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Emil Dietze: Ein Abenteurer wider Willen. 307
Kopf in beide Hände. Dieſer näherte ſich ihm bald. Allein ſtatt ihn wegen des Darlehens zu drängen, rich⸗ tete er durch aufmunternde Worte den niedergeſchlagenen jungen Mann auf, und da auch dieſe auf einen unfrucht⸗ baren Boden fielen, griff er zu einem kräftigeren Mittel. Der Tiſch ſtand in Kurzem voll Flaſchen und Gläſer, wer Luſt zu trinken hatte, trank. Das wirkte. Das muntere Geſpräch, der nicht in kargen Zügen genoſſene Wein führten bald die von Natur heitere Stimmung in Jolky zurück. Er trank, um den Unmuth, der ihn wohl noch zuweilen überkam, zu erſticken, und er trank, ohne es zu wollen, mehr als ihm dienlich und bis er trunken war und die Beſinnung ihn verließ.
Am Morgen erwachte er verſtört; wie entſetzte er ſich aber, in ſeiner Taſche, in der am Abend vorher nicht ein Kreuzer mehr war zehn blanke Silberthaler zu finden. Mühſam rief er ſich die Ereigniſſe des ver⸗ floſſenen Abends in das Gedächtniß zurück. Daß er im Spiel unglücklich geweſen, wußte er, ſollte er im Rauſche nochmals geſpielt und dieſen Reichthum gewonnen haben? Wohl entſann er ſich der Freigebigkeit des Ua⸗ bekannten— alles Uebrige war ihm in Dunkel gehüllt. Nur das kam ihm bei längerem Nachdenken in den Sinn, mit welcher Redſeligkeit dieſer das Soldaten⸗ leben geprieſen. Die Ahnung, daß er einem Werber in die Hände gefallen ſein könne, fiel ihm gar ſchwer auf's Herz, und daß dies ſo war, davon überzeugte er ſich bald. Da war mit einem Male jede Wirkung des Rauſches verflogen, die bitterſte Reue erfaßte ihn, allein das Geſchehene ließ ſich nicht ändern, die Pforten der Rückkehr waren ihm verſchloſſen. Wie ein Alp lagerte ſich ihm der Gedanke auf die Bruſt, daß er das freie Leben eines Handwerksburſchen mit dem beſchwerlichen eines Soldknechtes vertauſchen, daß er ſtatt des Wander⸗ ſtockes die ſchwere Flinte und ein kaum minder ſchweres Torniſter tragen ſolle.
Traurig und niedergeſchlagen wanderte er in der Stadt umher. Er wagte kaum, das Geld, um deſſen willen er ſeine Freiheit verkauft, anzurühren. Da führte ihm der Zufall ein junges Bauerweib in den Weg. Er klagte ihr ſeine Noth und wie gern er aus der Stadt fortmöge.„Iſts nicht mehr,“ antwortete ihm dieſe, „ſo will ich Euch helfen. Setzt Euch in meinen Korb, ich decke das Tuch über und trage Euch durch das Thor.“
Wer war froher über dieſen glücklichen Einfall als Andreas Jolky. Es fehlte nicht viel, er wäre dem Weibe auf offener Straße um den Hals gefallen. Das Wagſtäc ließ ſich nicht lange aufſchieben. Jo lky holte ſeine Papiere von der Herberge, ließ aber, um keinen Argwohn zu erregen, alle ſeine übrigen Habſelig⸗ keiten zurück. Die Beiden begaben ſich in die dunkle Hausflur eines abgelegenen Hauſes, der junge Mann kroch in den zum Glück etwas geräumigen Korb, die Frau warf ein Tuch darüber und trug langſam und bedächtig ihre koſtbare Bürde aus der Stadt.
So war er denn für diesmal dem Kalbfell und dem Soldatenrocke entronnen; frei wie der Vogel in der Luft und reich durch die Silberthaler des Werbers, marſchirte er leichten Herzens Hanau zu.
