß, der nach vorne übereinanderfällt und geſtickte weite Aermel hat, die bis zur Hand reichen.
Ueber einzelne dalmatiniſche Trachten werden wir noch berichten, wenn wir die Tracht der Bewohner von Salona demnächſt bringen.
Der erſte Schnee.
Erzählung.
egleitet von ſeinen beiden Söhnen ſchickte ſich Johann Werner, ein Landmann, an, die
kleine in einem Thale der Alpen gelegene Stadt
M..,, die er in Geſchäften beſucht hatte, zu verlaſſen, um nach ſeinem heimatlichen Berg⸗
dorfe zurückzukehren. Franz, der älteſte der Knaben, fünfzehn Jahre alt, geſund und kräftig, der ganze Stolz ſeines Vaters, trug auf dem Rücken in einem großen Tragkorbe allerlei in der Stadt eingekaufte Vorräthe und hielt in der Hand einen ſorgfältig in Stroh gepackten kleinen Kirſchhaum, den Werner neben ſein Haus zu pflanzen beabſichtigte, während Ludwig, der jüngere, ein Knabe von neun Jahren, an der Hand des Vaters einherſchritt. Nahe dem Thore wurde Werner von einer dort wohnenden alten Ver⸗ wandten angeredet, die ihn bat, bei ihr einzutreten, da ſie ihn wegen eines ſie bedrohenden Proceſſes um Rath zu fragen wünſchte. Der Landmann willfahrte ihren Wünſchen, hieß ſeine Kinder immer vorausgehen, da er ſie ſicher auf der Hälfte des Weges einholen werde, und beſchwichtigte die Beſorgniſſe der alten Frau, welche die Knaben nicht allein gehen laſſen wollte, mit der Bemerkung, daß Franz verſtändig, Ludwig ganz ſicher unter ſeinem Schutze und das Wetter ſehr ſchön ſei. Das Wetter war allerdings ſchön, als ſich Vater
und Kinder trennten; die Jahreszeit war jedoch bereits ſo weit vorgeſchritten, daß in jenen Gebirgsgegenden ein Augenblick hinreichte, einen vollſtändigen Wechſel der Witterung eintreten zu laſſen. Die beiden Brüder
hatten noch keine Viertelmeile ihres Weges zurückgelegt, als ſich ein heftiger Windſtoß erhob, der einen Wirbel dichter Schneeflocken, der erſten, die der Herbſt brachte, vor ſich her trieb, und bald befanden ſie ſich inmitten eines heftigen Schneeſturmes. Franz bedurfte ſeiner ganzen Kenntniß des Weges, um ſich nicht zu verirren. Er führte ſeinen Bruder bei der Hand, und als der Kleine nicht weiter konnte, leerte er ſeinen Tragkorb, deſſen Inhalt er unter einer am Wege ſtehenden Fichte verbarg, ſetzte ſeinen Bruder hinein, lud ihn auf den Rücken und ſchritt, den Kirſchbaum als Stütze benutzend, muthig vorwärts. So ſtark er aber für ſein Alter war, verließen ihn doch die Kräfte nach einiger Zeit. Er hielt an, ſetzte ſeine Laſt zu Boden und bemerkte mit Schrecken, daß ſein Bruder ſtarr vor Kälte war und nur mit großer Anſtrengung ſich bewegen konnte. Dennoch ermunterte er ihn zu gehen; jedoch der Schnee fiel mit verdoppelter Heftigkeit, der Wind trieb den Knaben die eiskalten Flocken in's Geſicht und ſchon nach wenigen Schritten begann Ludwig zu weinen und war trotz aller An⸗ ſtrengungen und Ermahnungen ſeines Bruders nicht zu bewegen, ſeinen Weg weiter fortzuſetzen.
In der Hoffnung, daß ſein Vater in der Nähe ſei, erhob Franz ſeine Stimme zum lauten Rufen— vergebens; er erhielt keine Antwort. Bereits hatte er die Hälfte des Weges zurückgelegt, zögerte er hier noch länger, ſo lief er Gefahr, ſammt ſeinem Bruder umzu⸗ kommen. Er entſchloß ſich daher, den Kleinen dicht am Wege niederſitzen zu laſſen und ihn mit ſeinem Trag⸗ korbe, der groß genug war, zu bedecken. Dann häufte er ringsum Schnee und pflanzte den Kirſchbaum daneben.
„Erwarte mich hier, Ludwig,“ ſagte er,„ich werde bald zurückkommen. Rühre Dich nicht von der Stelle oder Du biſt verloren!“ Ludwig befand ſich nicht in der Lage ungehorſam zu ſein, er hatte ſich ohne Widerſtand unter den Tragkorb ſtecken laſſen und beſaß nicht die Kraft, nur ein Wort zu ſprechen.
Nachdem Franz ſeinen Bruder auf dieſe Weiſe geborgen hatte, bot ſich ihm eine neue Verlegenheit in der Wahl des Weges dar. Sollte er den nach dem Dorfe führenden Pfad weiter verfolgen? Sollte er umkehren und ſeinem Vater entgegen gehen? Er fürchtete ihn zu verfehlen, da es ſehr möglich war, daß Werner einen Fußpfad eingeſchlagen hatte, der einige hundert Schritte über dem Orte, wo ſich Franz jetzt befand, in den Hauptweg mündete, und deßhalb hielt er es nach einigem Ueberlegen doch für gerathen, nach dem Dorfe zu gehen, um Hilfe herbeizuholen. Unter unſäglicher Anſtrengung gelangte er endlich dahin. Mehrmals drohten ihn ſeine Kräfte zu verlaſſen; doch der Ge⸗ danke an ſeinen Bruder hielt ihn aufrecht und ließ ihn ſein heimatliches Dorf erreichen. Zu Hauſe angekommen ſank Franz vor Ermattung zuſammen und fand erſt nach einigen Minuten die Kraft, das Vorgefallene zu erklären; dennoch ſprach er die Abſicht aus, ſogleich umzukehren, um ſeinem Bruder Hilfe zu leiſten. Die Mutter rief jedoch weinend:„Ich habe eins meiner
Kinder verloren und Du willſt mich auch noch
andern berauben.“„Nein, Mutter,“ entgegnete Fran
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