318 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Religionskulten. Die Zahl der Männer iſt ungefähr der Zahl der Weiber gleich. Die durchſchnittliche Lebensdauer des Menſchen iſt ungefähr 33 Jahre. Ein Viertel derſelben ſtirbt vor Erreichung des 7. Jahres, die Hälfte vor dem 18., dünegen genießen diejenigen, die über dieſes Alter hinaus leben, eines Glückes, welches der andern Hälfte verſagt iſt. Von jedem Tauſend Menſchen wird nur einer hundert Jahre alt, und von jedem Hundert erreichen nur 6 das 65. Jahr, ſowie von jeden fünfhundert Perſonen nur einer 80 Jahre alt wird.— Die Erde hat 1000,000.000 Bewohner, von dieſen ſterben 333,333.333 in jedem Jahre, 91.824 täglich, 3730 ſtündlich und 60 in jeder Minute, oder in jeder Sekunde einer. Durch eine gleiche Anzahl Geburten werden dieſe Verluſte aber beinahe aufgehoben. — Die Verheirateten leben länger als die ledigen, und be⸗ ſonders diejenigen erfreuen ſich einer längeren Lebensdauer, die ein mäßiges und thätiges Leben führen. Große Leute leben länger, als kleine. Frauen haben vor Erreichung des 50. Lebensjahres eine günſtigere Chance als Männer, nach⸗ her aber ſehr wenig.— Die Zahl der Ehen iſt im Ver⸗ hältniß von 75() zu jedem Tauſend Menſchen. Hochzeiten finden häufiger nach den Aequinoktien ſtatt, d. h. während der Monate Juni und Dezember.— Die im Frühjahr ge⸗ borenen Menſchen ſind gewöhnlich kräftiger, als andere. Geburten und Todesfälle ſind während der Nacht häufiger als bei Tag.— Die Zahl der Männer, welche die Waffen zu tragen fähig ſind, iſt zu einem Viertheil der Bevölke⸗ rung berechnet.
Humoriſtiſches.
Ein junger Menſch kam in einen Barbierladen, um ſich raſiren zu laſſen. Der Ladenbeſitzer ſeifte ihn ein und ließ ihn dann ſitzen.—„Warum laſſen Sie mich ſo lange warten?“ fragte endlich der hoffnungsvolle Jüngling ſchüchtern.—„Entſchuldigen Sie, mein Herr, ich wollte erſt Ihren Bart ein wenig wachſen laſſen.“
Welche Pathen reichen die kleinſten Gaben?— Die Homöopathen.
„Mir iſt, als hätte ich Sie ſchon irgendwo ge⸗ ſehen,“ ſagte ein Windbeutel zu einem Manne,„aber ich kann mich nicht beſinnen, wo.“—„Möglich,“ erwie⸗ derte dieſer;„ich bin ſeit zwanzig Jahren Gefängniß⸗ ſchließer.“
Jemand las, daß mehre önndert italieniſche Damen für die Einheit Italiens aufgetreten ſeien.— „Wie edel!“ ſprach er.„Die, welche keinen einzigen Mann für ſich erwärmen konnten, feuern jetzt Tauſende für den König an.“
Ein amerikaniſcher Geiſtlicher bemerkte, daß während eines Platzregens plötzlich ſehr viele Spazier⸗ gänger in die Kapelle eintraten, in welcher er predigte. —„Dies Haus iſt ein Bethaus,“ rief er im Fluß der Rede;„Ihr aber habt einen Regenſchirm daraus gemacht.“
„Ihre Tochter iſt eine wahre Perle,“ ſagte ein Schmeichler zu einer Dame.—„Folglich bin ich Perl⸗ mutter,“ erwiederte dieſe.
„Was koſtet dieſe Pelerine?“ fragte ein ſchönes Mädchen einen jungen Kaufmann.—„Nur einen Kuß,“ erwiederte dieſer galant.—„Gut, aber ich bitte mir zu kreditiren,“ verſetzte die Dame, nahm die Pelerine und empfahl ſich.—
Ein Buchdrucker, der ein Adreßbuch herausgab, bemerkte, daß ihm noch die Hausnummern einer Straße fehlten, und beauftragte ſeinen neuen Burſchen, ihm dieſe Nummern zu bringen. Zwei Stunden ſpäter wurde der Burſche von der Polizei arretirt, weil er von den Häuſern die Nummernſchilder abzureißen ſuchte. 3
Ein Engländer wurde beſtohlen, ergriff den Dieb auf der That und riß ihm ein Ohr ab.—„Hilfe, Mör⸗ der!“ ſchrie der Dieb.—„Räuber!“ erwiederte der Be⸗ ſtohlene;„Euch geſchah Recht. Warum habt Ihr mein
Geld genommen?“—„Euer lumpiges Geld,“ ſprach der Dieb voll Schmerz und Wuth,„hier iſt es!“— Er warf es ihm vor die Füße.—„Gut,“ verſetzte der Engländer ruhig,„hier iſt auch Euer Ohr!“
Vermiſchtes.
