dä
30² Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Bekanntlich lebt der Fuchs paarweiſe, und die Zeit der Begattung fällt in den Februar. Die Füchſin wirft im April ſieben oder acht Junge, welche ſie in den abgelegenſten Winkel ihres mit Moos ausgefütterten Baues ſetzt, und für welche ſie alle Sorge trägt, die man von der zärtlichſten Mutter erwarten kann. So⸗ bald ſie laufen können, läßt ſie ſie ausgehen, ſäugt ſie an der Sonne, wacht über ihnen mit der größten Sorg⸗ falt, und bei dem geringſten Geräuſch, bei der gering⸗ ſten Drohung von Gefahr heißt ſie ſie zurückkehren und gräbt ſich mit ihnen in ihre Höhle ein, bereit, mit Ge⸗ fahr ihres Lebens ſie zu vertheidigen. Man begreift, daß eine ſo zahlreiche Familie Bedürfniſſe haben muß; darum ſind Vater und Mutter fortwährend auf Jagd, ſei es zuſammen, ſei es geſondert, und ſie zerſtören in dieſem Abſchnitt mehr Geflügel und Wildpret, als im ganzen Reſt des Jahres. Wollten ſie freilich ihren Er⸗ werb in der Nachbarſchaft ſuchen, ſo würden ſie Gefahr laufen, hier ganz aufzuräumen; daher thun ſie ihren Nachbarn kein Unrecht und gehen in’s Weite, die noth⸗ wendige Nahrung für ſich und ihre Kinder zu ſuchen. Von da ſtammt das wohlbekannte Sprichwort, daß nie ein Fuchs auf ſeinem Bau gejagt habe. Im Herbſt ver⸗ laſſen die Jungen den Bau und ſuchen leere Höhlen auf oder graben ſich eigene.
Die Sinne des Fuchſes vertreten den Vollkom⸗ menheitsgrad, den ſeine Lebensart verlangt. Sein Ge⸗ ſicht iſt ausgezeichnet, namentlich während der Dämme⸗ rung, ſein Gehör noch feiner, aber der Geruchſinn ſcheint bei ihm den höchſten Grad von Zartheit zu er⸗ reichen. Das iſt der Sinn, welcher ihn auf ſeinen all⸗ nächtlichen Streifereien leitet; darum wandert er im⸗ mer, die Naſe gegen den Wind gekehrt, bereit, die ge⸗ ringſte Geruchsausſtrömung zu erhaſchen, welche die Annäherung einer Beute oder eines Feindes verrathen könnte. Seine feſten und nervigen Beine eignen ihn zum ſchnellſten Laufe, während ſein Wuchs ihm erlaubt, die dickſten Geſtrüppe zu durchſchneiden, wo die Hunde oft Mühe haben, ihm zu folgen. Seine Kinnbacken, be⸗ waffnet mit Zähnen, weit ſpitziger, als die des Hundes, werden durch ſehr ſtarke Muskeln in Bewegung geſetzt, ſeine Biſſe ſind tief und gefährlich. Wenn er irgend einen Gegenſtand erfaßt hat, ſo beißt er mit einer Hef⸗ tigkeit zu, daß es oft nöthig wird, ein Brecheiſen anzu⸗ wenden, damit er ihn fahren laſſe. Seine Stimme gibt ſich zu verſchiedenen Beugungen her; im Winter, wenn er Haſen jagt, kläfft und bellt er, ſelten im Sommer, wo ſein winſelnder oder murmelnder Laut mehr den Ausdruck des Verlangens und der Sehnſucht, ſelbſt der Klage und Traurigkeit hat. Er kennt auch den Schrei des Schmerzes, aber dieſer ſcheint noch mehr ein Wuth⸗ ſchrei zu ſein; denn er läßt ihn nicht vernehmen, als wenn der Schuß des Jägers ihm ein Glied zerſchmettert hat. Um einer andern Verwundung willen ſchreit er nicht. Gefangen, erträgt er Stockſchläge ohne ſich zu be⸗ klagen, aber nicht, ohne ſich zu vertheidigen, ſelbſt bis auf den letzten Seufzer.