„Halt!“ rief ihm die Schildwache am Thore ent⸗ gegen, und forderte ſeine Kundſchaft. Arglos reichte er ſie hin; ſie wurde nach allen Seiten beſehen, der wacht⸗ habende Lieutenant ſprach angelegentlich mit dem Unter⸗ officier und nach wenigen Minuten trat der Letztere heraus und forderte Jolky auf, ihm zu folgen. Dieſem ahnte nichts Gutes und ſeine Ahnung betrog ihn nicht; der Weg ging direkt nach der Kaſerne. Jetzt wußte er, was ihm bevorſtand, und auch hierin täuſchte er ſich nicht. Man nahm ihm ſein Geld, entledigte ihn ſeiner Kleidung und ſteckte ihn in die Montur der Rekruten.
Das war gewiß für den jungen Mann ein neuer und ſchwerer Schlag. Wie fern war ihm da mit einem Male wieder das Ziel ſeines Wanderns, die franzöſiſche Hauptſtadt gerückt worden. Er war nahe daran, den Muth zu verlieren; allein die Hoffnung, auch diesmal mit Gottes Beiſtand dem Kalbfell zu entgehen, hielt ihn aufrecht; nur bot ſich keine Gelegenheit, kein gut⸗ müthiges Bauernweib kam in ſeine Nähe, er durfte nicht einmal die Kaſerne verlaſſen. Etwa vierzehn Tage mußte er hier aushalten. Dann wurde er mit einer ziemlichen Anzahl von Leidensgefährten, die er vor⸗ gefunden, aufgerufen und ſie mußten ihr Bündel ſchnüren, denn ſie ſollten nach Hannover abgeführt werden.
Das Leben eines Soldaten war eben ſo wenig nach Andreas Sinne, wie die Ausſicht, ſich für Je⸗ mand, für den er kein Intereſſe beſaß, todtſchießen zu laſſen. Vom Morgen bis zum Abend ſann er darauf, wie er dem verhaßten Schickſal entgehen könne; allein er kannte kein Mittel, nirgends zeigte ſich eine Gelegen⸗ heit, wie die, welche ihm früher aus der Montur geholfen.
Der Trupp ſetzte ſich in Marſch. Bei dem Streif⸗ zuge durch die freie Natur erwachte in Jolky der Trieb nach Freiheit um ſo mächtiger; ganz wider Er⸗ warten bot ſich ihm plötzlich beim Marſch durch einen Wald Gelegenheit, ohne Aufſehen zurückzubleiben und ungeſehen zwiſchen dem dichten Unterholze des Waldes zu verſchwinden. Scheu wie ein Reh floh er dahin, aber welcher Schrecken bemächtigte ſich ſeiner, da er einen Verfolger hinter ſich hörte. Schon hielt er ſich für ver⸗ loren. Wie ſehr er auch ſeinen Lauf beſchleunigte, der Verfolger war dicht hinter ihm. Er konnte nicht mehr, mit dem Muthe der Verzweiflung blieb er ſtehen, er wollte einen Kampf um ſeine Freiheit wagen; doch welche Ueberraſchung: der ihm auf den Ferſen war, war ein Böhme und gleich ihm Flüchtling.
Gemeinſam ſetzten ſie nun, ſobald ſie ſich erholt hatten, ihre Wanderung fort. Sie war mühſelig genug; nicht nur, daß ſie aus Furcht, an ihrer Montur als Ausreißer erkannt zu werden und ſo wieder in die Ge⸗ walt der Heſſen zu gerathen, nur bei Nacht, und wenn ſich die Gegend ſicher zeigte, bei Tage marſchirten, man⸗ gelte es ihnen auch an allen Lebensmitteln, und wenn ihnen nicht die Gutherzigkeit der Landleute forthalf, mußten ſie ſich mit den rohen Früchten des Feldes begnügen. Nachdem ſie ſich indeß weit genug entfernt glaubten, und nachdem es ihnen geglückt war, ihren Soldatenkittel gegen einen Bauernrock zu vertauſchen, wurden ſie dreiſter, wanderten bei Tage und um⸗
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