Heft 
(1861) 10 10
Seite
314
Einzelbild herunterladen

Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Fliehe, es gilt Dein Leben, und frage nicht! Fort, Moriz, fort!

Jetzt erkannte er ſie und ſprang vorwärts. In dieſem Augenblicke ließ ſich ein ſchwacher Lichtſchein ſehen, die Soldaten nahten ſich. Sie erblickten die ſchlanke, männliche Geſtalt, der vorderſte der Männer feuerte und Moriz feel.

Die Soldaten drangen in die Höhle, während Eliſe außerhalb derſelben, von einem Baume verbor⸗ gen, zitternd ſtand. Sie durchſuchten dieſelbe, da ſie aber Niemand darin fanden und der am Boden Liegende kein Lebenszeichen von ſich gab, ſo zogen ſie ſich endlich zurück.

Sobald ihre Schritte verhallt, trat Eliſe in die Höhle, beugte ſich über den Geliebten und glaubte noch einige ſchwache Lebenszeichen zu entdecken. Sie eilte in das nächſte Dorf, wußte ihm bei braven Landleuten ein Unterkommen zu verſchaffen und kehrte am andern Tage zu ihrem Vormund zurück, dem ſie freimüthig, ſoweit es ſie betraf, geſtand, was ſie gethan, aber verſchwieg, daß das Opfer ſeiner Rache noch am Leben ſei.

Der bald darauf ausbrechende Krieg mit Oeſter⸗ reich rief auch den Kapitän Loiret wieder zu den Waffen. In der Schlacht bei Aſpern tödtete ihn eine feindliche Kugel und machte Eliſe zur unumſchränkten Herrin ihres Vermögens und ihrer Hand. Sie reichte dieſelbe dem geneſenen und ſeinen Verfolgern glücklich entgangenen Moriz Ebſtorff und ging mit ihm nach der Schweiz, einem Lande, das wenigſtens einen Schein der alten Freiheit bewahrt hat.

Ich, Herr Valentin, ſagte Zeiber, als er die Erzählung beendet,ich bin jener Moriz Ebſtorff, und Nina, meine theure Nina, Eliſe, die in jener Nacht ihr Leben an die Erhaltung des meinigen ſetzte. Ihr Gemälde rief mir die ganze Vergangenheit in's Ge⸗ dächtniß zurück, ich glaubte, daß Sie Alles wüßten und mich verrathen wollten. Reichen doch überall die Arme des franzöſiſchen Kaiſers und konnte er doch mitten im Frieden einen Enghien aus einem befreundeten Lande holen und erſchießen laſſen! Wahnſinn ergriff mich Sie wiſſen das Uebrige können Sie mir verzeihen?

Von ganzem Herzen, erwiederte ich,gewähren Sie mir die Bitte, dieſes Gemälde von mir anzunehmen, es iſt mein beſtes, denn das Geſicht Ihrer heldenmüthi⸗ gen Gattin, welches daraus herniederblickt, hat es gehei⸗ ligt, und gebe Gott, daß der Tag komme, wo Sie die⸗ ſelbe unter glücklicheren Verhältniſſen in Ihr Vaterland führen.

Der Tag iſt gekommen. Auf Leipzigs Gefilden hat Moriz Ebſtorff für die heilige Sache des Vater⸗ landes gekämpft und geblutet, iſt mit den Verbündeten nach Paris gezogen, hat aber, nachdem der Frieden ge⸗ ſchloſſen, die Waffen niedergelegt, um an der Seite ſeiner Gattin ein Leben zu führen, das die Krone der Bürgertugenden ſchmückt.

Ich bin im innigſten Verkehr mit ihm geblieben, und noch oft erinnern wir uns jetzt beide Greiſe der Geſchichte des Bildes, welches im Wohnzimmer meines Freundes prangt.(Baz.)

Die Folterkammer auf der Burg zu Nürnberg. QMem Eintritt in das vorderſte Thor des äußern ) Theils der Burg überraſcht, ja ich möchte ſagen , erſchreckt den Fremden an dem ſeitwärts gele⸗

genen Gebäude der alten Burgamtmanns⸗ S wohnung eine Tafel grauenvollen Inhalts.

Sie enthält eine Aufzählung der Folterwerk⸗ zeuge und ſonſtigen Kriminalrechtsalterthümer, die in einem Gewölbe dieſes Gebäudes dem Fremden als ein unerfreuliches Denkmal des graſſeſten Aberglaubens und Unſinns, der gröbſten Ungerechtigkeit und Greuel⸗ thaten gezeigt, und in ihrer Anwendung in derguten alten Zeit der freien Reichsſtadt genau erklärt werden. Hieran anknüpfend dürfte es nicht ohne Intereſſe ſein, ein kurzes Bild von der ſchauderhaften und willkür⸗ lichen Uebung dieſes Mordinſtruments zu entwerfen, wie ſie in den letzten drei Jahrhunderten, in manchen Staaten ſelbſt bis in's neunzehnte Jahrhundert hinein die Quelle unzähliger Juſtizmorde war. Aller Grund dieſes unſittlichſten und widerrechtlichſten Inſtituts lag in dem Abwege, in den das peinliche Beweisverfahren jener Zeiten gerathen war, um über Schuld und Un⸗ ſchuld zu entſcheiden. Als Hauptziel eines jeden Proceſſes galt es, auf alle mögliche Weiſe ein Geſtändniß herbei⸗ zuführen. Und wie dies in früheſter Zeit durch Gottes⸗ urtheile, Zweikämpfe, ſpäter im öffentlichen und münd⸗ lichen Verfahren der Vehmgerichte geſchehen war, ſo brachte der im fünfzehnten Jahrhundert in Frankreich, Spanien und Italien bereits mächtige Abſolutismus, im Bunde mit pfäffiſchem Aberglauben, die Folter als ein neues, einfaches und energiſches Mittel, dem Läug⸗ nenden ein Geſtändniß abzupreſſen, auch nach Deutſch⸗ land, wo ſie leider gar zu bald die Oberhand über die bisherigen ſchwierigeren Beweismittel gewann. Nur mit ihr in der Hand war es der Willkür möglich, Tau⸗ ſende von Schuldloſen als Zauberer und Hexen auf den Scheiterhaufen zu liefern. Ein widerſinniger Ver⸗ dacht war hinreichend, die Unglücklichen, die in die Hände der Gerichte gefallen waren, wenn ſie nicht ſo⸗ fort, um den unſäglichen Qualen der Tortur zu ent⸗ gehen, lieber gleich im erſten Verhör Alles eingeſtanden hatten, auf die Folter zu werfen. So kam es in unzäh⸗ ligen Fällen vor, daß ſie Handlungen geſtanden, woran oft ſchon der bloße Gedanke ein Unſinn und eine Un⸗ möglichkeit war. Allein bei den Martern, die größer als jede Strafe waren, betrachteten die Inquiſiten den Tod als einen Troſt. Die Folter ſelbſt wurde mit einer ganz ſchamloſen und empörenden Procedur vorbereitet. Ihr folgte die eigentliche peinliche Frage mit dem Daumen⸗ ſtock, einer Schraube, in die der Daumen gelegt und durch allmäliges Zuſammenſchrauben gequetſcht wurde. Half das nicht, ſo legte man dem armen Sünder die ſpaniſchen Stiefel oder Beinſchrauben an, welche die Waden und das Schienbein breit preßten. Um die Leiden zu erhöhen, ſchlugen die grauſamen Henkers⸗ knechte noch mit einem Hammer auf die Schrauben, wodurch oft Knochen zerſplitterten. Die Verbindung der