Aus London wird geſchrieben, daß der Earl of Aberdeen, welcher den größten Theil des Jahres aus Ge⸗ ſundheitsrückſichten in Egypten zubringt, einen Theil ſeines in London befindlichen Palaſtes in eine Gewerb⸗ ſchule umgeſtalten läßt, in welcher ſechzig Knaben auf ſeine Koſten zu Handwerkern herangebildet werden ſollen. Auch Leſezimmer und Bäder werden der Anſtalt beige⸗ geben, die den Armen des Viertels zur freien Benutzung offen ſtehen.(Bravo! Gehet hin und thuet desgleichen!)
Eine reiche Arme. Am 4. d. ſtarb, drei Tage nachdem man ihren Mann zu Grabe getragen hatte, die Hausmeiſterswitwe Heiſemann in der Wipplingerſtraße (Liebig'ſches Haus) in Wien. Die Eheleute waren an⸗ ſcheinend ſo arm, daß ſie oft Almoſen erhielten, ja für die Frau wurde in ihrer letzten Krankheit von den Kommis des Liebig'ſchen Handelshauſes eine Kollekte veranſtaltet, deren Ertrag die Kranke mit vielem Danke annahm. Vor ihrem Tode ließ ſie ſich einen ſchweren Sack unter ihren Kopf legen, einen andern nuter ihren Leib, und ſo ſtarb ſie, von einem fremden Mädchen gepflegt, dem ſie vor ihrem Hinſcheiden nur noch mittheilen konnte, daß ihr Teſtament nebſt wichtigen Papieren oben auf dem Schranke liege. Wie überraſcht war man, als ſich zeigte, daß die Säcke unter ihrem Körper mit Silber gefüllt waren und ſich auf dem Schranke verſtaubte Obligationen im Geſammtwerthe von mehren tauſend Gulden vor⸗ fanden. Das Teſtament auf verſchmiertem Papier ſetzte das erwähnte Mädchen zur alleinigen Erbin ein.
Neuerdings ſind in den öffentlichen Bibliotheken Frankreichs ſo viele Bücher ꝛc. entwendet worden, daß die Regierung Befehl ertheilt hat, daß alle Kataloge von Büchern, Manuſkripten und Autographen, die zur Ver⸗ ſteigerung beſtimmt ſind, beim Generaldirektor der Archive des Kaiſerreichs eingereicht werden müſſen.
Der königliche Akademiker, Profeſſor Dr. Dove, theilte unlängſt in der„Geſellſchaft für Erdkunde“ zu Berlin ſeine nicht minder intereſſonten als wichtigen Unterſuchungen über das Licht des zuletzt ſichtbar ge⸗ we enen Kometen mit. Es wurde zuerſt mit einem Nikold⸗ ſchen Prisma allein operirt und alsdann der großern Sicherheit wegen mit vorgeſchobenen Gypsplättchen von verſchiedener Dicke. Das Licht zeigte ſich bei der einen wie bei der andern Unterſuchungsmethode vollſtändig po⸗ lariſirt, woraus folgt, daß der Komet nicht mit eigenem, ſondern mit erborgtem Lichte glänzt. Es iſt dieſer Verſuch nur eine Beſtätiguͤng der früher ſchon mit Wandelſternen angeſtellten. Somit wären denn Kometen keine ſelbſt⸗ leuchtenden Körper und vor allen Dingen die Furcht vor einer Entzündung der Erde durch Kometen als gänzlich unbegründet zu bezeichnen. 1 1
Die Engländer ſchonen kein Geld, wenn es gilt, eine praktiſche Frage zu löſen. So fanden jüngſt Schieß⸗ übungen gegen eine neue Scheibe ſtatt, welche ein
Segment des„Warrior“ vorſtellte und aus demſelben
Material, wie dieſe Eiſenfregatte angefertigt war⸗ Die beſagte Scheibe koſtete 2000 Pf. St., das iſt viel, aßer, man erreichte ein Reſultat, nämlich es zeigte ſich mir ſechs Kugeln aus ſchweren Armſtrong⸗Kanonen, miger gleichzeitig dieſelbe trafen, die dicken Eiſenplatte“ ſchmetterten, daß alſo Eiſenſchiffe, ſelbſt von der des„Warrior,“ nicht ſchußfeſt ſind.
Etwas vom verſtorbenen König Friedrif helm 1V. von Preußen. Als vor zwanzig Jahren ſelige König zur Regierung gelangt war, lief nach ſeiner Thronbeſteigung den General⸗Gart


