Heft 
(1861) 10 10
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Vor den Thoren Magdeburgs. 311

Mit Zorn und Schmerz trug das Herz jedes Preußen die fremde Herrſchaft. Wohl hatte uns der König ſelbſt unſeres Eides entlaſſen, dem fremden Fürſten übergeben; aber wie er es mit blutendem Herzen und gezwungen that, ſo wenig konnten Worte die Bande der Treue und Liebe zerreißen, welche Jahrhunderte um die Herzen des Volkes und ſeines angeſtammten Herrſcherhauſes geſchlungen hatten.

Die franzöſiſchen Machthaber wußten dies und wandten alles an, den Geiſt, der ſich zu ihrem Entſetzen im geheimen regte, zu dämpfen, jede Aeußerung desſelben im Keimen zu erſticken.

Nicht allein daß franzöſiſche Beſatzungen in die Feſtungen gelegt wurden, Regierung und Verwaltung wurde nach franzöſiſchem Muſter eingerichtet, viele Aemter mit Franzoſen beſetzt, andere nur ſolchen anver⸗ traut, von denen man ſich überzeugt hielt, daß ſie die Sache ihrer Landsleute feig verließen und das Panier des Feindes ergriffen. O, es war eine Zeit der Schmach oder vielmehr ſie iſt es noch, denn noch immer ſeufzt mein armes Vaterland unter dem fremden Joche, wann endlich wird die Stunde ſchlagen, wo es ſich ermannend dasſelbe abſchütteln wird!

Heinrich Zeiber verſank einige Minuten in düſteres, ſchmerzliches Nachſinnen, dann fuhr er fort:

Einige der franzöſiſchen Beamten und Officiere verſuchten es auf eine andere Weiſe, Eingang bei der deutſchen Bevölkerung zu finden und dieſelbe für ſich zu gewinnen, indem ſie ihr Haus gaſtlich öffneten und durch Liehanswürdigkeit und echt franzöſiſche Grazie viele Beſucher dahin zu ziehen ſuchten.

Zu dieſen gehörte der Kapitän Loiret, und die⸗ ſem gelang es beſſer als jedem Andern, weil ſein Mün⸗ del, die ſchöne Eliſe, die Augen aller jungen Männer auf ſich zog und ihrer Anmuth ſelbſt das Herz des wü⸗ thendſten Franzoſenfeindes nicht widerſtehen konnte. Bald war ſie von vielen Bewunderern umſchwärmt; ſie

aber ſchenkte ihr Herz dem jungen Ebſtorff, dem

Sohne einer alten und geachteten Familie, deren Na⸗ men ſchon ſeit einer langen Reihe von Jahren auf einer der bedeutendſten Firmen der alten Handelsſtadt geglänzt.

War es aber auch dem Kapitän Loiret ganz recht, durch die Schönheit und Anmuth ſeines Mündels viele Söhne der angeſehenſten Familien in ſein Haus zu ziehen, ſo dachte er nicht daran, je in eine Verbindung derſelben mit einem Deutſchen zu willigen, beſonders aber war ihm Moriz Ebſtorff ein Dorn im Auge, da der junge Mann ſich durch ſein lebhaftes Tempera⸗ ment ſchon oft zu unvorſichtigen Aeußerungen hatte hin⸗ reißen laſſen und Loiret ihn in Verdacht hatte, eine geheime Verbindung zu einer Schilderhebung nach dem Vorbilde des kühnen Schill zu organiſiren. Er ſagte dies Eliſe und verbot ihr jede nähere Beziehung zu Moriz. Dieſer Grund war jedoch nicht hinreichend für das junge Mädchen, denn obgleich Franzöſin, konnte ihr edles Herz doch innig mit den Leiden des deutſchen Volkes ſympathiſiren, und was ſie erfuhr, war nur geeignet, ſie inniger an den zu binden, dem ſie ihre Liebe geſchenkt.