Der Schlaf des Fuchſes iſt tief, und man kann ziemlich leicht ihm nahen, ohne daß er erwacht. Um zu
ſchlafen, rollt er ſich zuſammen wie der Hund; aber wenn er nur ausruhen will, ſo begnügt er ſich, blos die Beine zu ſtrecken. In dieſer Lage pflegt er auf Mäuſe und kleine Vögel längs der Hecken zu ſpähen. Die Vögel kennen ihn wohl und ſtoßen, ſo bald ſie ihn ge⸗ wahren, einen Lärmſchrei aus. Der Fuchs begreift die⸗ ſes Zeichen, weiß, daß er entdeckt iſt, und entfernt ſich, um ſich weiter in Hinterhalt zu legen; aber die Hähne und die Amſeln namentlich folgen ihm, auf die Gipfel der Bäume fliegend, wiederholen ihre Anzeigeſchreie und begleiten ihn ſo oft mehrere hundert Schritte.
Der Geſelligkeitstrieb ſcheint bei dem Fuchs wenig entwickelt. Die Geſellſchaften, welche er mit Thieren ſeiner Art bildet, ſind nur vorübergehend und haben blos das Bedürfniß zum Zweck, ſich die Nahrung des Augenblickes zu verſchaffen.
Ganz jung gefangen, wird er ziemlich vertraut und ſpielt mit den Hunden von ſeinem Wuchſe. Aber es iſt unmöglich, ſeine fleiſchgierigen Triebe zu ver⸗ beſſern; kaum fangen ſeine Zähne an zu treiben, ſo fällt er Geflügel an, welches den Hof bewohnt. Eigen⸗ thümlich iſt, daß, wenn er angekettet liegt, er keineswegs den ihm nahenden jungen Hühnern zu ſchaden ſucht, wie ihn auch der Hunger treiben möge, während er doch gierig das Fleiſch verſchlingt, das man neben ihn hin⸗ ſtellt. Mit dem Spitzhunde gibt er fruchtbare Baſtarde, die jedoch leicht der Räude und ſelbſt der Wuth ausge⸗ ſetzt ſein ſollen.
Betrachten wir endlich ſeine Phhſiognomie, wie ſie ſo ganz zu ſeiner Gemüthsart ſtimmt! Die horizon⸗ tale Stirn mit ſtraffangezogener liſtigglatter Stirnhaut gleicht einer mathematiſchen Tafel, auf der nur die Li⸗ nien des Kalküls hin⸗ und wiederſpielen. Das ſcharfge⸗ ſpitzte Ohr ſchiebt ſich unten weiter vor, als wolle es jeden Laut erfaſſen; das leiſeſte Geräuſch, das Zittern eines Blattes, das Zucken des träumenden Vogels fällt in die horchend ausgeſpannte Oeffnung. Wie viel Bos⸗ heit und Grazie, wie viel Geiſt liegt in dieſer feinen, langgeſtreckten und geſchmeidigen Naſenſpitze! Schön darf man das Fuchsauge freilich nicht nennen, denn es verräth das nächtliche Raubthier. Feucht vor ungeſtillter Gier, aufflammend in Mordluſt, ſchmachtend in zärt⸗ licher Verliebtheit, birgt es eine Welt voll Leidenſchaften. Der Fuchs iſt vielleicht der größte Mime, den das Thier⸗ reich aufzuweiſen hat.
Kleine geſchichtliche Kurioſa.
u Anfang des achtzehnten nahrhander ,. Vogelsberg ein Meſſerſchmied Namen d
fenrath. Wie er auch vom frühen Morgen bis zur ſinkenden Nacht arbeitete, er brachte es nicht eben vorwärts. Mißmuthig dar verkaufte er Alles, was er ſein nannte, eetet⸗ ſich dem Erlös ein Landgut in der Wettero„un, wird ihm beſſer, denn er war ein ſpeb⸗ Len Geruch


