Heft 
(1861) 10 10
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3¹0 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

des Gemäldes, da, wo die Höhle ſich öffnete, befanden ſich, herausgehoben von dem dunkeln Hintergrunde der rauhen Felſen und der ſchäumenden Wogen, zwei Fi⸗ guren ein Mann, der auf dem Boden ausgeſtreckt lag, ſo daß ſeine Füße beinahe vom Waſſer benetzt wurden, das todtenbleiche Antlitz nach oben gerichtet und über ihn gebeugt die Geſtalt einer Frau, den Ausdruck der Angſt und Verzweiflung im Geſicht, das dunkle Auge dem Ausgange der Höhle zugewendet, als ſchweife es ſorgend über das Waſſer. Den Hintergrund füllten Felſen und finſter blickende Männer. Der einzige Lichtſtrahl fiel von oben in die Höhle auf das Geſicht des ſterbenden Mannes und den oberen Theil des Ant⸗ litzes der über ihn gebeugten Frau, indem nur ihre dunkeln, verzweifelnden Augen beleuchtet waren. Ich ſtellte mein Gemälde in das beſte Licht und rief meine Freunde, es zu betrachten. Sie kamen. Ich beobachtete ſie genau, begierig, welchen Eindurck mein Werk auf ſie hervorbringen werde. Ninas Angeſicht überzog eine leichte Bläſſe, während Heinrichs eine dunkle Gluth. überflog und beide ſich unwillkürlich enger aneinander drängten. Ich war erſtaunt, welche erſchütternde Wir⸗ kung das Bild auf ſie hervorbrachte. Mein Künſtlerſtolz fühlte ſich nicht wenig geſchmeichelt. Träume künftiger Größe, von einem in den Jahrbüchern der Kunſt ver⸗ zeichneten Namen ſtiegen in mir auf; ſie wurden aber plötzlich unterbrochen, indem mich Heinrich mit rauher Stimme fragte:

Was gab Ihnen die Idee zu dieſem Gemälde, Herr Valentin?

Ich benutzte einen mir bekannten Stoff, ant⸗ wortete ich. Im nächſten Augenblicke fühlte ich zwei Hände mit eiſernen Griffen meinen Hals packen, die Füße verſagten mir den Dienſt, ich fiel zu Boden und Heinrich Zeiber kniete auf meiner Bruſt. Ich war verwirrt, erſchrocken, ſchloß meine Augen und gab mich verloren, denn ich glaubte in die Hände eines Wahn⸗ ſinnigen gefallen zu ſein. Zwiſchen Furcht und Erſtickung hatte ich faſt meine Sinne verloren, als Ninas be⸗ bende Stimme gleich der ſchönſten Muſik in mein Ohr tönte:

Heinrich, Heinrichl was willſt Du thun?

Ich hörte an den dumpfen Tönen, die er ausſtieß, daß er die Abſicht habe, mich zu ermorden. Ich zitterte am ganzen Körper, kalter Schweiß bedeckte mich; o, ich zittere noch! Plötzlich fühlte ich ſeine Finger ſich löſen, hörte Nina in ihrer gewinnenden Weiſe zu ihm ſpre⸗ chen. Vorſichtig öffnete ich die Augen; aber noch waren die ſeinen dunkel und drohend auf mich gerichtet und ſeine Finger immer noch an meinem Halſe, bereit den tödtlichen Griff zu wiederholen. Ich wagte nicht, mich zu bewegen, und beſchloß, auf das Schlimmſte gefaßt zu ſein.

Es ſchien mir, als hätte ich drei Stunden ſo ge⸗ legen, obgleich nur wenige Minuten darüber hingegangen waren, als Heinrich ſich erhob und Nina ſich über mich beugte. Ich fühlte, daß ſie mich mitleidig anblickte,

obgleich ich meine Augen nicht wieder zu öffnen wagte. Mit leiſer, trauriger Stimme ſagte ſie:

Heinrich, Heinrichl Du haſt ihn getödtet!

Ich verſchmähte, ihr gütiges Herz in dieſer Angſt zu laſſen, gab einen ſchmerzlichen Ton von mir und machte eine ſchwache Bewegung. Abermals beugte ſich Nina nieder und fragte in furchtſamem Tone:

Herr Valentin, ſind Sie ſchwer verletzt?

Ich war mehr erſchrocken, als verletzt, hielt es aber für klüger, mir für einige Zeit ein anderes An⸗ ſehen zu geben, und ſtieß deßhalb mit ſchwacher, gebro⸗ chener Stimme die Worte hervor:Ich kann nicht mehr! Können Sie mir nicht aufhelfen und mich nach meinem Bett führen?

Dabei hielt ich die Augen feſt geſchloſſen und ſtieß von Zeit zu Zeit einen tiefen Seufzer aus. Ich lag noch einige Sekunden, dann fühlte ich mich von den kräftigen Armen meines Gegners emporgehoben, in das nächſte Zimmer getragen und nicht ſehr ſanft auf das Bett niedergelegt. Sobald Heinrich das Zimmer verlaſſen, ſprang ich vom Bette auf, neben dem die vor Angſt be⸗ bende Nina ſaß.

In Himmels Namen, Nina, erklären Sie mir das entſetzliche Benehmen Ihres Gatten!

Ich kann es nicht, Herr Valentin, aber Hein⸗ rich ſelbſt ſoll es thun, denn nur auf dieſe Weiſe kann er Sie wegen ſeiner furchtbaren Heftigkeit um Verzeihang bitten. Befinden Sie ſich jetzt beſſer? Können Sie ihm zuhören? Ich will ihn rufen.

O thun Sie es nicht, rief ich und meine Hand faßte unwillkürlich meinen gemißhandelten Hals.

Nina lächelte und ſagte, indem ſie nach der Thüre ging:

Sie haben nichts zu fürchten.

Nachdem ſie das Zimmer verlaſſen, zog ich meinen Stuhl an's Fenſter, entſchloſſen, auf die Straße zu ſpringen, wenn Heinrich Zeiber einen neuen Angriff auf mich machen ſollte. Aber Nina hatte die Wahrheit geſprochen. Als Heinrich in das Zimmer trat, ſchien

ſeine Aufregung vorüber und mit trauriger Stimme⸗

bat er: Mein beleidigter Freund, können Sie mir ver⸗

geben? O gewiß, antwortete ich, ſo freundlich ich es vermochte.Bitte, ſetzen Sie ſich, und laſſen Sie mich Ihre Erklärung hören.

Ich kann ſie nur dadurch geben, daß ich Ihnen folgende Epiſode erzähle:

Die unglücklichen Schlachten bei Jena und Auer⸗ ſtädt waren geſchlagen, Preußen der Willkür eines vom Glück begünſtigten Siegers preisgegeben, der es in dem von ihm diktirten Feieden von Tilſit der ſchönſten ſeiner Provinzen beraubte.

Auch meine Vaterſtadt, Magdeburg, ſeit beinahe zwei Jahrhunderten zu Preußen gehörig, als ein ſo herrliches Juwel in ſeiner Krone betrachtet, daß die edle Königin Louiſe, wiewohl vergeblich, um ſeine Zurückgabe bei dem franzöſiſchen Machthaber bat, war verloren gegangen und, o der Schande, durch Ver⸗ rath und Feigheit, nicht erſtürmt durch die Macht der Waffen.

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