334 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
als wollten ſie dadurch in dem hochwichtigen Augen⸗ blicke, da ſie im heißen Kampfe ihr Leben für ihren und ihres Kriegsherrn Ruhm und Ehre einzuſetzen in Begriff waren, alles Schlechte, Irdiſche von ſich ſchleu⸗ dern. Dem Haufen unmittelbar voran zogen die Oberſten und Hauptleute, um vor dem eigentlichen Maſſen⸗ angriffe durch ritterliche Zweikämpfe mit ebenbürtigen Gegnern ihren Untergebenen mit kühnem Muthe voran⸗ zugehen, und die Geſchichte hat uns ſchöne Beiſpiele ſolcher einzelnen Heldenkämpfe aufbewahrt, die an die glänzendſten Tage des blühenden Mittelalters erinnern. Nun erſt folgte der ſogenannte helle Haufen, in fol⸗ gender Zuſammenſetzung Zuerſt ſieben bis neun Glieder mit langen Spießen, welche gefällt wurden, weßhalb die Hintermänner auf die Lücken der vorderen Glieder traten; dann fünf Fähnlein, umgeben von einem Blatt Knechte mit kurzen Waffen(unter einem Blatt verſtand man eine gewiſſe Anzahl Glieder von Gleichbewaffneten); hierauf folgte ein Wald von aufrecht getragenen Spießen, an welche ſich, etwa die Mitte der Kolonne bildend, ein Blatt Schwerter und Hellebarden anſchloß, in deſſen Innern wieder vier bis fünf Fähnlein flatterten. Nun kam nochmals eine ſtarke Anzahl Glieder mit langen Spießen, dann noch ein Blatt mit kurzen Waffen, welche die letzte Fahnenreihe umgaben, und endlich, die queue der Kolonne bildend, drei bis fünf Glieder mit Spießen, wozu die kräftigſten Männer ſorgfältig aus⸗ gewählt waren, wie um den ganzen mächtigen Koloß bei etwaigem Stocken mit Fauſtgewalt vorwärts zu drängen. Eine Reihe Hauptleute und Doppelſöldner folgten dem Haufen, welche die Beſtimmung hatten, Zaghafte und Stutzende vorwärts zu bringen, feig davon Fliehende aber niederzuſtoßen.
Eine andere beliebte Gefechtsform, die aber haupt⸗ ſächlich nur in Defenſivſtellungen oder bei rückgängigen Bewegungen, namentlich der Reiterei gegenüber zur Anwendung kam, war der ſogenannte Igel, ähnlich, wenn auch viel maſſenhafter, unſerm von den Schützen bei Kavallerieangriffen zu bildenden Knäuel. Die Knechte machten Front nach allen Seiten und die außenſtehenden ſenkten ihre Spieße in ſchräger Richtung quer überein⸗ ander. Zwiſchen die Spießträger wurden Hakenſchützen gemiſcht und auf dieſe Weiſe gelang es häufig, ſelbſt weit überlegene Reiterangriffe zurückzuweiſen.
Die Landsknechte hatten einen gut bürgerlichen Charakter und lebten in einfachen, nach ehrbarer Zunft⸗ ſitte geordneten Verhältniſſen. Nur unbeſcholtene Burſche, die auf eine würdige Behandlung Anſpruch machten, fanden in ihren Reihen Aufnahme. Ihr wohlgeordneter Gerichtsgebrauch hat ſich in den Kriegsgerichten bis auf unſere Tage erhalten. Selbſt die ſoldatiſchen Fehler, die man ihnen vorwarf, wurzelten in ihren bürgerlichen Gewohnheiten. Sie wollten im Felde ihre gute Ord⸗ nung haben und wurden dadurch langſam und ſchwer⸗ fällig. Als ſie in den Türkenkriegen zur Zeit der Refor⸗ mation wenig Erfolge hatten, ſagte Luther von ihnen: „Freilich können ſie wider den harten Erzfeind nichts ausrichten, da ſie immer ihre linden Federbetten unter ſich haben müſſen.“ Die meiſten Knechte nahmen ihre
Frauen in den Krieg mit, und ſo entſtand ein unge⸗ heurer, den Marſch erſchwerender Troß. In ihren kurzen kräftigen Sinnſprüchen erfreut uns ein biederer Sinn. Zum Beweiſe mögen die folgenden dienen.
Sollſt dich nicht beſaufen,
Aus dem Gefecht nicht laufen,
Gott, den Herrn, lobpreiſen,
Wohl verwahr'n Dein Eiſen,
Auf dein Fähnlein blicken,
Dich in Mühſal ſchicken.
Wer Lob und Ehr erlangen will,
Derſelb allzeit muß wachen viel,
Muß nit in Faulheit jubilir'n,
Sondern in ſein Schild und Helm führ'n. Ehrenfreudigkeit, wachbar und rund,
Treu, mannlich mit Hand, Herz und Mund; Dann auß der faulen Rott' und Art
Nie keiner zu kei'm Ritter ward.
Und noch eins, wenn auch wohl aus etwas ſpäterer Zeit:
Will bang Dir werden in Schlacht und Kampf,
Umhüllt Dich Qualm, Schutt und Dampf,
Blick auf Dein Fähnlein, trau auf Gott,
Verachte Deiner Feinde Spott.
Drück feſt den Helm Dir ins Geſicht,
Hau brav um Dich und fürcht' Dich nicht:
Wer Gott vertraut,
Brav um ſich haut,
Wird nimmermehr zu Schanden!
An dem ſittlichen Verfall der Landsknechte trugen die Fürſten viel Schuld. Sie hatten ſelten Geld und kannten unſer Auskunftsmittel der Staatsſchulden noch nicht. Ihre Krieger erhielten daher oft Monate lang keinen Sold, mußten aber doch leben und halfen ſich ſelbſt, indem ſie Freund und Feind plünderten. Solche Heere müſſen ſchnell verwildern. Ein Beiſpiel bietet uns der Zug des Konnetable von Bourbon gegen Rom. Karl V., der Herr beider Indien, hatte einen leeren Beutel, und man vertröſtete die meuternden Lands⸗ knechte auf Rom. Als ſie die ewige Stadt erſtürmt hatten, machten ſie ſich bezahlt.
Rom blutete unter den Gräueln der roheſten Brutalität einer verwilderten Soldateska, die ſowohl das Andenken ihres großen Führers als auch den bisher erworbenen Soldatenruhm befleckte. Die zügelloſen Banden hauſten wochenlang auf haarſträubende Weiſe in der Weltſtadt, bis Papſt Klemens VII., der ſich ſelbſt in die Gewalt der kaiſerlichen Heere begab, durch glän⸗ zende Geldverſprechungen endlich ihren Abzug aus derſelben bewirkte. Da aber dieſe glänzenden Verſpre⸗ chungen nicht erfüllt wurden, kehrten die gänzlich auf⸗ gelöſten, durch die Peſt und andere anſteckende Krank⸗ heiten, namentlich durch die übertriebenſten Ausſchwei⸗ fungen decimirten Banden, ohne alle Disciplin und ohne Führer, deren ſie ſich durch Mord und Meuterei längſt entledigt hatten, wieder nach Rom zurück, um dort noch ärger als zuvor zu hauſen. Erſt den ange⸗ ſtrengteſten Bemühungen des Kaiſers und der anderen Mächte gelang es endlich, den Papſt von ſeinen Peini⸗ gern, Rom und Italien von ihren Blutſaugern zu befreien. Aber nur wenige erreichten den vaterländiſchen
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