Eines Abends ſaß Loiret ruhig ſeinen Thee

ſchlürfend im Zimmer, als plötzlich ein Sergeant herein⸗ trat und ihm eine verſiegelte Ordre ſeines Regiments⸗ Chefs übergab.

Ein Lächeln des Triumphes verbreitete ſich über ſein Geſicht, als er dieſelbe geleſen, und ſich zu Eliſe wendend ſagte er:Dieſe Nacht wird es mir alſo end⸗ lich möglich ſein, mich jenes Verräthers Ebſtorff und ſeiner thörichten Freunde zu bemächtigen. Ihre hirnloſen Anſchläge wie der Ort ihrer Zuſammenkunft ſind ver⸗ rathen, ich habe den Befehl, ſie todt oder lebendig zu fangen und werde ihn gewiß pünktlich ausführen.

Alle ihre Kraft zuſammennehmend, denn ſie fühlte, daß ſie keine Schwäche zeigen dürfe, antwortete Eliſe ruhig, daß ſie nicht für Ebſtorff fürchte. Sobald ihr Vormund jedoch das Haus verlaſſen, ſank ſie auf ihr Knie nieder und weinte bitterlich. Doch nur wenige Se⸗ kunden überließ ſie ſich ihrem Schmerze, dann ſprang ſie entſchloſſen auf.

Moriz, ich will Dich retten Dich retten oder ſterben! Was wäre das Leben ohne Dich! Geſegnet ſei die Stunde, wo Deine Liebe Dich antrieb, mir das ganze Geheimniß zu entdecken, jetzt kann ich Dich retten und ich will es!

In wenigen Sekunden war Eliſe angezogen und bereit, jeder Gefahr zu trotzen. Ohne daß einer von der Dienerſchaft es bemerkte, verließ ſie das Haus; aber wie aus den Thoren der feſt verſchloſſenen und bewachten Feſtung gelangen? Es gab nur einen Weg, und Eliſe beſchloß ihn zu gehen, ſo gefahrdrohend er auch war. Der Strom war gefroren, dahin richtete ſie ihren Weg, drängte ſich durch Brücken, Wälle und Gräben, warf ſich, ſobald ſie eine Schildwache herankommen ſah, auf den Boden, hörte ſich anrufen, eine Kugel dicht an ihr vor⸗ überſtreifen und gelangte endlich unter unſäglichen An⸗ ſtrengungen, an Händen und Füßen blutend, in's Freie.

Hier hielt ſie einen Augenblick an, um zu ruhen; aber die Uhr des nahen Dorfes ſchlug halb Zwölf, ſie hatte keine Zeit zu verlieren, wollte ſie rechtzeitig den Ort erreichen, den ihr Moriz als den Sammelplatz bezeichnet hatte, wo er allwöchentlich mit Männern, meiſt auf den umliegenden Dörfern wohnend, zuſam⸗ menkam, mit ihnen die Noth des Vaterlandes zu be⸗ ſprechen und auf Abhilfe zu ſinnen. Endlich erreichte ſie einen ſchmalen Seitenweg, der zu einer in einem mäßigen Hügel ſich öffnenden, hart an der Elbe liegen⸗ den Grotte führte. Die Männer waren in tiefem Ge⸗ ſpräche begriffen, und ſo leiſe war ſie gekommen, daß ihnen ihre Gegenwart nur durch den Ruf kund ward: Flieht, Ihr ſeid verrathen! Sie ſahen auf und er⸗ blickten eine zarte weibliche Geſtalt mit fliegendem Haar und blutenden Händen, eine Erſcheinung, welche ſie mit einem abergläubiſchen Schauer erfüllte, und ehe ſie ſich noch klar über den Eindruck Rechenſchaft geben konnten, befanden ſie ſich inſtinktartig auf der Flucht. Nur Einer blieb und dieſer war Moriz Ebſtorff. Er wandte ſich um, blickte ſcharf um ſich, die Dunkelheit ließ ihn die Heißgeliebte nicht erkennen.

Wer biſt Du, die Du von Verrath zu ſprechen wagſt?